Wieder mobil

Sich schmerzfrei bewegen im Alltag, dem Lieblingssport nachgehen und auch mal ein Tänzchen wagen – das gehört einfach zu einem guten Leben. Für die meisten ist das selbstverständlich, anderen ist es nur unter starken Schmerzen möglich. Mit der Implantation künstlicher Gelenke können Betroffene ihre Mobilität zurückgewinnen.
Das Einsetzen eines neuen Hüftgelenkes gehört zu den häufigsten Operationen in Deutschland, rund 150.000 Patienten unterziehen sich jährlich diesem Eingriff, der im Normalfall nicht länger als zwei Stunden dauert. Ist das Hüftgelenk stark abgenutzt, schmerzt es. Bessert sich der Zustand nicht durch konservative Behandlungsmethoden, wie beispielsweise Physiotherapie oder ähnliches, kann eine sogenannte Hüfttotalendoprothese (TEP; griech. Endo = innen, Prothese = künstlicher Einsatz) Betroffenen helfen.

Zertifizierte Qualität in Kaulsdorf

Im EndoProthetikZentrum (EPZ) Kaulsdorf im Vivantes Klinikum Kaulsdorf implantiert Chefarzt Dr. Olaf Meyer mit seinem Team jährlich rund 250 Gelenkprothesen. Seit Februar diesen Jahres trägt das Klinikum das Prüfsiegel EndoCert – für eine ausgezeichnete Versorgungsqualität. Nur rund 330 Kliniken in Deutschland, davon neun in Berlin, erfüllen die für das Zertifikat erforderlichen Voraussetzungen und hohen Anforderungen, vorgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). Dazu gehören: belegbare Routine und Erfahrung, Unterstützung der Operateure durch ein eingespieltes Team aus Fachärzten diverser Ausrichtungen, die beteiligten Mitarbeiter – Anästhesisten, Pflegepersonal, Physio- und Schmerztherapeuten, Sozialarbeiter – müssen mit allen Abläufen vor und nach der Operation vertraut sein. Regelmäßige Fort- und Weiterbildungen werden vorausgesetzt. Die Qualität der Behandlungen wird jedes Jahr überprüft, nach drei Jahren ist eine Rezertifizierung erforderlich.

Intensive Gespräche mit Patienten

Für Dr. Olaf Meyer und sein Team hat der Austausch mit den Patienten oberste Priorität. In der Regel werden Betroffene von ihrem Haus- oder einem Facharzt ins EPZ nach Kaulsdorf überwiesen. Eine Gelenkabnutzung wurde also bereits festgestellt, ein Röntgenbild ist meist schon vorhanden. In intensiven Gesprächen erörtern Arzt und Patient nun die Behandlungsmöglichkeiten. Entscheidet sich der Patient für eine Hüftprothese, kann er sicher sein: Im EndoProthetikZentrum kommen nur bewährte Implantate zum Einsatz.

Moderne Hüftprothesen

Der Verschleiß des Gelenkknorpels und die damit einhergehenden Knochenveränderungen verursachen heftige Schmerzen und führen zu einer Versteifung der Hüfte. Die Beweglichkeit des Patienten ist stark eingeschränkt und eine Hüftprothese oft die letzte Möglichkeit, diese wieder herzustellen. Abhängig von Alter, Knochenbau, Lebensweise und Beruf eines Patienten, sind unterschiedliche Implantatarten geeignet. Das Bild links zeigt eine Endoprothese mit Keramik-Keramik-Gleitpaarung, kombiniert mit einem modernen Schaft. Der Vorteil dieser Prothese: Ein extrem geringer Abrieb und eine hohe Verrenkungssicherheit für den Patienten. Nach der OP ist Sport treiben oft nahezu ohne Einschränkung möglich.

Medizin „Der Patient entscheidet.“

Chefarzt Dr. Olaf Meyer beantwortet einige wichtige Fragen zum Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks.

Herr Dr. Meyer, was passiert, wenn ein Patient mit starken Hüftschmerzen zu Ihnen kommt?
Wir sprechen ausführlich über seine Beschwerden und finden gemeinsam heraus, ob ein Hüftgelenkersatz für ihn eine Option ist. Meist hat der Patient bereits eine lange Leidensgeschichte hinter sich und ist „austherapiert“. Physiotherapie hilft nicht mehr, Schmerzmittel zeigen kaum noch Wirkung, seine Beweglichkeit und damit seine Lebensqualität sind erheblich beeinträchtigt. Das zeigt auch das Röntgenbild – eine Grundlage für die Beurteilung des Zustandes. Die Entscheidung für eine Operation trifft allerdings ausschließlich der Patient selbst. Dabei spielt auch sein Lebensalter eigentlich keine Rolle, entscheidend ist, wie hoch sein Leidensdruck ist und wie er sein Leben gestalten möchte.

Welche Arten von Hüftgelenkersatz gibt es?
Man unterscheidet im Groben zwischen dem sogenannten Oberflächenersatz und verschiedenen Schaftendoprothesen, die mit unterschiedlichen Gleitpaarungen kombiniert werden können. Je nach Alter und Geschlecht des Patienten, dem Abnutzungsgrad seiner Hüfte, den körperlichen Anforderungen und möglichen Begleiterkrankungen wird der Gelenkersatz ausgewählt, der für den individuellen Patienten optimal ist.

Wie lange dauert es, bis der Patient wieder mobil ist?
Im Normalfall verbleiben die Patienten nach der OP circa eine Woche in der Klinik, anschließend können sie erst einmal nach Hause. Nach einigen Tagen folgt dann eine Reha (Anschluss-Heilbehandlung) – stationär oder auch ambulant. Nach insgesamt ungefähr acht Wochen ist der Patient wieder normal belastbar: Er kann arbeiten, Auto fahren und auch Sport treiben.

Wie lange hält ein Gelenkersatz in der Regel?
Das heutige Material der Hüftprothesen ist nahezu unverwüstlich. Die Teile, die im Knochen verankert werden, bestehen aus Titan. Die Teile, die sich bewegen, sind aus Keramik oder modernem Polyethylen und sehr abriebfest. Zehn Jahre nach der OP sind zwischen 90 und 95 Prozent der Prothesen immer noch voll funktionsfähig.

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Dieser Beitrag ist in unserem Patientenmagazin „gesund“ Leben in Berlin“ in der Ausgabe 04.2015 erschienen.

Foto: Petra Buhl

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