Achtung Masern!

In Berlin kam es in den vergangenen Monaten vermehrt zum Ausbruch von Masern. In den Medien wird von einer Epidemie gesprochen. Da in Berlin viele Menschen nicht gegen das Virus geimpft sind, verbreitet sich aktuell die Erkrankung weiter. Der Chefarzt der Kinderklinik im Vivantes Klinikum im Friedrichshain Prof. Dr. Hermann Girschick informiert über Symptome und Schutz vor einer Ansteckung.

Red.: Herr Prof. Girschick, derzeit reden alle von Masern. Seit letztem Herbst sollen sich in Berlin über 600 Menschen angesteckt haben und dann auch erkrankt sein – macht sich der Ausbruch der Krankheit auch in ihrer Kinderklinik bemerkbar?

Prof. Girschick: Ja, wir haben in den letzten Wochen regelmäßig betroffene Säuglinge, Kinder und Jugendliche betreut. Es scheint in Vergessenheit geraten zu sein, dass diese hoch ansteckende Erkrankung aber auch für Erwachsene gefährlich sein kann.

Red.: Woran erkennt man Masern?

Prof. Girschick: Bei Kindern beginnen die Masern meistens mit Fieber, Husten, Schnupfen und roten Augen. Ein paar Tage später bekommen sie den bekannten fein- bis mittelfleckigen Ausschlag, der am Hinterkopf beginnt. Wenn man die Mundhöhle ansieht, fallen einzelne weißliche Flecken auf. Die Lymphknoten am Hals schwellen an.

Red.: Sind die Symptome bei Erwachsenen genauso?

Prof. Girschick: Ja – allerdings kommt es bei Erwachsenen häufiger zu Komplikationen und zusätzlichen Erkrankungen, wie zum Beispiel eine Lungenentzündung.

Red.: Wie kann man sich vor der Ansteckung schützen?

Prof. Girschick: Schutz vor Masern ist nur durch eine Impfung möglich. Die Impfung sollte zwischen dem 11 und 14 Lebensmonat durchgeführt werden, eine zweite mindestens vier Wochen später – und bis zum zweiten Lebensjahr. Jüngere Kinder, die in eine Kita gehen sollen, kann man auch schon ab dem neunten Monat impfen lassen. Die ständige Impfkommission der Bundesregierung (STIKO am Robert Koch Institut) empfiehlt die Kombinationsimpfung gegen Mumps, Masern, Röteln und Windpocken zum frühestmöglichen Zeitpunkt, meist zwischen dem 9. Und 11. Lebensmonat, im Einzelfall auch schon früher.

Red.: Wie sicher ist der Impfschutz gegen Masern?

Prof. Girschick: Mit einer vollständigen 2-maligen Impfung ist man für sein ganzes Leben gegen Masern in aller Regel geschützt. Allerdings reagiert nicht jedes Kind gleich auf den Impfstoff – in der Regel ist die zweite Impfung unerlässlich, um den Schutz aufzubauen. Man geht davon aus, dass eine Impfung in etwa zu 70 % von dem Ausbruch von Masern im Kinde schützt, nach 2 – maliger Gabe ist der Schutz nahezu vollständig.

Red.: Welche Nebenwirkungen gibt es?

Prof. Girschick: Wie bei jeder Impfung kann es zu leichten Nebenwirkungen kommen. Beispielsweise rötet sich die Einstichstelle. Einzelne Impflinge haben eine erhöhte Temperatur, sind matt oder haben Kopfschmerzen. In sehr seltenen Fällen können milde Impfmasern auftreten.

Red: Und wenn man als Kind nicht geimpft wurde?

Prof. Girschick: Dann ist man als Erwachsener gegen die Masern nur immun, wenn man als Kind daran erkrankt war. Ansonsten sollte man seinen Impfpass prüfen und sicherheitshalber die Impfung nachholen. Die meisten heute über 45jährigen Menschen hatten die Masern. In den Jahrgängen ab 1970 gibt es größere Impflücken.
Man muss sich klar machen, dass man sich ohne Impfung nicht nur selbst gefährdet, sondern auch andere, vor allem Kinder mit noch fehlendem Impfschutz oder Abwehrschwäche.

Red.: Warum?

Prof. Girschick: Kinder werden wie gesagt unter 11 Monaten nicht geimpft. Auch immunschwache Kinder mit rheumatischen oder onkologischen Erkrankungen werden in der Akutphase in der Regel nicht gegen Masern geimpft. Die Schwächsten unter uns können nur geschützt werden, wenn der Rest der Menschen, die geimpft werden können, dies auch tun und damit ein großer Schutzschirm über alle gespannt werden kann.

Red.: Ist man mit einer Maserninfektion anfälliger für Folgeerkrankungen?

Prof. Girschick: Durchaus. Masern schwächen das Immunsystem über Wochen. Wenn die Masern von Husten begleitet werden, ist eine Lungenentzündung zu befürchten. Sehr selten, aber lebensgefährlich ist eine Entzündung des Gehirns durch das Masernvirus. Diese kann direkt während der Erkrankung aber auch noch Jahre später auftreten.

Red.: An wen kann man sich bei Vivantes wenden, wenn man glaubt, an Masern erkrankt zu sein?

Prof. Girschick: Mit Kindern können Sie zu uns in die Kinderrettungsstelle im Vivantes Klinikum im Friedrichshain kommen, oder in die Kinderrettungsstelle in Neukölln, generell kann man sich an alle Kinderärzte und Kinderrettungsstellen wenden.
Wenn es keine Komplikationen gibt, sind Masern in der Regel gut zu Hause behandelbar. Erwachsene, die schwer erkranken, werden in der Regel in den dermatologischen oder internistischen Kliniken von Vivantes behandelt. Diese gibt es ebenfalls hier im Friedrichshain, außerdem in Spandau und in Neukölln.

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Bei Vivantes haben sich seit Januar 2015 schon 1170 Mitarbeiter nachimpfen lassen!

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