Dem Stress auf der Spur

Keiner mag ihn, jeder hat ihn – Stress. Längst ist er zu einer selbstverständlichen Begleiterscheinung unseres Alltagslebens geworden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beurteilt Stress als eine der größten Gesundheitsgefahren im 21. Jahrhundert. Jede zweite Krankschreibung wird im Jahr 2020 auf Stress zurückgehen, lautet die Prognose.

Wenn die Arbeit krank macht

Hauptauslöser für Stress ist die moderne Arbeitswelt. Termin- und Zeitdruck, der Anspruch, viele Dinge gleichzeitig erledigen zu müssen (Multitasking) sowie ständige Störungen des Arbeitsprozesses werden hier häufig als belastend identifiziert. Umgekehrt kann auch eine zu große Monotonie der Arbeitsprozesse Stress auslösen. Studien bestätigen die gefühlte Überlastung. So verzichten rund 22 Prozent der Beschäftigten auf Pausen, jeder zehnte arbeitet auch nach Feierabend, am Wochenende oder sogar im Urlaub.

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Gleichzeitig verlangt uns auch das Privatleben immer mehr ab: Konflikte, finanzielle Sorgen, die Doppelbelastung durch Familie und Beruf oder zu pflegende Angehörige – dies alles führt zu einem Teufelskreis aus Druck und immer zu wenig Zeit, aus dem viele alleine nicht mehr herausfinden.

Was macht Stress im Körper?

Medizinisch gesehen unterscheidet man zwischen positivem Stress (Eustress) und negativem Stress (Distress). Die positive Variante ist vorübergehend und verleiht uns die nötige Energie, um große Aufgaben zu bewältigen.
Dauert ein solcher Stresszustand aber zu lange an, aktiviert der Körper unser Stresshormon-System und schaltet auf Daueralarm. Eine wahre Hormonkaskade bricht los. Zunächst setzt das limbische System im Gehirn ein Peptid namens CHR (Corticotropin-freisetzendes Hormon) frei. Dieses regt die Produktion des bekannten Stresshormons Cortisol an. Damit schaltet der Körper auf „erhöhte Alarmbereitschaft“ und schüttet die Notfallhormone Adrenalin und Noradrenalin aus. Dies hat zur Folge, dass der Blutdruck steigt, die Bronchien sich weiten, die Tätigkeit von Magen und Darm heruntergefahren wird – wir sind bereit zur Flucht.
Kann diese angestaute Energie nicht positiv genutzt werden, bleibt der Adrenalinspiegel auf einem hohen Level und wir befinden uns im Dauerstress. Folgen sind Rückenschmerzen, Muskelverspannungen, Erschöpfung, Schlafstörungen sowie Nervosität und Niedergeschlagenheit. Auch Kopfschmerzen, Magenbeschwerden oder Tinnitus sowie psychische Beschwerden wie Depressionen oder Angststörungen können auf Überbelastung zurückgeführt werden.

Hilfe gegen den Stress

Ein Allheilmittel, das allen Betroffenen hilft, gibt es nicht. Am Anfang steht die Selbsterforschung. Beobachten Sie sich und finden Sie heraus, was Sie belastet und wo Ihre Grenzen sind. Aus den vielen unterschiedlichen Methoden zur Stressbewältigung muss jeder für sich persönlich herausfinden, was ihm gut tut. Hilfreich sind Entspannungsmethoden, Zeitmanagement oder sportliche Aktivitäten. Pflegen Sie Ihre Kontakte, denn die Gesellschaft mit anderen hebt die Stimmung. Auch eine ausgewogene Ernährung hilft dem Körper, mit Stress fertig zu werden. Alkohol oder Beruhigungsmittel sind hingegen keine gute Lösung. Wenn Sie das Gefühl haben, allein keinen Ausweg zu finden, lassen Sie sich helfen und sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Alle Vivantes Kliniken bieten ein großes Spektrum an Hilfsangeboten an.

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Immer mehr Kinder- und Jugendliche sind betroffen

Auch bei Schülerinnen und Schülern lässt sich eine Tendenz zu psychischen Störungen und Problemen ausmachen. Die Gründe dafür sind vielfältig, wie Professor Dr. Michael Kölch, Chefarzt der Kliniken für Kinder und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik bei Vivantes, weiß: „Auslöser können Über- oder Unterforderung in der Schule oder Mobbingerfahrungen sein. Aber auch Streit zwischen den Eltern, Trennung und Scheidungssituationen können für Kinder sehr belastend sein.“ Weitere Faktoren sind beispielsweise Armut, Migration oder die psychische Erkrankung eines Elternteils. Aber nicht jedes Kind, das zu einem Zeitpunkt seines Heranwachsens Auffälligkeiten zeigt, ist auch behandlungsbedürftig. „Psychisch krank sind nur circa 6 bis 8 Prozent der Kinder und Jugendlichen“, erklärt Professor Kölch. „Viele finden durch die emotionale Zuwendung ihrer Eltern und Bezugspersonen wieder aus der Krise heraus.“

Ist doch eine Behandlung notwendig, bieten die Vivantes Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an den Standorten Friedrichshain und Neukölln eine differenzierte ambulante Diagnostik und Abklärung der Probleme. Sie haben den Versorgungsauftrag für die Bezirke Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln und Treptow-Köpenick, also rund ein Drittel aller Berliner Kinder und Jugendliche. In Kooperation mit „KARUNA Zukunft für Kinder“ und „Jugendliche in Not e.V.“ wird hier Drogenabhängigkeit bei Jugendlichen aus ganz Berlin behandelt. Darüber hinaus gibt es eine Psychotherapiestation für Patienten mit Angst- und depressiven Störungen sowie am Standort Neukölln einen Schwerpunkt für Kleinkinder mit Verhaltensauffälligkeiten.


Fotos: Fotolia.com

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