Wir essen zu fett, zu süß und vor allem zu viel!

Die Adventszeit naht und damit der Genuss von Gänsebraten, Stollen, Plätzchen & Co. Den meisten von uns ist klar, dass diese Lebensmittel nicht unbedingt zu einer gesunden Ernährung beitragen – aber was ist gesund?

Professor Dr. med. Helmut Schühlen, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Diabetologie und konservative Intensivmedizin im Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum informiert am 26.11.2015 ab 18:30 Uhr in einem Vortrag darüber, welche Fallen in unserem Essverhalten liegen und was wir tun können, um uns gesünder zu ernähren.

Der Mensch ist eigentlich dazu angelegt, sich viel zu bewegen und eher unregelmäßig zu essen. Hatten unsere Vorfahren Beute erlegt, mussten sie das Fleisch innerhalb weniger Tage aufessen – dafür gab es dann für einige Zeit nur Beeren oder andere Pflanzen. „Heute aber können wir mehrfach täglich uns satt essen, wo wir doch eigentlich dazu geschaffen sind, im Normalfall eher wenig zu essen und nur an Festtagen große Portionen zu verdrücken“, erklärt Professor Schühlen. Anschaulich zeigt er in seinem Vortrag, warum Vieles an der Art, wie wir uns in Industrienationen heute ernähren, falsch ist.

Diabetes ist auf dem Vormarsch

Fotolia_46629371_XXL_© BeTa-Artworks - Fotolia.com_Gänsekeule„Die meisten von uns bewegen sich im Alltag eher wenig, sitzen viel am Schreibtisch oder im Auto“, weiß der Chefarzt. Die Nahrungsmittelindustrie verleitet uns aber auch dazu, von allem möglichst große Packungen – die „Familienpackungen“ – zu kaufen, denn die sind günstiger als kleine Mengen. „Da führen große Portionen und zu viel Fett und Zucker schnell zu Übergewicht.“ Ein großes Problem dabei sind auch die versteckten Kalorien. Denn nicht nur Süßigkeiten, sondern auch Joghurts oder probiotische Getränke enthalten oft sehr viel Zucker. Das gleiche gilt für die meisten verarbeiteten Nahrungsmittel wie beispielweise Fertiggerichte oder Gemüse aus dem Glas oder der Dose. „Wir werden in unserem Vortrag zum Beispiel anschaulich darstellen, wie viel Zucker sich tatsächlich in manchen angeblich so gesunden Lebensmitteln versteckt“, erläutert Professor Schühlen.

Das Problematische daran ist: Nimmt man viele Kohlenhydrate in Form von Zucker auf, steigt der Blutzuckerspiegel in die Höhe. Das verschafft uns kurzzeitig einen Energieschub, der aber nicht lange anhält. Um den hohen Blutzuckerspiegel wieder auszugleichen, steigt der Insulinspiegel im Körper stark an. „Da entsteht rasch eine  Achterbahnfahrt des Blutzuckerspiegels, der Hunger stellt sich rasch wieder ein, man möchte wieder essen – jeder kann sich vorstellen, dass dies auf Dauer zur Gewichtszunahme führt“, erklärt der Kardiologe. „ Wobei das Zuviel an Zucker nicht direkt den Diabetes auslöst. Das Problem ist das daraus folgende Übergewicht.“ Denn dieses begünstigt ernstzunehmende Folgeerkrankungen: neben Diabetes beispielsweise auch hohen Blutdruck, sowie Gefäßerkrankung mit drohendem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Um Übergewicht zu vermeiden, muss die Kalorienbilanz am Ende des Tages stimmen. „Wer sich viel bewegt, darf mehr essen, wer den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, entsprechend weniger. Aber nicht nur wie viel wir essen, sondern auch was wir essen ist entscheidend.“

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat beim Weltdiabetestag gesunde Ernährung als einer der Hauptfaktoren zur Bekämpfung von Diabetes ausgemacht. In Zahlen ausgedrückt: Rund 70 Prozent aller Diabeteserkrankungen können laut WHO durch die richtige Ernährung vermieden werden. Dazu gehören insbesondere frische Lebensmittel, die nicht industriell verarbeitet wurden, um die versteckten Kalorien zu vermeiden.

Bewusst genießen

Christmas cookiesDas heißt jedoch nicht, dass wir in der bevorstehenden Adventszeit auf jeglichen Genuss verzichten müssen. „In Maßen darf man sich doch (fast) alles erlauben“, findet Professor Schühlen. „Aber wenn sich das Glücksgefühl erst dann einstellt, wenn die ganze Keksdose leergefuttert ist, dann hat man ein Problem. Also den Stollen, die Kekse oder die Gänsekeule, ganz bewusst genießen, und danach die ausgleichende Bewegung nicht vergessen – damit wären wir schon einen großen Schritt weiter.“

Weitere Informationen zum Vortrag „Wir essen zu fett, zu süß und vor allem zu viel“ am 26.11.2015 finden Sie hier.


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Fotos: Fotolia.com – 45361006_M_© sarsmis _Plätzchen; 46629371_© BeTa-Artworks_Gänsekeule; 69158389_Lebkuchen ChristArt

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