Feuerwerk kann gefährlich werden – Verletzungen vorbeugen

Die Vivantes Rettungsstellen bereiten sich heute wieder auf Verletzte durch Böller und Raketen vor. Unsere Auswertungen von Unfällen in den letzten Jahren haben ergeben, dass der durchschnittliche „Silvesterpatient“ männlich ist (72%) und die meisten Betroffenen den Böller-Unfall nicht selbst verschuldet haben. Knapp die Hälfte der männlichen Patienten wurde durch andere Personen verletzt, bei den weiblichen Patientinnen war nur jede Vierte selbst schuld. Die meisten Verletzungen werden durch Feuerwerkskörper am Kopf und an den Händen verursacht. Statistisch gesehen erleiden rund 42% der Silvesterpatienten Verbrennungen, 39 % ein Knalltrauma. Ein Knalltrauma (auch akustisches Trauma) ist die Verletzung des Hörorgans durch einen kurzen aber starken Schallreiz. Durch den Schalldruck eines Böllers können die Haarzellen im Innenohr so stark geschädigt werden, dass sie unter Umständen dauerhaft funktionsunfähig bleiben. Die Folge sind Tinnitus (Ohrgeräusche) oder eingeschränktes Hörvermögen. Auch haben Betroffene das Gefühl, alles nur noch dumpf zu hören und Druck auf den Ohren zu haben. Behandelt wird ein Knalltrauma zunächst mit durchblutungsfördernden Medikamenten.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, hat die Berliner Feuerwehr Sicherheitstipps für den richtigen Umgang mit Feuerwerkskörpern veröffentlicht. Ganz wichtig ist es, auf die Herkunft von Raketen & Co. zu achten: Ware vom Schwarzmarkt kann lebensgefährlich sein, weil illegale Böller zumeist keine Gebrauchsanweisung haben und somit falsch eingesetzt werden. Auch besitzen die besonders lauten Knaller aus Osteuropa eine so hohe Sprengkraft, dass Sicherheit hier nicht mehr garantiert ist. Also bitte immer auf das Zulassungszeichen der BAM achten, diese Nummer sollte auf der Packung abgedruckt sein. Wer hochexplosives Feuerwerk aus dem Ausland nutzt, gefährdet nicht nur sich und seine Mitmenschen, sondern macht sich auch strafbar: Konsequenzen wie hohe Bußgelder, Entsorgungskosten bis hin zu Freiheitsstrafe drohen.  Raketen und Böller sollten zudem immer getrennt von Streichhölzern oder Feuerzeugen aufbewahrt werden. Generell empfiehlt es sich, nie die gesamten „Böller-Reserven“ in einem Behältnis aufbewahren, Sicherheit geht vor. Auch rät die Berliner Feuerwehr dazu, nicht ausgelöste Feuerwerkskörper in sicherer Entfernung liegen zu lassen – sie können immer noch explodieren!

Mit ein paar Sicherheitsmaßnahmen sorgt man vor: So sollte man in der Silvesternacht Fenster und Türen verschlossen halten. Auf Balkon und im Garten dürfen sich keine brennbaren Gegenstände befinden. Wer eine Party feiert sollte bei der Deko etwas aufpassen: Styropor und andere Kunststoffe sind hochentzündlich und gehören nicht in Räume, wo Kerzen brennen oder Tischfeuerwerke gezündet werden. Wenn es doch zum Unfall kommt, dann kann man kleinere Brandverletzungen sofort mit kaltem Wasser oder Eis 10 Minuten lang kühlen. Brandblasen sollten nicht geöffnet werden. Betroffene Stellen können mit Baumwolltüchern oder sterilen Kompressen abgedeckt werden, bei größeren Wunden muss man einen Arzt konsultieren. Befindet sich Kleidung auf der Verbrennungsstelle, dann diese unbedingt drauflassen, das Entfernen würde sonst Haut mit ablösen. Betroffene stehen oft unter Schock, sie müssen warm gehalten werden.

Peter-Michael Albers, Chefarzt der Rettungsstelle und Ärztlicher Direktor am Wenckebach-Klinikum: „Verletzungen durch Feuerwerkskörper können irreparabel sein, vor allem, wenn Augen oder Ohren betroffen sind. Der leichtsinnige Umgang mit Feuerwerk kann so zu lebenslangen Beeinträchtigungen führen, die eventuell auch die berufliche und persönliche Zukunft betreffen.“

Trotzdem sind in unseren Rettungsstellen in ganz Berlin die „Böller-Opfer“ in der Minderheit: Nur etwa jeder 25. Patient wird wegen einer Feuerwerksverletzung medizinisch versorgt. Wir hoffen, dass es auch in dieser Silvesternacht möglichst wenige Betroffene gibt. Bitte seien Sie vorsichtig und kommen Sie gesund ins neue Jahr! Das Team vom Vivantes Blog wünscht Ihnen alles Gute für 2015!

Kommentare anzeigen (1)

Kommentar schreiben

This is a unique website which will require a more modern browser to work! Please upgrade today!