Spätdienst an Weihnachten

Tom Paßkönig gehört zu den Vivantes Mitarbeitern, die traditionell an Heiligabend im Spätdienst arbeiten. Er ist Altenpfleger und stellvertretender Stationspflegeleiter in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik – auf einer Station für gerontopsychiatrische Patienten am Vivantes Klinikum Am Urban.

Bei Ihren Kolleginnen und Kollegen ist der Dienst an Weihnachten bestimmt nicht sehr beliebt, warum bieten Sie sich an?
Ich kann verstehen, dass Kollegen die Familie haben lieber zu Hause feiern, aber ich lasse mich inzwischen schon in meinem fünften Jahr bei Vivantes an Heilig Abend in die Spätschicht einteilen – ganz freiwillig. Ich finde, Weihnachten ist ein Fest für Kinder – oder für ältere Menschen, wie hier in der Gerontopsychiatrie, in der ich arbeite. Für Kinder stehen der Weihnachtsmann und die Geschenke im Vordergrund mit denen sie überrascht werden, für die Älteren ist es die Besinnlichkeit. Da lasse ich mich gern anstecken.

Wie ist es für Sie, an Heilig Abend zu arbeiten?
Es ist ein besonderer Arbeitstag, ganz klar. Ich verkleide ich mich traditionell als Weihnachtsmann. Auch meine Kolleginnen machen oft mit und kommen mal als Weihnachtsengel mit Heiligenschein und silbern geschminkt. Fast alle Patientinnen und Patienten treffen sich im Tagesraum und ich bringe Weihnachtslieder gesungen von Udo Jürgens und Roger Whittaker mit. Jeder kann sich auch Musik wünschen, es wird mitgesungen und manchmal auch getanzt. Die Kollegen wissen schon, dass ich das mache und halten mir im Stationsdienst den Rücken frei und machen mit. Es steht ein Weihnachtsbaum im Raum, alles ist festlich geschmückt und eingedeckt, es gibt Stollen und Plätzchen und zum Abendessen Kartoffelsalat mit Würstchen und alkoholfreien (!) Punsch.

Ist an Heilig Abend eine besondere Stimmung im Krankenhaus?
Bei uns auf jeden Fall, Weihnachten ist ein emotionales Fest und mit unseren Demenzpatienten können wir ja auch fast ausschließlich über die Gefühlsebene kommunizieren.. Die Patienten vergessen sehr viel, aber die Weihnachtsfeste aus der Vergangenheit stecken tief in den Menschen drin und die alten Lieder kennen sie alle. Wenn wir das Ave Maria hören, fließen auch mal Tränen. In der Psychiatrie erleben wir oft herausforderndes Verhalten von Patienten, aber der 24. Dezember ist immer ein sehr friedlicher Tag. Dann sage ich: „Es ist Weihnacht, Hallelujah!“ und die Patienten reagieren sanft und sentimental und sagen „ist das nicht schön? Es ist Weihnachten!“

Sind denn alle Patienten gesundheitlich in der Lage mitzufeiern?
Wir versuchen alle Menschen auf unserer Station zu mobilisieren – und sei es im Pflegestuhl oder indem wir einem Patienten den Stollen anreichen. Oft kommen auch Angehörige und sind beim Fest dabei. Eine Patientin leidet in der dunklen Jahreszeit häufiger an Depressionen und war nun schon mehrere Jahre in Folge immer an Weihnachten hier.

Und wann feiern Sie privat?
Meine Eltern und Geschwister hatten sich tatsächlich beschwert, dass sie mich nicht mehr am Heiligabend zu sehen bekommen. Deshalb haben sie mich einfach bei der Kaffeerunde auf meiner Station besucht, um mit mir zu feiern. Als mein Vater hereinkam, sagte einer der Demenzpatienten, der ihn noch nie gesehen hatte: „Oh, wie schön! Du auch hier!?“ Für meinen Vater war das ein sehr emotionaler Moment, von dem er noch heute erzählt.


Foto: Rentiere – fotolia.com 56828179 Jeanette Dietl 

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