Auf Augenhöhe: Pflegekräftemangel als Anstoß sehen

Im Jahr 2030 fehlen in Berlin etwa 20.000 Pflegekräfte, schätzt der Berliner Senat. Auf dem 5. Berliner Pflegekongress im Berliner Roten Rathaus diskutieren vom 05. – 06.11.2015 etwa 1.000 Pflegekräfte aus der Hauptstadtregion unter anderem über ihr neues Selbstverständnis.

Die Pflege ist ein unersetzbarer Teil einer allumfassenden Gesundheitsversorgung und sie wird zukünftig immer mehr in die Prozessverantwortung kommen. So ist es unerlässlich, dass sie in ihren Handlungen auf Augenhöhe agiert. Aus diesem Grund lautet das Kongress-Motto „Pflege in der Metropole – Selbstbestimmt auf Augenhöhe“.

In Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern und fachkundigen Referentinnen und Referenten wurde ein spannendes und ansprechendes Programm zusammengestellt.

Auf dem Kongress gibt es Foren zu verschiedenen Themen, wie

  • Ernährungsmanagement
  • Wundmanagement
  • Schmerzmanagement
  • Qualitätsmanagement
  • Innovative Konzepte in der Pflegeorganisation
  • Konzepte in der Geriatrie
  • Psychiatrische Pflege
  • Sektorenübergreifende Patientenversorgung.

Kathrin Leffler, Sprecherin der Vivantes-Pflegedirektoren im Interview:

Frage: Das Selbstverständnis in der Pflege wandelt sich – daher heißt es auch im Kongresstitel „auf Augenhöhe“. Aber was bedeutet das?

Kathrin Leffler: Im Moment bringt eher der Fachkräftemangel die Pflege auf Augenhöhe – aber das sollten wir als Anstoß sehen. Was wir als erstes ändern sollten, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen: Die Pflege hat immer noch keine Vorbehaltsaufgaben und erfüllt alles in Delegation. Wir wollen also künftig selbstbestimmter arbeiten und mehr entscheiden können – schließlich haben wir auch die Kompetenz und den meisten Patientenkontakt.

Frage: Wie kann es denn klappen, dass die Pflege mehr ärztliche Tätigkeiten übernimmt?

Kathrin Leffler: Dass das funktionieren kann, zeigen Projekte bei Vivantes, in denen die Pflege auch ärztliche Aufgaben übernimmt und Versorgungsstandards weiterentwickelt. Beispiele sind das Versorgungsmanagement für chronische Wunden, ein Projekt zur Vermeidung von Mangelernährung oder die aktivierende therapeutische Pflege zur Förderung der Mobilität. Wenn die Pflege mehr Aufgaben übernimmt, müsste sie auf der anderen Seite allerdings entlastet werden, also Aufgaben wie etwa die Essensbestellung- und Ausgabe wegfallen. Um auf Augenhöhe zu arbeiten, ist es wichtig das Praxisfeld wissenschaftlich weiterzuentwickeln, tradierte Standards zu durchleuchten und wissenschaftliche Erkenntnisse direkter und schneller „ans Bett“ zu bringen. Wir brauchen dafür viel mehr Pflegewissenschaftliche Erkenntnisse  in der Praxis.

Frage: Der Wissenschaftsrat empfiehlt, jede fünfte Pflegefachkraft solle einen akademischen Abschluss besitzen. Ist das realistisch?

Kathrin Leffler: Davon sind wir derzeit weit entfernt. Auch wir bei Vivantes haben außerhalb des Managements noch unter 1% Akademiker in der Pflege. Aber wir arbeiten derzeit daran, Fachweiterbildungen für die Pflege durch Studiengänge abzulösen. Wir entwickeln beispielsweise bei Vivantes einen Pflege-Bachelor für Psychiatrie. Für die Intensivpflege planen wir etwas Ähnliches. Es bedarf aber erst noch gesetzlicher Änderungen, damit diese Weiterbildungen auch anerkannt werden.

www.vivantes.de

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Foto: Fotolia.com – Fotolia_57340743


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