Aufpassen bei Sonnenallergie!

Der diesjährige Sommer ist ziemlich verregnet – umso gefährlicher können Sonnenstrahlen im Urlaub auf die Haut wirken. Prof. Dr. Wiebke Ludwig-Peitsch, Chefärztin der Dermatologie im Vivantes Klinikum im Friedrichshain erklärt, worauf man achten sollte.

Wie erkennt man, dass man keinen Sonnenbrand (in der medizinischen Fachsprache Dermatitis solaris) hat, sondern unter einer Sonnenallergie leidet?
Der Sonnenbrand zeigt sich durch eine Rötung mit Brennen der Haut, in schweren Fällen auch durch Blasenbildung. Er ist auf Körperstellen begrenzt, die in Kontakt mit der Sonne waren, und tritt innerhalb von wenigen Stunden nach dem Sonnenbad auf.
Der im Volksmund verwendete Begriff „Sonnenallergie“ ist etwas irreführend. Hiermit gemeint ist meist die polymorphe Lichtdermatose (PLD), die eigentlich keine Allergie ist. Sie kommt nur bei Menschen vor, die dafür eine besondere Veranlagung besitzen. In Mitteleuropa sind dies 10-20% der Bevölkerung. Die Symptome der PLD sind vielgestaltig (polymorph); bei demselben Patienten zeigen sie sich jedoch immer wieder ähnlich. Das können Papeln (kleine Knötchen), Vesikel (Bläschen), Pusteln (Pickel) oder Plaques (rote, erhabene Stellen) sein, die mitunter erst am Tag nach der Sonnenexposition auftreten und mit starkem Juckreiz einhergehen.

Wie gefährlich sind die Symptome des Sonnenbrands und der sogenannten „Sonnenallergie“?
Ein großflächiger, schwerer Sonnenbrand kann durchaus bedrohlich sein und auch einen Klinikaufenthalt nötig machen. Insbesondere bei Symptomen wie Blasenbildung, Fieber und Schüttelfrost sollte ein Arzt aufgesucht werden.  Die PLD kann aufgrund von Juckreiz sehr unangenehm sein und ebenfalls einen Arztbesuch erforderlich machen.

Was kann man unmittelbar dagegen tun, wenn man bereits in der Sonne war?
Zunächst sollte man weitere UV-Strahlung vermeiden, sich in den Schatten oder in einen lichtgeschützten Raum begeben und den Sonnenbrand durch kalte Umschläge kühlen. Weiterhin hilfreich sind kühlende Gele oder Lotionen. Gegen Juckreiz können antiallergisch wirksame Tabletten (Antihistaminika) genommen werden, die es rezeptfrei in der Apotheke gibt, gegen Schmerzen entzündungshemmende Tabletten (nichtsteroidale Antiphlogistika). Bei stärkerem Sonnenbrand oder PLD kann zusätzlich eine Cortison-haltige Creme verordnet werden. In sehr schweren Fällen sind manchmal kurzfristig Cortison-Tabletten nötig.
Besonders wichtig ist natürlich die Vorbeugung. Nicht nur vor dem Sonnenbad ist sorgfältiges Eincremen nötig, sondern auch nach dem Schwimmen und wenn man geschwitzt hat. Der Lichtschutzfaktor sollte je nach Hauttyp und Stärkte der Sonneneinstrahlung ausgewählt werden. Hat man eine helle Haut (Hauttyp 1 oder 2) und fährt im Urlaub in den Süden, ist Lichtschutzfaktor 30-50 angemessen.

Besteht die Hoffnung, dass man eines Tages wieder in die Sonne gehen kann, weil sich die sogenannte „Sonnenallergie“ wieder von allein „erledigt“?
Die PLD tritt meist bei der ersten Sonnenbestrahlung im Frühjahr auf, wenn die Haut noch nicht an die Sonne gewöhnt ist. Im Laufe des Sommers verringern sich die Symptome. Dieses Phänomen kann man sich auch therapeutisch zunutze machen. Bei schwerer PLD kann beim Hautarzt ein sogenanntes „Licht-Hardening“ vorgenommen werden, bei dem die Patienten vor Beginn des Sommers in Lichtkabinen bestrahlt und dadurch an das UV-Licht gewöhnt werden.

Gibt es weitere Erkrankungen, die an eine Sonnenallergie erinnern können?
Weit seltener als Sonnenbrand und PLD  kann ein photoallergisches Ekzem auftreten, das tatsächlich auf einer Allergie beruht.  Die Allergene befinden sich beispielsweise in Sonnencremes, Kosmetika oder Medikamenten, die in Verbindung mit der Sonne allergieauslösend wirken. Hier können auch Symptome an Körperstellen entstehen, an die die Sonne nicht direkt herangekommen ist, oft in Form von Streuherden.
Zudem gibt es phototoxische Reaktionen. Dabei wird die Hautreaktion durch Kontakt mit Substanzen, die in Verbindung mit Sonnenlicht toxisch wirken, verursacht. Dies können z. B. Pflanzeninhaltsstoffe, ätherische Öle oder Medikamente wie bestimmte Antibiotika und  Johanniskraut sein.


Foto: Fotolia.com 88802283_Leyetronic

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