Entfernung der Eierstöcke als Präventivmaßnahme?

Die amerikanische Schauspielerin Angelina Jolie machte publik, dass sie sich Eierstöcke und Eileiter operativ entfernen ließ, weil bei ihr ein stark erhöhtes Krebsrisiko festgestellt wurde. Bereits 2013 entschied sie sich aus demselben Grund, ihre Brüste abnehmen zu lassen.

Ist es sinnvoll sich die Eierstöcke entfernen zu lassen, wenn ein erhöhtes Risiko besteht, ein Ovarialkarzinom zu entwickeln?

Priv.-Doz. Dr. Herbert Mecke, Chefarzt der Gynäkologie im Vivantes Auguste Viktoria Klinikum:

10-15% der Ovarialkarzinome sind erblich bedingt. Häufig ist eine Mutation der genetischen Substanz (BRCA1 oder BRCA2) dafür verantwortlich. Es handelt sich nicht um den einzigen genetischen Defekt der dazu führen kann, aber den häufigsten.

Die Mutation birgt ein 60-80%iges Risiko für ein Mammakarzinom und ein 20-40%iges Risiko für ein Ovarialkarzinom.

Ob eine solche Mutation vorliegt, lässt sich durch eine molekulargenetische Untersuchung feststellen. Aber nur Risikopatientinnen sollten eine solche Untersuchung durchführen lassen. Zu den Kriterien gehört etwa, dass zwei Frauen aus der näheren Verwandtschaft an einem Eierstockkrebs erkrankt sind, bzw. eine nahe Verwandte ein Mammakarzinom und eine zweite ein Ovarialkarzinom entwickelt hat.

Frauen müssen sich dennoch genau überlegen, ob sie sich über ihr individuelles Risiko informieren wollen. Eine gesunde Frau ohne genetische Veränderungen wird durch die Untersuchung zwar komplett entlastet; sollte sich jedoch herausstellen, dass sie Trägerin der genetischen Mutation ist, bleibt die schwere Entscheidung für oder gegen eine Operation als Gewissensfrage.

Den Risikopatientinnen raten Gynäkologen nach dem 40. Lebensjahr und im günstigen Fall nach der Familienplanung eine laparoskopische Entfernung der Eierstöcke vornehmen zu lassen. Das Risiko für ein Ovarialkarzinom sinkt dadurch um rund 98%. Gänzlich kann eine Erkrankung dennoch nicht ausgeschlossen werden, weil ein Bauchfellkarzinom denselben Ursprung haben kann. Nach der Operation setzen die Wechseljahre mit all ihren Nebenwirkungen ein. Auch Osteoporose beginnt durch die Operation früher.

Das Lebenszeitrisiko für alle Patientinnen (mit und ohne die genannten Dispositionen), an Eierstockkrebs zu erkranken, liegt bei 1,68%.

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