Unentbehrliche Helfer

Etwas für andere tun und selber daran wachsen. Diese Chance bietet sich Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren. Auch bei Vivantes arbeiten viele FSJler – und machen sich im Klinikalltag schnell unentbehrlich.

Insgesamt 150 Freiwillige bei Vivantes

Auguste-Viktoria-Klinikum (AVK), kurz vor 9 Uhr: Tuja Kadow schiebt einen großen Servierwagen mit schmutzigem Geschirr vor sich her. Die 22-Jährige hat ein freundliches Gesicht, auf dem, wie so oft, ein sympathisches Lächeln zu sehen ist. Sie arbeitet sich Zimmer für Zimmer den Krankenhausflur entlang, um die Reste des Frühstücks abzuräumen. So wie jeden Morgen seit fast einem Jahr.

Tuja ist FSJlerin. Damit gehört sie zu den rund 45.000 jungen Menschen in Deutschland, die sich in diesem Rahmen sozial engagieren. Bei Vivantes ist sie eine von insgesamt 150 Freiwilligen. Drei Viertel davon sind junge Frauen.

Zuwendung ist eine der wichtigsten Aufgaben

Im AVK in Schöneberg hat Tuja im Juli 2014 angefangen. Dort arbeitet sie auf der Station Orthopädische Chirurgie in der Frühschicht. „Ich mache die Morgenrunde“, erzählt sie. „Waschen, pflegen, frisch machen, mobilisieren. Natürlich frage ich die Patienten auch, wie es ihnen geht.“

Die emotionale Zuwendung sei eine der wichtigsten Aufgaben, die die FSJler bei Vivantes erfüllten, sagt Sylvia Reifenstein aus dem Geschäftsführungsbereich Personalmanagement. Sie ist die Ansprechpartnerin für die FSJ-Teilnehmer und hat fast ausschließlich positive Erfahrungen mit den jungen Menschen gemacht.

Sie füllen laut der Personalmanagerin eine Lücke: „Mit der Abschaffung der Wehrpflicht 2011 entfiel auch der Zivildienst. Das hat gerade im pflegerischen Bereich ein großes Loch hinterlassen – zwischen 300 und 400 Zivis waren bei Vivantes in den einzelnen Klinika im Einsatz. Die FSJler leisten bei uns also wertvolle Unterstützungsarbeit.“

Rücksprache mit den Profis halten

In welchen Bereichen die FSJler arbeiten, ist streng reglementiert. Da sie keine ausgebildeten Pflegekräfte sind, dürfen sie nur Hilfstätigkeiten übernehmen und müssen sich eng mit dem Fachpersonal abstimmen. „Bevor ich einen Patienten nach der OP mobilisiere, brauche ich die ausdrückliche Genehmigung des Arztes“, berichtet Tuja.

Ansonsten lägen ihre Aufgaben eher im Bereich der Optik, fügt sie hinzu: „Ich sorge dafür, dass nichts unnötig herumliegt. Außerdem kümmere ich mich um die Betten, mache kleine Handreichungen und erledige alles rund um die Mahlzeiten der Patienten.“

Erste Berufserfahrung sammeln

Die FSJler bei Vivantes sind eine bunte Mischung. Wie Tuja hat ein Teil von ihnen einen Migrationshintergrund, mit dabei sind aber auch viele Kinder oder Enkel von Vivantes Mitarbeitern.

Tujas Eltern kommen aus der Mongolei, sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen und hat hier 2013 ihr Abitur gemacht. An den einjährigen Freiwilligendienst bei Vivantes kam sie über den Träger Türkischer Bund in Berlin-Brandenburg (TBB).

Wie die Backgrounds der FSJler unterscheiden sich auch deren Motive für den Freiwilligendienst. Viele nutzen das Jahr als Überbrückung der Wartezeit auf einen Studienplatz. Für andere ist es eine gute Möglichkeit, einen Berufsnachweis für die Zulassung zum Fachabitur zu erwerben oder einen Einblick in den Traumjob im pflegerischen oder medizinischen Bereich zu gewinnen.

Tuja weiß bereits, welche Richtung sie einschlagen will: „Ich möchte eine Ausbildung zur Krankenschwester machen. Das FSJ hat mich in dieser Entscheidung bekräftigt.“ Auch in vielerlei anderer Hinsicht habe sie das Jahr weitergebracht: „Ich bin selbstbewusster geworden, reifer, und ich habe hier gelernt, was Disziplin und Zuverlässigkeit bedeuten. Die Arbeit mit Menschen macht mir einen Riesenspaß, und ich freue mich, wenn mir Vertrauen entgegengebracht wird. Das habe ich hier intensiv erfahren.“

Gesellschaft mitgestalten und dabei lernen

Das FSJ ist ein gesetzlich geregelter Freiwilligendienst für 16- bis 27-Jährige und dauert in der Regel zwölf Monate. Einsatzorte sind Krankenhäuser, Altenpflegestätten, Kindergärten, Behinderteneinrichtungen und darüber hinaus Schulen, politische und ökologische Institutionen. Ein FSJ kann man unter Umständen auch im Ausland machen.

Der Dienst bietet die Chance, seine fachlichen und persönlichen Kompetenzen weiterzuentwickeln. Inklusive sind außerdem spannende Begegnungen mit Menschen, berufliche Orientierung, das Erfahren von Gemeinschaft und die Möglichkeit, Gesellschaft mitzugestalten.

Pädagogische Begleitung für die Teilnehmer

Das FSJ wird durch anerkannte Träger pädagogisch begleitet. Neben der Vermittlung von Einsatzstellen veranstalten sie Bildungsseminare und stehen den Freiwilligen bei Fragen zur Seite.

Die FSJ-Teilnehmer erhalten ein Taschengeld  von maximal 330 Euro und sind gesetzlich sozialversichert. Bis zum 25. Lebensjahr bleibt der Anspruch auf Kindergeld bestehen. Nach Abschluss des Freiwilligendienstes erhalten sie ein Zeugnis der Einsatzstelle. Eine Anerkennung des FSJ als Vorpraktikum oder für den praktischen Teil der Fachhochschulreife ist in vielen Fällen möglich.

Mehr Informationen unter www.berlin.de/sen/soziales/themen/buergerschaftliches-engagement/freiwilligendienste


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