Den eigenen Weg finden

Zuerst ist es ein Schock: die Diagnose Krebs. Nicht nur für den Erkrankten, sondern auch für seine Angehörigen, für sein gesamtes Umfeld. Alles scheint auseinanderzubrechen, zu Ende zu gehen – für die Betroffenen beginnt eine Achterbahn der Gefühle. Wie geht man damit um?

Krebs ist eine sehr belastende Diagnose. Und es gibt kein allgemeingültiges Rezept für die Betroffenen und ihre Angehörigen, den Befund zu verarbeiten und sich auf das, was auf sie zukommt, vorzubereiten. Denn jeder von uns hat seinen eigenen Weg, seine eigene Methode, mit Belastungen umzugehen. Die folgenden Ratschläge dienen daher zur Orientierung, aber sie können für alle Beteiligten hilfreich sein:

  • Je mehr man weiß, desto weniger stark ist die Angst. Gespräche mit den behandelnden Ärzten, konkrete Nachfragen zur Erkrankung und den Behandlungsmöglichkeiten schaffen Klarheit
  • Lassen Sie sich dabei von einer vertrauten Person begleiten; nach dem Diagnose-Schock ist man oft nicht aufnahmefähig für die ersten Informationen.
  • Für viele ist die Informationssuche im Internet inzwischen selbstverständlich. Doch gerade bei schweren Erkrankungen läuft man Gefahr, in Foren zu landen, die Schreckensbilder zeichnen (siehe Kasten für Hilfreiche Internetseiten).
  • Grundsätzlich wichtig ist das Miteinander-Sprechen. Der offene Austausch darüber, was einen bedrückt, einem Angst macht, was man benötigt oder sich wünscht. So werden Unsicherheiten von beiden Seiten – Patient und Angehöriger – ausgeschlossen und gegenseitiges Verständnis gefördert.
  • Der Krankheit muss nicht alles untergeordnet werden. Es ist sinnvoll, wenn die Betroffenen im Rahmen ihrer Möglichkeiten weiterhin am alltäglichen gewohnten Leben teilnehmen und dem Krebs nicht mehr Raum einräumen, als unbedingt nötig ist.
  • Sich gemeinsam an gute Zeiten, an schon erfolgreich überstandene Krisen erinnern und Ziele entwickeln – das kann Kraft und Zuversicht geben.
  • Eigene Bedürfnisse sind wichtig, auch für Angehörige, Betreuer und Freunde. Sie brauchen regelmäßige Auszeiten, um Kraft zu tanken.
    Auch Hilfsangebote können in Anspruch genommen werden, beispielsweise Beratungsgespräche und Selbsthilfegruppen.

Betina Koch ist Diplompsychologin und Psychoonkologin, sie arbeitet im Vivantes Brustzentrum am Vivantes Klinikum Am Urban.

Frau Koch, wie erleben Sie in Ihrem beruflichen Alltag die Patientinnen nach dem Erhalt ihrer Diagnose?
So gut wie alle Frauen beschreiben einen „Sturz ins Bodenlose“. Alles, was bisher sicher schien, gerät ins Wanken. „Warum gerade ich? Was macht das mit meiner Familie? Muss ich bald sterben?“, diese Fragen stellen sich unmittelbar. Dabei kommen in diesem seelischen Ausnahmezustand Reaktionen aller Art vor – vom nüchternen Funktionieren bis zum heftigen Gefühlsausbruch – und sind in dieser Unterschiedlichkeit absolut normal. Jede Seele hat die für sich richtige Strategie, mit einer so einschneidenden Information umzugehen!

Wie reagieren Angehörige auf den Krebsbefund?
Wie die Patienten, mit Schock und existenziellen Ängsten. Trotzdem übernehmen sie oft die Aufgabe, die Erkrankten zu unterstützen und zu ermutigen. Insbesondere dem Partner fällt es schwer, über die eigenen Ängste zu reden. Dabei ist es gerade in solch einer kritischen Zeit wichtig, sich durch Offenheit und Nähe auf beiden Seiten gegenseitig zu unterstützen. Das betrifft auch die Kinder. Sie spüren schnell, dass etwas Bedrohliches die Familie belastet und sollten über die Erkrankung des Elternteils offen und wahrheitsgemäß informiert werden.

