Was ist die richtige Ernährung?

Es gibt wohl kaum ein Ratgeber-Thema über das so viele Bücher geschrieben wurden wie über die „richtige“ Ernährung. Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit) und Laktoseintoleranz sind der breiten Allgemeinheit bekannt. Lebensmittelhersteller bieten inzwischen selbst in Discountern Alternativen für Betroffene, von laktosefreier Schokolade bis zu glutenfreier Pizza. Auch gibt es immer mehr Anhänger der veganen Ernährung, die alle tierischen Lebensmittel meiden. Vegan zu leben ist aus medizinischer Sicht bei einigen Menschen mit Risiken verbunden. So können beispielsweise bei älteren Menschen, Kleinkindern oder Schwangeren durch den Verzicht auf tierische Lebensmittel Mängel entstehen. Umso wichtiger ist eine bewusste Zusammenstellung des Speiseplans damit keine Nährstofflücken entstehen.

Industriell gefertigte Nahrung wie gesüßte Limonade steht nicht nur auf der Don’t-Liste bei vielen Diäten sondern ist auch ein rotes Tuch für Anhänger eines relativ neuen Ernährungstrends, der Paleo-Ernährung. Bei dieser Ernährungsweise versucht man, die nährstoffreiche Nahrungsaufnahme unserer steinzeitlichen Vorfahren zu imitieren. Oder anders: Die Paläo-Ernährung setzt auf vollwertige Lebensmittel mit einem hohen Energiegehalt und meidet Lebensmittel, die nährstoffarm und „unnatürlich“ sind. Nach dieser Sichtweise sind auch Getreideprodukte aus Weizen, Reis oder Roggen tabu, weil sie nährstoffarm sind, kaum Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Dies steht im Widerspruch mit der klassischen Ernährungspyramide,

food pyramid


bei der  Kohlenhydrate wie Getreideprodukte über die Hälfte der täglichen Kalorienzufuhr ausmachen sollten. Schon ein solch kleiner Vergleich macht deutlich, dass die Meinungen in der Diskussion um eine richtige Ernährung auseinander gehen.

Kalorien und Nährstoffdichte – was genau bedeutet das eigentlich?

Kalorien sind eine Maßeinheit für die Energie, die ein Nahrungsmittel liefert. Die Angabe „kcal“ finden Sie auf vielen Lebensmittelverpackungen. Es gibt ganz unterschiedliche Arten von Energie.
Zucker liefert beispielsweise Energie, die der Mensch schnell in Fett umwandelt, Vollkornbrot hingegen ist ein richtiges Kraftpaket. Wichtig ist: Viele Kalorien machen nicht automatisch dick, es kommt vielmehr darauf an, woraus sie sich zusammensetzen. Der Grundumsatz des täglichen Kalorienbedarfs ist die Energie, die für das „Betreiben des Systems“ notwendig ist. Also Organfunktionen, Atmung, Herzschlag und Durchblutung unseres Körpers. Dieser Grundumsatz ist abhängig von Gewicht und Geschlecht: Bei einem Mann sind es durchschnittlich 1.900 kcl, bei einer Frau 1.300 kcl. Meist werden Kalorien erst dann als Fett im Körper gespeichert, wenn man mehr davon zu sich nimmt, als man verbraucht. Der Kalorienverbrauch ist logischerweise höher, wenn man sich viel bewegt oder Sport treibt. Um eine Currywurst mit Pommes durch Sport wieder zu verbrennen, muss man beispielsweise ungefähr eine Stunde joggen.

Lebensmittel mit einer hohen Nährstoffdichte zeichnen sich dadurch aus, dass der Gehalt an Nährstoffen in Relation zur Kalorienmenge hoch ist. Nährstoffe sind Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette, Mineralstoffe und Vitamine. Walnüsse haben zum Beispiel eine hohe Nährstoffdichte, Chips sind ein fettreiches Produkt mit geringer Nährstoffdichte. Nach dem Verzehr bekommt man schneller wieder Hunger und hat nur viele Kalorien zu sich genommen.

Ausgewogene Ernährung ist das A und O

Gibt es nun so etwas wie die richtige Ernährung? Dr. Gerda Apelt, Koordinatorin für Ernährungsmanagement bei Vivantes, setzt auf das Zauberwort „ausgewogen“. So sollten wir nach Möglichkeit auf eine abwechslungsreiche Mischkost setzen. „Möglichst regelmäßig und bunt essen. Milchprodukte, Fisch, Fleisch, Getreide, Brot, Nudeln, Reis, Obst, Gemüse, auch Nüsse, Fette und Öle – der Mix macht’s“, so Apelt.

Die tägliche Kalorienzufuhr sollte sich zu 55 bis 60 Prozent aus Kohlenhydraten, zu 25 bis 30 Prozent aus Fett und zu 10 bis 15 Prozent aus Eiweiß zusammensetzen. Diese Berechnung geht auf die Ernährungspyramide zurück, nach der man dem Körper auch täglich 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit in Form von Wasser, ungesüßten Tees oder Saftschorlen zuführen sollte. Hält man sich an diese Empfehlungen, bleibt man körperlich und geistig fit, fühlt sich entspannt und ausgeglichen. Grundsätzlich ist also alles erlaubt, wenn man die Menge und das richtige Verhältnis der Nährstoffe beachtet.

Patienten mit Mangelernährung werden in unseren Kliniken zukünftig ernährungsmedizinisch und therapeutisch betreut. So werden rund 30.000 Patienten jährlich durch eine methodische Reihenuntersuchung (Screening) auf Risiken in der Ernährung untersucht. Das Zentrum für Ernährungsmedizin beschäftigt ein interdisziplinäres Team an den Standorten Klinikum Spandau und Humboldt-Klinikum.

Bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) erhalten Sie weitere Tipps zur vollwertigen Ernährung.

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