Frauen in den Wechseljahren

Wenn im weiblichen Körper eine Phase hormoneller Veränderung eintritt und schließlich der Zyklus ausbleibt, spricht man im Volksmund von „Wechseljahren“. Was diese Zeit für die Frau bedeutet und wie man unterstützen kann, weiß Dr. Mandy Mangler, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin im Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum.

Was geschieht während der Wechseljahre im weiblichen Körper? Man kann die Zeit der Wechseljahre, medizinisch spricht man vom „Klimakterium“, in drei Phasen unterteilen. Noch vor dem Ausbleiben der Menstruation kommt es im weiblichen Körper zu hormonellen Veränderungen, zur sogenannten Vorphase der Menopause. Die Eierstöcke produzieren nicht mehr so viel von den weiblichen Hormonen Progesteron und Östrogen. Der Hormonspiegel schwankt und damit auch die Blutungen der Frauen – mal stark, mal schwach, mal anhaltender. Schließlich hat die Frau ihre letzte Blutung. Danach tritt die Postmenopause ein, und der Zyklus bleibt ganz aus. Doch auch danach produzieren die Eierstöcke noch geringe Mengen an Hormonen, von denen die Frauen bis etwa zum 65. Lebensjahr profitieren. Sie haben positiven Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Osteoporose.

In welchem Alter befinden sich die Frauen am häufigsten in den Wechseljahren? Die meisten Frauen befinden sich zwischen dem 45. und dem 52. Lebensjahr im Klimakterium, zwischen dem 50. und dem 52. Lebensjahr bleibt die Regel aus.

Was sind die häufigsten Symptome? Als Frauenärztin bin ich sehr gegen eine Pathologisierung dieser Phase. In anderen Kulturen existiert häufig kein Wort für „Wechseljahre“. Es ist für die Frau auf ihr Leben bezogen eine Zeit des Wandels. Oft treffen körperliche und psychische Veränderungen, die mit den Lebensumständen zusammenhängen, zufällig aufeinander. Zwischen dem 45. und 50. Lebensjahr gehen die Kinder vielleicht aus dem Haus, man hinterfragt die Tragfähigkeit seiner Ehe oder hat Lust und Zeit, beruflich noch einmal etwas zu verändern. Es ist schwierig zu trennen, ob Schlaflosigkeit, sexuelle Lustlosigkeit, Depression oder Schwindel zwingend aus den hormonellen Veränderungen entspringen.

Bei jeder Frau sollte man daher individuell nach den Ursachen forschen. Es gibt eine Reihe von Studien, die darlegen, dass hauptsächlich die Symptome Hitzewallungen und vaginale Trockenheit auf das Klimakterium zurückzuführen sind.

Wann wird eine Hormonersatztherapie angewandt? Ursprünglich wurde das synthetische Östrogen, das die Hormonersatztherapie ausmacht, als sehr positiv für die Frauen deklariert, es würde sie jünger und aktiver machen. Das hat sich in Studien nicht bestätigt. Später wurden die Hormone verteufelt, weil sie das Risiko von Krebs, Herzinfarkten, Thrombosen und früherem Tod steigerten. Auch das wurde durch Studien wieder relativiert. Heute gilt die Hormonersatztherapie weder als Allheilmittel noch als Teufelszeug. Hat eine Frau in der Familie eine hohe Belastung durch Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, kann sie von der Hormonersatztherapie profitieren. Eine Frau hingegen, die Brustkrebs hat, sollte sich im seltensten Fall einer Hormonersatztherapie unterziehen, bzw. sie sollte gar keine Hormone nehmen, da Brustkrebs hormonabhängig ist. Man muss den Einsatz einer Hormonersatztherapie mit jeder Frau individuell unter Einbeziehung der jeweiligen Lebensumstände besprechen. Auch die Behandlungsdauer muss dann regelmäßig neu hinterfragt werden.

Welche Alternativen gibt es? Eine Patientin Mitte 40 klagte über starke Hitzewallungen. Sie war körperlich nicht besonders fit und hatte Stress im Beruf. Wir haben überlegt, welche Stressfaktoren sie mindern kann. Außerdem riet ich ihr, mehr Sport zu machen. Nach drei Monaten waren ihre Beschwerden besser, aber noch nicht verschwunden. Wir haben uns schließlich für die Gabe eines natürlichen Präparats, die Traubensilberkerze, entschieden. Und es hilft ihr. Im Gegensatz zu den synthetisch hergestellten Hormonen finden sich nämlich auch in einigen Pflanzen wie zum Beispiel Soja sogenannte Phytoöstrogene, also weibliche Hormone aus Pflanzen. Diese sind viel niedriger dosiert als bei einer Hormonersatztherapie. Ganz wichtig ist, dass die Patientinnen nicht unhinterfragt Medikamente zu sich nehmen. Das muss immer individuell mit einem Arzt entschieden werden.

Wie kann man Begleiterscheinungen der Wechseljahre vorbeugen oder vielleicht sogar ihr Eintreten beeinflussen? Wer nicht raucht, hat gute Chancen, später in die Wechseljahre zu kommen. Bei Raucherinnen beginnen sie etwa eineinhalb Jahre früher. Grundsätzlich sind regelmäßiger Sport, mindestens dreimal die Woche für 40 Minuten schwitzen und wenig Stress von Vorteil. Letztlich ist aber der Zeitpunkt der Wechseljahre familiär genetisch festgelegt.


Foto: Fotolia.com 101653400

 

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