Patientenbegleiter – kein Job für Brummler

Gelernt hat Torsten Zimmermann das Malerhandwerk. Doch schnell stellte sich raus: Die Arbeit mit dem Pinsel hat ihn nicht ausgefüllt, sie war nicht das Richtige für ihn. „Mir hat der Kontakt zu Menschen gefehlt.“ Heute arbeitet der 46-Jährige bei Vivantes als Patientenbegleiter. Im Klinikum Am Urban begleitet er Patienten auf dem Weg in den Operationssaal, zur Diagnostik, zu Anwendungen. „Ich liebe es, mit Menschen zu arbeiten. Das macht mir eben am meisten Spaß“, so der Reinickendorfer gut gelaunt. Stichwort gute Laune: Davon hat Torsten Zimmermann eine ganze Menge. Er sagt von sich selbst: „Ich bin kein Brummler, ich bin selten schlecht gelaunt.“ Das ist sicher auch ein Grund dafür, dass er von Patienten wie auch Kollegen gleichermaßen geschätzt wird. Der Patientenbegleiter hat eine zugewandte Art, er kann zuhören, trösten, aber auch mal einen flotten Spruch ablassen. „Det kann ick janz gut“, berlinert der sympathische Mann und lacht dabei.

14 Kilometer am Tag

Die Arbeit stellt Anforderungen, die neben dem menschlichen auch einiges an körperlichem Einsatz fordert. 50 bis 60 Aufträge pro Schicht – davon gibt es drei, die Früh-, Tages- und Nachtschicht – erledigt Torsten Zimmermann. Besonders früh am Morgen und auch in der Nacht geht es oftmals Schlag auf Schlag. Operationen, Notfälle – rund um die Uhr werden die Patientenbegleiter auf den Stationen gebraucht. Mit sieben Kollegen bildet er ein Team, darunter sind auch zwei Damen. Die Aufteilung: Einer nimmt am Telefon die Aufträge entgegen, die anderen schieben die Betten. Daher rührt auch die intern verwendete, durchaus liebevoll gemeinte Bezeichnung für die Damen und Herren in der weißen Berufskleidung: „Bettenschieber“.
Kraft und eine gute Kondition sollte man für diese Arbeit mitbringen. „14 Kilometer laufe ich am Tag locker zusammen, manchmal hab ich abends geschwollene Waden und bin ziemlich kaputt“, berichtet Torsten Zimmermann. Trotzdem – seiner Begeisterung für den Job bei Vivantes tut das keinen Abbruch. Dazu trägt auch das „super“ Team bei, in dem er arbeitet und sich wohlfühlt. Hier kann sich einer auf den anderen verlassen. Die Atmosphäre ist familiär, das tut gut, gerade dann, wenn der Stresspegel ganz nach oben steigt. Und auch die beiden „Prinzessinnen“ – so die herzliche aber auch respektvoll zu verstehende Titulierung der beiden weiblichen Patientenbegleiter, sorgen für eine ausgewogene Stimmung im Kollegenteam. Davon profitieren die Patienten, wie auch vom Humor des Bettenschiebers Zimmermann. Denn Humor lenkt ab – in Situationen, die Angst machen und verunsichern, wenn man nicht weiß, was einen erwartet. „Für unseren Job muss man empathisch sein, schließlich arbeiten wir mit Menschen, die krank sind. Da kann man nicht mit so einem Gesicht herumlaufen“, sagt der sympathische Mann und unterstreicht seine Worte mit einer unfreundlichen Grimasse.

Dunkle Tage, helle Tage

Manchmal muss sich Torsten Zimmermann aber auch dazu zwingen, traurige Gefühle möglichst schnell wegzudrücken. Dann kann es schon mal vorkommen, dass er seine Kaffeepause nach draußen verlegt, für eine Zigarette. Das passiert an den dunklen Tagen, dann, wenn Verstorbene in den Kühlraum begleitet werden müssen. Circa zwei Stunden nach Todeseintritt werden die Leichname dorthin gefahren. Über die Flure und Gänge, in denen Betrieb herrscht und das Leben weiterläuft. „Das ist schlimm, muss aber auch gemacht werden“, so der pragmatische Kommentar. Ein Erlebnis wird Torsten Zimmermann nicht so schnell vergessen: „Auf der Onkologie ist eine junge Mutter gestorben. Ihre Kinder hatten ihr Bett mit Luftballons geschmückt. Als ich die Verstorbene abholen wollte, haben sich die Kinder am Bettlaken festgehalten – sie wollten die Mutter einfach nicht hergeben.“ Den dicken Kloß im Hals hört man immer noch beim sonst so fröhlichen Patientenbegleiter.

Wie gut, dass es nach der Dunkelheit auch wieder hell wird. „Zum Beispiel dann, wenn ich die Mütter mit den neugeborenen Babys auf die Station bringen darf. Die sind dann zwar erschöpft und völlig fertig, dafür aber superglücklich.“ Da kommt das Vaterherz des 46-Jährigen ins Spiel, der eine bereits erwachsene Tochter hat. Und er freut sich: Am letzten Sonntag im Juni sind im Vivantes Klinikum Am Urban neun Babys zur Welt gekommen, davon fünf während seiner Schicht. Das war ein schöner Tag! „Ich möchte mit niemanden tauschen, das hier ist definitiv mein Traumjob.“

www.vivantes.de

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Fotos: Florian von Ploetz

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