Glücklich mit Tango Argentino

Eigentlich wollte Stefanie Schlosser nur mal zuschauen. Eine Freundin hatte sie zu einer „Milonga“ eingeladen – eine Veranstaltung, auf der Tango Argentino getanzt wird. Sie war sofort begeistert! Seitdem tanzt die Assistentin des Betriebsrates von Vivantes mehrmals in der Woche Tango.

„Gesellschaftstänze haben mich nie gereizt. Ausgestattet mit einer bemerkenswerten Talentfreiheit für das Lernen aufwendiger Choreografien und Schrittfolgen, habe ich mich nie getraut, einen herkömmlichen Tanzkurs zu besuchen. Außerdem wirken Standardtänze immer etwas steif auf mich“, sagt Stefanie Schlosser. Was sie dann aber auf ihrer ersten Milonga sah – das war anders. Eine einheitliche Abfolge oder Schrittkombination war nicht erkennbar, die Umarmungen der Tanzenden wirkten natürlich und sinnlich. Wie diese ihre Bewegungen miteinander abstimmten, erschien ihr rätselhaft. „Meine Neugierde war geweckt, und ich wollte verstehen, wie das funktioniert.“ In Berlin, der zweitgrößten Tango-Metropole nach Buenos Aires, bieten sich dazu zahlreiche Möglichkeiten. Stefanie Schlosser hat im „Nou Tango“ in Berlin-Mitte ihr „Tango-Zuhause“ gefunden. In der Schule für Argentinischen Tango werden Kurse und Workshops, geleitet von lokalen und internationalen Lehrern, sowie regelmäßige Milongas angeboten. „Hier wird Tango nicht nur unterrichtet, sondern gelebt.“

Tango ist mehr als Tanzen

Der Tanz entsteht aus der Improvisation. Dem Paar, aufgeteilt in die Rollen „führend“ und „folgend“, stehen dafür verschiedene Bewegungselemente zur Verfügung. Am wichtigsten ist jedoch die Verbindung, die Umarmung des Paares. Aus dieser entsteht – über feine Impulse – der Tanz. Dabei fließen auch immer die eigene Persönlichkeit und Stimmung mit ein, Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle werden miteinander geteilt und machen jeden Tango einzigartig. Das gemeinsame Erlebnis des Tanzpaares sensibilisiert und stärkt die Achtsamkeit – sich selbst und dem Anderen gegenüber.

Tango fördert die Gesundheit

Tango tanzen ist gesund. Es baut Stress ab, wirkt entspannend, sorgt für mehr Wohlbefinden und kann Depressionen entgegenwirken. Es schult die Konzentration, fördert räumliches Denken, setzt emotionale und soziale Lernreize. Haltung, Gleichgewicht, Beweglichkeit – das gesamte Körpergefühl – werden verbessert. Tango tanzen eignet sich zur Vorbeugung von Demenzerkrankungen und wird inzwischen auch in der Parkinsontherapie eingesetzt. Thomas Rieser, Betreiber der Tanzschule Nou, promoviert zurzeit an der Charité zu diesem Thema und erforscht die Eignung des Tangos als rehabilitativen Ansatz für Patienten nach intensiver Chemotherapie oder Stammzelltransplantation.

Tango Argentino

Der Tanz entstand Ende des 19. Jahrhunderts in den Armutsvierteln von Buenos Aires (Argentinien) und Montevideo (Uruguay). Hoffnung, Traurigkeit, Enttäuschung und Leidenschaft der Einwanderer finden Ausdruck in der Musik und den poetischen Texten. 2009 wurde der Tango von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Als Improvisationstanz unterscheidet sich der Tango Argentino maßgeblich von dem als Standardtanz bekannten Tango.

Weitere Infos:
www.noutangoberlin.de
www.tangoberlin.de

—————————————————————————————————–
Dieser Artikel ist in unserem Patientenmagazin „gesund! Leben in Berlin“ in der Ausgabe 02.2016 erschienen.
—————————————————————————————————–
Foto: Thomas Rieser

Kommentare anzeigen (0)

Kommentar schreiben

This is a unique website which will require a more modern browser to work! Please upgrade today!