Pollenallergie – Therapie im Winter beginnen

Dr. Anne Henschel, Leiterin Allergiezentrum und Oberärztin am Vivantes Klinikum Spandau

Für manche Menschen ist der Frühling eine Qual – für die Pollenallergiker.
Was am besten dauerhaft gegen Heuschnupfen hilft und warum man ausgerechnet im Winter mit einer Hyposensibilisierung beginnen sollte, erklärt die Leiterin des Allergiezentrum und dermatologische Oberärztin am Vivantes Klinikum Spandau, Dr. Anne Henschel.

Frau Dr. Henschel, warum sollte eine Hyposensibilisierung gegen Pollen und Gräser, auch umgangssprachlicher „Allergie-Impfung“ genannt, im denn ausgerechnet im Winter begonnen werden?

Allergieimpfungen werden immer vor der Pollenflugsaison durchgeführt, weil man dann keine zusätzliche Pollenbelastung durch die Natur berücksichtigen muss. Denn die Spritzen sind ganz genau dosiert – und wenn beispielsweise im Juni die meisten Gräserpollen fliegen, wäre das ja eine zusätzliche Belastung für das Immunsystem.

Wie lange dauert denn so eine Therapie und wie funktioniert das überhaupt?

Das dauert in der Regel mehrere Woche und kann ambulant durchgeführt werden. Alle zwei Wochen wird das für die Allergie verantwortliche Allergen unter die Haut des Oberarmes gespritzt, und das in immer höheren Dosen bis zu einer bestimmten Höchstdosis. Dadurch werden die Toleranzmechanismen des eigenen Körpers wieder hochgefahren und das Immunsystem kann wieder in eine Balance geraten. Wenn man allergisch ist, dann ist das Immunsystem in diesem Punkt eben nicht in der Balance. Das ist also eine spezifische Immuntherapie.

Wenn der Körper immer wieder mit dem zu tun hat, auf das er allergisch reagiert, ist das dann nicht besonders schlimm für den Betroffenen? Ist die Behandlung also sehr belastend?

Es ist ganz unterschiedlich. Manche merken nichts, andere sind danach leicht erschöpft oder müde. Daher empfehlen wir auch keine Sauna und keinen Sport am Tag der Behandlung. Selten kann es nach einer Verabreichung des Allergens zu allergischen Reaktionen oder sogar einem allergischen Schock kommen. Genau deshalb bleiben unsere Patienten noch 30 Minuten nach der Verabreichung bei und wir beobachten sie. Andere Nebenwirkungen sind  Rötungen, Schwellungen oder ein Juckreiz an der Einstichstelle, ähnlich wie bei anderen Injektionen.

Und dann ist man die Allergie auch wirklich los?

Ja, häufig. Bei rund 80% der Heuschnupfen-Patienten ist die Behandlung erfolgreich. Vor allem gegen Frühblüher wie etwa die Birke, Erle, Haselpollen oder Gräser. Bei anderen Allergien wie etwa gegen Schimmelpilze und oder beispielsweise Katzenhaare ist die Prognose nicht ganz zu gut, aber auch hier ist eine erfolgreiche Therapie möglich.

Gibt es Alternativen?

Nein, zurzeit stellt die Hyposensibilisierung tatsächlich die einzige Möglichkeit dar, eine Allergie ursächlich zu behandeln – also so, dass sie nicht mehr auftritt. Alle anderen Therapien, zum Beispiel die Verabreichung antiallergischer Medikamente, können zwar die Allergiesymptome lindern, aber nicht der eigentlichen Ursache der Allergie entgegenwirken.

Also können Sie jedem Allergiker eine Hyposensibilisierung empfehlen?

Kommt darauf an. Auf die Allergie und darauf, wie sehr die Patienten leiden und ob sie geeignet sind. Wenn man leichte Pollenallergie hat, reicht es ja oft, die Symptome zu bekämpfen, denn dann sind die Beschwerden ja jedes Jahr relativ schnell vorbei und das ist dann vielleicht auszuhalten. Bei Allergien gegen Bienengift oder Wespengift kann eine erfolgreiche Hyposensibilisierung sogar lebensrettend sein, da die allergischen Reaktionen in diesen Fällen oft sehr heftig ausfallen und leicht zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock führen können.


Foto: Tür – Fotolia 45249026

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