Was ist eigentlich Glück?

Jeder von uns möchte glücklich sein. Aber wie findet man das Glück? Und wonach suchen wir eigentlich genau? Kann man es erkennen, riechen, schmecken und fühlen, lässt es sich festhalten oder ist es flüchtig?

Unzählige intelligente Menschen beschäftigen sich mit dem Glück – Wissenschaftler, Philosophen, Soziologen, Statistiker, Humoristen und viele mehr. Aus welcher Perspektive man es auch betrachtet, am Ende bleibt die Erkenntnis: Glück erlebt jeder für sich auf seine Art, und man muss selbst dafür sorgen, dass es einem begegnet.
Auf einige Grundregeln können sich die Glücksforscher allerdings einigen: Dem Willen zum Glücklichsein kommt eine bedeutende Rolle zu, ebenso dem Denken und Handeln nach eigenen Werten, einem guten Selbstwertgefühl, und der Fähigkeit, Herausforderungen anzunehmen und Krisen zu bewältigen. Gemeinhin gilt: Wer erfolgreich, gesund und sozial eingebunden ist, der ist auch glücklich.

Wo leben die Glücklichsten?

In der Schweiz! Nachzulesen im World Happiness Report 2015 (worldhappiness.report), der im Auftrag der Vereinten Nationen (UNO) die Glücksgefühle der Weltbürger untersuchte. In 158 Ländern wurden Menschen nach ihrer Zufriedenheit und ihrem Glück befragt. Hinter den Schweizern belegten die Einwohner Islands, Dänemarks, Norwegens und Kanadas die Plätze zwei bis fünf im Glücksranking. Es folgen die Länder Finnland, Niederlande, Schweden, Neuseeland und Australien. Auffällig: Sieben der zehn Glücksländer liegen in Westeuropa. Ernüchternd: Deutschland belegt Platz 26, hinter Österreich (13) und Großbritannien (21), aber vor Frankreich (29). Syrien und Afghanistan, erschüttert durch Bürgerkrieg und Gewalt, sind gemeinsam mit acht afrikanischen Staaten die Schlusslichter im Ranking.

Frauen sind glücklicher 

Die Glücksforschung hat herausgefunden: Das weibliche Geschlecht priorisiert Familie und Freundschaften, Status und Karriere sind ihnen weniger wichtig als den Männern. Vielleicht ein Grund dafür, dass Frauen mehrheitlich glücklicher sind?
Das trifft auch auf die extrovertierten Menschen zu. Ihre Eigenschaften – Freundlichkeit, Offenheit und Humor – helfen dabei, Kontakte aufzubauen und Krisen besser wegzustecken. Grundsätzlich verlaufen Glücksphasen in einer U-Form: Im jungen Erwachsenenalter ist der Durchschnittsmensch glücklich. Noch ohne bindende Verpflichtungen, aber schon selbstbewusst, am Anfang der beruflichen Karriere, auf Partnersuche. Mitte 40 folgt ein Tiefpunkt: die Midlife-Crisis. Bisher getroffene Entscheidungen in Beruf, Partnerschaft und Familiengründung zeigen Risse, Verpflichtungen können zur Last werden, es wachsen Unzufriedenheit und der Druck, etwas verändern zu wollen. Die zweite Lebenshälfte verläuft entspannter: Wertigkeiten verschieben sich, man gewinnt an Einsicht, steckt Niederlagen besser weg und toleriert eigene Fehler. Jetzt bekommen Freunde und Freizeit wieder mehr Raum. Erstaunlich: Es gibt kaum Unterschiede im Glücksempfinden zwischen Kinderlosen und Familien. Auch Reichtum und Wohlstand spielen nicht die zu erwartende große Rolle. Arbeitslosigkeit allerdings schon – ein Ausschluss aus dem sozialen Leben führt messbar zum Unglücklichsein.

Wie fühlt es sich an, das Glück?

Vielleicht lässt es sich am ehesten so beschreiben: ein Zustand zwischen Euphorie und Überschwang sowie Zufriedenheit und Wohlgefühl. Körper, Geist und Seele befinden sich in Übereinstimmung und im Hier und Jetzt. Die englische Sprache nimmt im Gegensatz zur deutschen dieses Bild auf und bietet für Glück gleich zwei Worte an: „luck“ für das Glück des Zufalls und „happiness“ für die Lebensfreude.
Professor Dr. Stephanie Krüger, Chefärztin im Vivantes Zentrum für Seelische Frauengesundheit, sieht vor allem in einer dem Leben zugewandten Haltung eine große Chance, Glücksmomente erleben zu können: „Glück ist kein Dauerzustand. Es zeigt sich in ‚Momenten des Lebens‘, die einen erfüllen, ausfüllen und eben ‚glücklich machen‘. Ein schöner Abend mit jemandem, den man liebt, oder mit Freunden oder Familie. Auch ein ruhiger Moment bei einem Spaziergang, bei der Betrachtung eines Naturschauspiels. Die ‚großen‘ Glücksmomente sind meist an wenigen Fingern abzuzählen – und welche das für den Einzelnen sind, kann man nicht verallgemeinern.“

Glück als Gesundheitsfaktor

Glück sorgt für eine heilsame Stimmung in Krankenhäusern – es ist ein gesundheitsförderndes Prinzip. Stephanie Krüger vermittelt ihren Patientinnen, dass die innere Einstellung oft der Schlüssel für mehr Zufriedenheit ist: „Viele erwarten vom Leben eine Aneinanderreihung von Glücksmomenten oder sogar Glück als Dauerzustand – das ist nicht realistisch. Es führt zu Unzufriedenheit, wenn der Alltag sich anders darstellt. Eine veränderte Sicht auf die Erwartungen, die man an sein Leben, seinen Alltag und auch an seine Gesundheit stellt, macht oft zufriedener und kann vor allem auch zu mehr seelischer Gesundheit beitragen.“

Bei Vivantes sind seit 2014 die Klinik-Clowns „Rote Nasen“ auf Stationen unterwegs. Mit ihrem Humor schaffen sie ein warmherziges und entkrampftes Klima unter den Patienten, aber auch unter den Ärzten und Pflegekräften. Junge und alte, auch schwer Erkrankte werden motiviert, zuversichtlicher und gelöster mit ihrer Krankheit umzugehen. Clown Mimi Rizzi berichtet: „Unsere Auftritte bedeuten Abwechslung, sie sind Farbe und Überraschung im Klinikalltag.“ Hubert von Hinten, ebenfalls als Klinik-Clown im Einsatz: „Durch Absurdität und Heiterkeit können wir Spannungen lösen.“ Clown-Frau Emma Dilemma bringt es auf den Punkt: „Wer lacht, hat keine Angst!“

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Foto: Lachende Frau: AB_GettyImages_RM-518337897

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