Was ist aus Ihrer Sicht besonders wichtig, wenn man an Krebs erkrankt ist?
Ein liebevolles Umgehen mit sich und seinen Gefühlen! Alle Empfindungen sind zu jedem Zeitpunkt des Krankheitsverlaufes erlaubt: Ängste, Sorgen, Zweifel, Wut und Niedergeschlagenheit – es gibt kein Richtig oder Falsch im Denken, Fühlen und Handeln. Es braucht Zeit, den für sich richtigen Weg herauszufinden und festzustellen, was gerade entlastend und was stärkend sein kann. Daher werden die „guten Tipps“ des besorgten Umfelds oft als überfordernd und belastend erlebt. Insbesondere die Aufforderung, „nur noch positiv“ denken oder „kämpfen“ zu „müssen“, erzeugt Druck. Hilfreicher sind Fragen dazu, was der oder die Erkrankte gerade brauchen könnte, um sich besser zu fühlen.

Wie helfen Sie bei Vivantes den Krebspatienten?
Wir begleiten unsere Patienten und ihre Angehörigen auf Wunsch in Einzel-, Paar- und Familiengesprächen in allen Phasen ihrer Behandlung. So trägt ein erstes Gespräch nach der Diagnose zur seelischen Entlastung bei: Gedanken und Gefühle können ausgedrückt werden. Es hilft, diese zu strukturieren und eine zeitliche und inhaltliche Perspektive für den Umgang mit der Erkrankung und ihrer Behandlung zu entwickeln. Oft stehen auch Fragen zum Umgang mit den Angehörigen im Vordergrund, insbesondere mit den Kindern. Dazu geben wir konkreten Rat. Gemeinsam mit den Patienten begeben wir uns im Weiteren auf die Suche nach schon bewährten, aber auch neuen Kraftquellen und Strategien, die in dieser Lebenssituation hilfreich sein können. Die Aktivierung innerer Ressourcen – auch durch Entspannungs- und Imaginationstechniken – ist in unserer Arbeit ein ebenso wichtiger Schwerpunkt wie die Unterstützung unserer Patienten auf ihrem ganz eigenen Weg, mit der Erkrankung umzugehen. Dazu vermitteln wir u. a. in offenen Gesprächsgruppen auch Kontakte zu Mitbetroffenen und informieren über die vielfältigen psychosozialen Unterstützungsmöglichkeiten in Berlin.

Vivantes unterstützt Krebspatienten

In der Vivantes Themenwelt „Krebserkrankungen“ finden Patienten und Angehörige Infos und Hintergründe rund um das Thema Krebserkrankungen (www.vivantes.de/krebserkrankungen). Ein besonderes Angebot von Vivantes zur ersten Orientierung ist der Vivantes Tumor-Lotse. Er vermittelt gezielt Informationen zu Diagnostik und Therapie sowie spezielle Ansprechpartner.

In den onkologischen Fachabteilungen des Klinikums Am Urban, des Klinikums Neukölln sowie des Klinikums Spandau sorgen Psychoonkologinnen und Sozialarbeiterinnen für die psychologische und soziale Beratung und Begleitung der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Zusätzliche seelisch unterstützende Elemente in den Vivantes Kliniken sind Kunsttherapie, Singgruppen, Sport bei Krebs und Gesprächsgruppen für Betroffene und Angehörige sowie Kosmetikseminare für Chemotherapie-Patientinnen.

Weitere Informationen finden Sie hier:
• Vivantes: www.vivantes.de/krebserkrankungen
• Tumorzentrum Berlin e.V.: www.tzb.de
• Krebsberatung Berlin: www.krebsberatung-berlin.de
• Berliner Krebsgesellschaft e. V.: www.berliner-krebsgesellschaft.de
• Deutsche Krebsgesellschaft: www.krebsgesellschaft.de
• Deutsche Krebshilfe: www.krebshilfe.de
• Haus der Krebs-Selbsthilfe – Bundesverband e. V. (HKSH): www.hksh-bonn.de
• Förderverein INKA – Informationsnetz für Krebspatienten und
• Angehörige e. V.: www.inkanet.de
• Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: www.krebsinformationsdienst.de
• Flüsterpost e. V.: www.kinder-krebskranker-eltern.de
• Leitlinien für Patienten: www.onkopedia.com
• Selbsthilfe für junge Krebsüberlebende: www.leben-nach-krebs.de

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