Darmkrebs – die leise Gefahr

Rund 70.000 Menschen erkranken allein in Deutschland jährlich an Darmkrebs. Damit ist er die dritthäufigste Krebsart nach Brust- und Prostatakrebs. Was ihn so besonders gefährlich macht: Er verursacht im Frühstadium keinerlei Beschwerden und wird oft erst entdeckt, wenn die Erkrankung schon weit fortgeschritten ist. Dabei ist Darmkrebs häufig heilbar, wenn er früh genug erkannt wird.

Als Darmkrebs bezeichnet man einen bösartigen Tumor im Dickdarm (Kolonkarzinom) oder im Mastdarm (Rektumkarzinom); beide Tumorarten werden unter dem Begriff Kolorektales Karzinom zusammengefasst. Im Dünndarm treten hingegen nur sehr selten Tumoren auf. Die Entstehung von Darmkrebs ist inzwischen extrem gut erforscht. Meist geht er von einer zunächst gutartigen Veränderung der Darmschleimhaut, den sogenannten Darmpolypen aus. Aufgrund von wiederholten Genveränderungen (Mutationen) bilden sich Krebszellen, die unkontrolliert wuchern.

Während dieses Zeitraums, der häufig 10 Jahre oder länger dauert, verursachen die entstehenden Krebszellen keinerlei Beschwerden. Kommt es schließlich zu Symptomen wie Bauchschmerzen oder Blut im Stuhl, ist die Erkrankung häufig schon sehr weit fortgeschritten.

Einfache und sichere Methode der Früherkennung

Dabei können die Vorstufen von Darmkrebs mit Hilfe einer Darmspiegelung (Koloskopie) zu nahezu 100 Prozent erkannt werden. „Mit unseren modernen Videoendoskopen können wir die zunächst gutartigen Wucherungen wie Polypen oder Adenome nicht nur erkennen, sondern sie in einem Schritt gleich entfernen und den Patienten spätere Operationen ersparen“, weiß Dr. Hans-Ulrich Jahn, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Gastroenterologie, Kardiologie, Diabetologie und Geriatrie im Vivantes Klinikum Hellersdorf. „Das Stichwort ‚Darmspiegelung’ hat für viele Patienten einen negativen Beigeschmack, dabei verläuft die Untersuchung völlig schmerzfrei und dauert nur 30 Minuten. Wer dennoch Angst hat, kann eine Kurzzeitnarkose bekommen und die Untersuchung verschlafen.“

Vivantes bietet diese hochspezialisierte Diagnostik an allen Standorten für die stationären Patienten an. Wird ein Tumor festgestellt, besprechen Krebsexperten verschiedener Fachrichtungen das weitere Vorgehen in interdisziplinären Tumorkonferenzen. Gastroenterologen, Onkologen, Radiologen, Pathologen und Chirurgen erarbeiten für jeden einzelnen Patienten eine maßgeschneiderte Empfehlung für die weitere Diagnostik und Therapie.

Gesunde Ernährung ist die beste Vorsorge

Eine wichtige Rolle für das Darmkrebsrisiko spielt die familiäre Vorbelastung. „Fragen Sie in ihrer Familie nach“, rät Chefarzt Dr. Jahn. „Bei etwa jedem dritten Patienten finden sich Darmkrebs oder seine Vorstufen bei Eltern, Großeltern oder Geschwistern. Für diese Patienten ist die Früherkennung besonders wichtig.“ Ebenfalls ein erhöhtes Risiko haben Menschen, die an entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis Ulzerosa leiden.

Unbestritten ist die Rolle, die unsere Ernährung bei der Entstehung von Darmkrebs spielt. Der Darm trägt entscheidend zu unserer Immunabwehr bei. Essen wir zu fett oder zu wenig vitamin- und ballaststoffreich, bekommen wir nicht nur Verdauungsprobleme, sondern schwächen auch die Abwehrkräfte des Darms.

Olaf Lenzen ist Leitender Arzt im Vivantes Zentrum für Ernährungsmedizin und weiß, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung zum Schutz vor Darmkrebs ist. „Der Darm braucht pflanzliche Faserstoffe, um Schadstoffe zu binden und schnell auszuscheiden“, erklärt er. Hier eignen sich besonders Vollkornprodukte wie Müsli, Vollkornbrot oder ungeschälter Reis. Obst und Gemüse enthalten nicht nur reichlich wertvolle Ballaststoffe, sondern zusätzlich wichtige Vitamine und Mineralien.

Zusätzlich zellschützende Stoffe finden sich in allen Kohlarten, Tomaten, Zwiebeln, Beerenobst oder Zitrusfrüchten. „Bei Fetten und Ölen lohnt es sich unbedingt, auf die Qualität zu achten“, betont Olaf Lenzen. „Kaltgepresste Pflanzenöle enthalten beispielsweise viel ungesättigte Fettsäuren und Vitamin E. Auch die Omega-3-Fettsäuren aus fettigem Seefisch schützen unseren Darm. Diese sind auch in Rapskern-, Walnuss-, oder Leinöl enthalten.“ Häufiger verzichten sollte man auf Fleisch, denn es enthält viel tierisches Fett in der gesättigten Form. Stattdessen gehören zwei bis dreimal pro Woche Fisch und Eier sowie Milchprodukte auf den Speisenplan. „Grundsätzlich gilt: Greifen Sie zu Lebensmitteln, die möglichst wenig verarbeitet und frei von Zusatzstoffen und Chemikalien sind“, erklärt der Ernährungsmediziner. „Auch das Trinken sollte man nicht vergessen. Anderthalb bis zwei Liter Flüssigkeit pro Tag braucht der Darm, um gesund zu bleiben. Wenn Sie es dann noch schaffen, Sport und Bewegung in Ihren Alltag einzubauen, dann haben Sie schon viel zur Vorbeugung von Darmkrebs getan!“

Reihe vegetarischer Lebensmittel

Mangelernährung gibt es häufiger als man denkt

Auch wenn in westlichen Industrienationen Übergewicht ein großes Problem darstellt – es gibt auch viele Menschen, die mangelernährt sind. Ältere Menschen und solche, die an chronischen Erkrankungen leiden, sind besonders häufig betroffen. Dies liegt zum einen daran, dass diese Patienten zu wenig essen. Aber auch eine zu einseitige Ernährung führt zu Mangelzuständen an bestimmten Nahrungsbestandteilen. „Aus diesem Grund werden in allen Vivantes Kliniken alle Patienten, die voraussichtlich länger als drei Tage im Krankenhaus bleiben müssen, mit einem ganz einfachen Testverfahren auf das Risiko einer Mangelernährung überprüft“, erklärt Olaf Lenzen.

Bei jedem vierten Patienten wird inzwischen eine solche Unterversorgung mit Nährstoffen festgestellt. Diese Patienten leiden häufiger unter Komplikationen wie Lungenentzündungen, Wundheilungsstörungen, Thrombosen oder Druckgeschwüren. Sie müssen öfter auf Intensivstationen behandelt werden und der Krankenhausaufenthalt verlängert sich. Wird eine Mangelernährung festgestellt, errechnet das Ernährungsteam der Klinik die erforderliche Kalorien- und Flüssigkeitszufuhr, jeweils unter Berücksichtigung der individuellen Erkrankung. Anschließend werden individuelle Kostpläne aus hochkalorischem Essen und Zusatztrinknahrung mit Vitaminen und Spurenelementen zusammengestellt. Auf diese Weise kann mit einem sehr einfachen Test vielen Patienten ein langer Krankenhausaufenthalt und unnötige Komplikationen erspart werden.

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