Unsere Haut – ein Multitalent

Sie ist das größte menschliche Organ, wiegt mit knapp zwei Quadratmetern Fläche rund 15 Kilo. Sie schützt unseren Organismus vor äußeren Einflüssen wie chemische Einwirkungen, UV-Strahlen, Mikroorganismen. Als Stoffwechselorgan scheidet sie über Schweiß- und Talgdrüsen Schadstoffe aus, reguliert die Körpertemperatur. Ihr Schmerzempfinden hilft dem Körper, sofortige Gegenmaßnahmen zum Schmerz einzuleiten. Zahlreiche Sensoren auf der Haut ermöglichen den für uns überlebenswichtigen Tastsinn. Aber sie muss auch geschützt werden, Sonne, Tattoos und andere Einflüsse hinterlassen Spuren. Privatdozentin Dr. Barbara Hermes, Leiterin der Klinik für Dermatologie im Vivantes Klinikum im Friedrichshain, ist Expertin für das Wunderorgan. Sie erklärt, was unsere Haut alles leistet und gibt Tipps, wie man sie gesund erhält.

Frau Dr. Hermes, hat unsere Haut überhaupt Schwächen?
Gesunde Haut ist sehr widerstandsfähig. Eine Schwäche ist: Sie kann keine radioaktive Strahlung wahrnehmen, uns nicht davor warnen. Und bei Hautkrankheiten, etwa Neurodermitis, sind die Schutzmechanismen gegen Infektionen herabgesetzt.

Woran erkennt man, dass etwas nicht stimmt mit der Haut?
Durch Symptome wie Juckreiz, Brennen, Schmerzen, Trockenheitsgefühl, Rauheit und Spannen. Auch Rötung, Nässen, plötzliche Wunden, Blasen, Eiter sowie Knötchen- und Tumorbildung weisen darauf hin. Hautkrankheiten können aber auch andere körperliche Symptome verursachen, andere Organe miteinbeziehen. Zum Beispiel kann die Schuppenflechte mit Rheuma einhergehen.

Sommer, Sonne, Solarium – worauf muss man achten?
Hautkrebs basiert in neun von zehn Fällen auf übermäßiger UV-Strahlung. Im Sommer sollten sonnendichte Kleidung und Sonnenbrille getragen sowie Sonnenschutzcreme mit hohem Lichtschutz verwendet werden. Babys und Kleinkinder dürfen nicht in die Sonne, ihre Haut verfügt noch nicht über ausreichenden UV-Schutz. Solarien sind gefährlich, besonders für helle Hauttypen und Jugendliche, die Benutzung ist erst ab 18 Jahren erlaubt.

Stichwort Hautkrebs: Wer ist besonders betroffen?
Die Zahlen steigen: In Deutschland erkranken jährlich 15.000 Menschen am gefährlichen „schwarzen“, 250.000 am weniger aggressiven „weißen“ Hautkrebs. Männer und Frauen gleichermaßen, meist in höherem Lebensalter. Ratsam ist, sich selbst nach auffälligen Veränderungen abzusuchen und regelmäßig die Vorsorge beim Hautarzt zu nutzen: Ab dem Lebensalter 35 zahlt die Krankenkasse.

Wie stehen Sie zu Tattoos?
Klassische Tätowiertinten enthalten gesundheitsschädliche Schwermetallsalze wie Quecksilber, Nickel, Cadmium, Chrom. Heute werden überwiegend synthetische, nicht klassifizierte Farbstoffe verwendet. Diese lösen häufig allergische Reaktionen aus, oft erst Jahre später. Wichtig: Bei der Auswahl des Studios auf Sterilität beim Arbeiten achten! Sonst besteht die Gefahr der Übertragung einer viralen Krankheit wie Hepatitis, HIV oder bakterieller Infektionen. Vorsicht auch bei Henna- Tattoos, chemische Bestandteile können Allergien hervorrufen.

Kann man Tätowierungen wieder entfernen?
Dazu sind mehrere Laserbehandlungen erforderlich, aber nicht alle Pigmente lassen sich gut beseitigen. Auch eine Operation ist möglich, sie hinterlässt allerdings Narben. Die Kosten trägt der Patient.

Ihre Meinung zu Schönheitschirurgie, Botox und Co.?
Falten entstehen durch Verlust der Elastizität und den altersbedingten Umbau des Bindegewebes, gefördert vom UV-Licht. Sogenannte Auffüller wie synthetisch hergestellte Hyaluronsäure ermöglichen ein jugendlicheres Aussehen. Über Risiken, Nebenwirkungen und Kosten sollte man sich vorher umfassend informieren.

Was halten Sie vom Liften, von Korrekturen von Nase und Gesichtszügen?
Operationen sind immer riskant. Auch hier gilt eine gründliche Vorabinformation. Und die eigene Motivation prüfen: Was soll erreicht werden? Grundsätzlich können ästhetische Eingriffe Lebensqualität und Selbstbewusstsein steigern.

Kommentare anzeigen (2)

Kommentar schreiben

This is a unique website which will require a more modern browser to work! Please upgrade today!