Azubi mit über 30?

Zu alt, um noch einmal etwas Neues anzufangen? Ausbildung – nur etwas für Junge? Nein, stopp – Vivantes bietet auch Menschen über 30, 40 oder 50 Jahren die Möglichkeit zu einer beruflichen Veränderung. Und setzt dabei auf ein wertvolles Pfund der Bewerber: ihre Lebenserfahrung.

Der Fachkräftemangel ist groß, Stellen können oft erst sehr spät besetzt werden. „Das ist, gerade in der Pflege, ein bundesweites Problem“, sagt Charlotte Kruhøffer, ehemalige Bereichsleiterin Zentrale Organisation am Vivantes Institut für berufliche Bildung im Gesundheitswesen (IbBG). „Wir laufen auf Hochtouren, um genügend Pflegekräfte ausbilden zu können. Deswegen ist jetzt eine gute Zeit, sich zu bewerben.“ Das Lebensalter ist dabei nicht ausschlaggebend, auch nicht der letzte Notendurchschnitt. Ob 30, 40 oder 50 Jahre – bei Vivantes kann man noch eine Ausbildung beginnen. „Wir nehmen gerne Quereinsteiger, auch Studienabbrecher. Das Alter allein ist kein Pluspunkt, aber viele haben gerade durch ihre Lebenserfahrung eine ausgeprägte soziale Kompetenz und mehr Geduld. Das ist vor allem in der Altenpflege enorm wichtig.“

Neustart – zwei Beispiele

Michael Pilarski, 30 Jahre alt und seit einem Jahr in der Ausbildung zum Altenpfleger,

Michael Pilarski

Michael Pilarski

sieht sein Alter sogar als einen Vorteil: „Jetzt bin ich der Verantwortung gewachsen und fühle mich von den älteren Menschen respektiert.“ Lange hat er den passenden Beruf gesucht und dabei viele unterschiedliche Erfahrungen gesammelt. Zuerst lernte er in seiner Heimat Polen Kfz-Elektromechaniker, dann arbeitete er als Gartenpflegehelfer in Holland, und in seinen bisher gut elf Jahren in Deutschland war er schon als Trockenbauhelfer auf Baustellen und sogar als Schauspieler tätig – bis er durch einen Zufall in die Betreuungsassistenz rutschte. Da hat es dann plötzlich Klick gemacht, und Michael wusste, was er wollte. Über die Pflegeassistenz wechselte er schließlich in die Ausbildung zum Altenpfleger. „Die Nähe zu Menschen, das ist es, was ich mein ganzes Leben lang gesucht habe. Dass ich mit Menschen arbeiten, ihnen helfen darf, erfüllt mich.“

Charleen Sill

Charleen Sill

Auch Charleen Sill hat mit 30 Jahren noch mal einen Neustart gewagt. Eine Ausbildung zur Diplom-Modedesignerin hatte sie bereits abgeschlossen, als sie sich entschied, eine weitere zu beginnen: Nun lässt sie sich zur operationstechnischen Assistentin ausbilden. Ihre Gründe? „Mein Verdienst als Selbstständige war sehr unregelmäßig. Mal verdiente ich viel, mal gar nichts. Das ständige Auf und Ab war mir zu aufregend. Außerdem ist das Modegeschäft manchmal sehr oberflächlich, es hat mir nicht gereicht, Menschen hübsch zu machen. Ich fand den Gedanken schön, sich für andere zu engagieren.“

Vivantes bietet viele Möglichkeiten

Menschen aller Altersgruppen können bei Vivantes Berufsausbildungen absolvieren: in der Gesundheits- und (Kinder)Krankenpflege, der Altenpflege, der operationstechnischen Assistenz sowie Sozialassistenz und als Hebamme/Entbindungspfleger. Das Vivantes Institut für berufliche Bildung im Gesundheitswesen (IbBG) ist mit derzeit 825 Ausbildungsplätzen eines der größten Ausbildungszentren für Gesundheitsfachberufe in Deutschland.
Für diejenigen, die nach dem Abitur Praxis und Studium miteinander kombinieren möchten, bietet Vivantes außerdem die Möglichkeit eines dualen Studiums im Berufsfeld Gesundheit an verschiedenen Hochschulen an. Eine weitere Besonderheit stellt die zweijährige schulische Ausbildung zum Sozialassistenten Pflege dar. „Hier hat man die Möglichkeit, seinen Hauptschulabschluss zu einem mittleren Schulabschluss aufzuwerten – und legt damit auch den Grundstein für einen anschließenden Einstieg in eine dreijährige Ausbildung“, erklärt Charlotte Kruhøffer. Wer erst mal vorfühlen möchte, ob zum Beispiel die Pflege etwas für ihn ist, der kann das vorab im Rahmen eines dreiwöchigen Praktikums testen.

Am IbBG wird Vielfalt gefördert und gefordert –  altersmäßig und auch sonst. Charlotte Kruhøffer: „Der Facettenreichtum und die Multikulturalität Berlins spiegeln sich auch in unseren Klassen wider. Das ist eine Bereicherung für alle.“ Insgesamt sind 109 von den 856 Auszubildenden am IbBG über
30 Jahre alt. Besonders hoch ist der Anteil der über 30-Jährigen bei den Hebammen (20 von 66). Das lässt sich zu einem großen Teil sicher auf das spezielle Weiterbildungsangebot für Hebammen zurückführen: Das Midwifery-Programm bietet Hebammen und Hebammenschülerinnen die Chance, sich in einem hebammenspezifischen Präsenzstudiengang wissenschaftlich weiterzubilden und akademisch zu qualifizieren.

Gute Perspektiven

Fällt es den „Älteren“ schwer, wieder Schüler zu sein? Charleen Sill: „Im Gegenteil. Ich bin viel engagierter als früher. Ich weiß genau, was ich will und warum es sich lohnt, noch mal von vorn anzufangen.“ Sie ist heute zufrieden, weil sie einen Sinn sieht, in dem was sie tut. „Es gibt so viele spannende Operationen, und man hat viel Verantwortung. Das finde ich toll.“

Michael Pilarski sagt, es ist nicht so „sein Ding“, acht Stunden still zu sitzen: „Ich muss ständig in Bewegung sein.“ Wie gut, dass auf den theoretischen Block immer gleich der praktische folgt. Da ist er dann ganz in seinem Element.
Und wie soll es weitergehen, wenn sie mit ihren Ausbildungen fertig sind? Für beide sind die Aussichten gut, von Vivantes übernommen zu werden. Michael Pilarski hat der Ehrgeiz gepackt, sich noch einmal weiterzubilden: „ich kann mir vorstellen, Wohnbereichsleiter zu sein oder Praxisanleiter – und dann selbst Schüler anzuleiten.“

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Dieser Artikel stammt aus dem Vivantes Patientenmagazin „gesund!“ – Ausgabe 01.2016
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Fotos: Florian von Ploetz

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