Wenn es juckt und brennt: Hämorrhoiden schonend behandeln

Jeder Mensch hat sie: Hämorrhoiden (auch: Hämorriden). Das sogenannte Hämorrhoidal-Geflecht ist ein Gefäßpolster, das sich in unmittelbarer Nähe zum Darmausgang befindet. Dort erfüllt es eine wichtige Aufgabe: gemeinsam mit dem Schließmuskel dichtet es den Darm sicher nach außen ab.

Aus verschiedenen Gründen können sich diese Blutgefäße erweitern und es kommt zu knotenförmigen Aussackungen. Als wichtigste Ursache für die vergrößerten Gefäße gilt zu starkes Pressen beim Stuhlgang. Dies ist der Fall, wenn der Stuhl aufgrund von Bewegungsmangel und einer zu ballaststoffarmen Ernährung zu hart ist. Auch erblich oder altersbedingte Bindegewebsschwäche sowie häufige Durchfallerkrankungen können der Auslöser sein. Eine Druckerhöhung im Bauchraum wie sie in der Schwangerschaft, bei chronischem Husten oder Übergewicht auftritt, trägt ebenfalls manchmal zur Entstehung bei.

Bei Problemen im Analbereich: unbedingt zum Arzt gehen

Die Ausscheidungsorgane gehören zu den letzten Tabuzonen des menschlichen Körpers. „Weil vielen Patienten das Thema unangenehm ist, sind sie häufig unzureichend informiert“, weiß Dr. med. Hans-Joachim Mittenzwey, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im Vivantes Klinikum Hellersdorf. Zu den Symptomen des Hämorrhoidalleidens gehören Jucken, Brennen, ein Fremdkörpergefühl oder Schmerzen beim Stuhlgang. Diese Symptome können auch ein Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung sein, wie beispielsweise ein Tumor im Enddarm. Aus diesem Grund sollte man zur Abklärung in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Außerdem gilt auch bei Hämorrhoiden: je früher die Therapie beginnt, desto besser sind die Erfolgsaussichten.
Bei der Ausprägung der Erkrankung unterscheidet man zwischen den Stadien eins bis vier. „Daran orientiert sich dann auch die Behandlung“, so der Spezialist für Erkrankungen des Enddarms (Proktologie). Die Klinik von Dr. Mittenzwey bietet verschiedene Sprechstunden an, in denen man sich über die Therapieverfahren informieren kann.

Schonende HAL-Methode und Operation nach LONGO

Gegen leichte Beschwerden helfen Salben oder Zäpfchen. Ab dem zweiten Stadium der Erkrankung hat sich ein operativer Eingriff bewährt. Früher wurden die vergrößerten Gefäße einfach herausgeschnitten. Die Schleimhaut des Afters wurde dabei stark verletzt und die Patienten litten oft wochenlang unter starken Schmerzen. Heute stehen schonende minimalinvasive Therapieverfahren zur Verfügung wie die sogenannte HAL-Methode (Hämorrhoiden-Arterienligatur). Mit einer Ultraschallsonde spürt der Arzt die Arterie der Hämorrhoide auf. Anschließend umsticht er sie und umschließt sie mit einem Faden, um die Blutzufuhr zu drosseln. Durch den unterbundenen Blutfluss gehen die Hämorrhoiden in ihre ursprüngliche Position zurück – die Hämorrhoiden selbst bleiben erhalten und können ihre wichtige Funktion zum Feinabschluss des Darms weiter ausüben. „Dieses Verfahren ist für unsere Patienten sehr komfortabel, weil wir in einem weitgehend schmerzfreien Areal arbeiten“, erklärt Dr. Mittenzwey. „Unmittelbar nach dem Eingriff kann der Patient wieder nach Hause gehen.“ Auch die Arbeitsfähigkeit ist nach dem Krankenhausaufenthalt sofort wieder gegeben.

Im dritten und vierten Stadium der Erkrankung hat sich die Operation nach LONGO, auch als Anal-Lifting bezeichnet, durchgesetzt. Der Operateur schneidet, mit Hilfe eines hochmodernen Klammernahtgerätes, einen Schleimhautzylinder heraus und vernäht den Defekt in einem Arbeitsgang. Ähnlich wie bei der HAL-Methode wird die Blutzufuhr unterbrochen und die Hämorrhoiden kehren in ihre ursprüngliche Position zurück.
Beide Methoden zeigen sehr gute Langzeitergebnisse. „Die Rückfallquote ist deutlich geringer, als bei den veralteten Verfahren“, betont der Chefarzt. Auch Komplikationen wie Nachblutungen, Infektionen oder Verengungen des Analkanals treten bei beiden Verfahren nur noch sehr selten auf.

Das können Sie selbst tun

Um der Entstehung von krankhaft veränderten Hämorrhoiden vorzubeugen, sollte man für einen geregelten Stuhlgang sorgen. Hier hilft eine vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung mit Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Auch ausreichend Flüssigkeit und Bewegung helfen dem Darm. Nur zur Toilette gehen, wenn man wirklich muss und nicht pressen. Wer häufiger Probleme mit Verstopfung oder auch Durchfällen hat, sollte unbedingt seinen Arzt um Rat fragen.

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