Wenn man nicht übt, dann wird es nix.

Das ambulante Therapiezentrum der Vivantes Rehabilitation GmbH am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum in Schöneberg ist Berlins größte Reha-Einrichtung. Das engagierte Team setzt auf interdisziplinäre Zusammenarbeit und individuelle Betreuung.

Dietmar Lutze-Stallmann war sein ganzes Leben lang sportlich sehr aktiv. Der heute 68-jährige Berliner unterrichtete Sport und Mathematik, er war Skibergsteiger und Eishockeyspieler, spielte sogar in der Bundesliga. Vor zweieinhalb Jahren – einen Monat nach seiner Pensionierung – passierte etwas völlig Unerwartetes: Er erlitt einen schweren Schlaganfall. An diesem Donnerstag im Frühjahr 2017 hat Dietmar Lutze-Stallmann gerade im ambulanten Therapiezentrum der Vivantes Reha eine Einheit Krafttraining abgeschlossen: Sein linker Arm ist noch sehr schwach, daran hat er hier in den vergangenen Wochen intensiv gearbeitet. 220 Plätze für Patientinnen und Patienten mit orthopädischen, kardiologischen, onkologischen und neurologischen Erkrankungen stehen im Therapiezentrum zur Verfügung. Die Behandlung durch das interdisziplinäre Team baut auf drei Säulen auf: auf aktiven Maßnahmen wie Krankengymnastik oder Ergotherapie. Auf einem passiven Block, der Wärmeanwendungen, Entspannung und Information, zum Beispiel durch Vorträge, vorsieht. Und auf einem edukativen Teil, bei dem die Patienten lernen, wie sie mit ihrer Erkrankung umgehen.

Enge Verzahnung

„Unsere Patientinnen und Patienten werden ausschließlich ambulant behandelt, das heißt: wohnortnah und teilstationär“, erklärt Dr. Johannes Danckert, Geschäftsführer der Vivantes Rehabilitation GmbH. „Sie können während der Behandlung in ihrem gewohnten Umfeld bleiben und profitieren von einer engen Verzahnung mit den Akut-Kliniken, Ärztinnen und Ärzten sowie Therapeuten.“ Dr. Tillmann Stock, ärztlicher Leiter der Abteilung Orthopädie, erlebt das als sehr hilfreich: „Wir profitieren stark davon, dass Ärzte aus anderen Fachgebieten ansprechbar sind – vieles ergänzt sich.“ Seine Kollegen und er lernen die Patienten in den ersten Tagen der Reha kennen, entscheiden über Therapien und stellen eine Art Stundenplan zusammen: „Jeder Patient ist einzigartig.“
Dietmar Lutze-Stallmann ist gerade im Raum mit den Trainingsgeräten, die Kraft, Ausdauer und Balance schulen und verbessern können. „Die Therapie hier hat bei mir echte Fortschritte bewirkt“, berichtet er. Sporttherapeutin Kristin Frenkert ist ein Teil des Teams und im Trainingsraum eingesetzt. Sie ist für alle Patienten ansprechbar und motiviert auch, wenn mal jemand einen schwierigen Tag hat. „Wir arbeiten für jeden ein individuelles Programm aus und passen es nach Bedarf jeweils neu an“, erklärt sie. In einer Mappe wird alles dokumentiert. „So kann jeder seine Fortschritte verfolgen“, ergänzt Kristin Frenkert.

Reha

Der stellvertretende Bereichsleiter Sport und Physiotherapie Michael Jantz bei der Therapie einer Patientin.

Dietmar Lutze-Stallmann drückt es so aus: „Wenn man nicht übt, dann wird es nix.“ Nicht zu viel fordern – und nicht zu wenig. Die Patienten kommen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen: Dieter Lutze-Stallmann gehört mit seinen Beschwerden nach einem Schlaganfall genauso dazu wie der 20-Jährige, der sich beim Basketball das Kreuzband gerissen hat, oder die Mittvierzigerin mit Brustkrebs. „Die Herausforderung für uns liegt darin, jeden da abzuholen, wo er steht, und optimal zu fördern“, sagt Kristin Frenkert. „Wir versuchen immer, nicht zu viel zu fordern und gleichzeitig nicht zu wenig.“ Der Besuch in der Reha läuft meist über insgesamt drei Wochen. Mindestens fünf Stunden sind die Patienten durchschnittlich pro Tag in der Einrichtung. „In dieser Zeit wollen wir den Grundstein dafür legen, dass sie ihren Alltag gut bewerkstelligen, in den Beruf zurückgehen und auch fürs Alter mobil werden und bleiben“, erklärt Kristin Frenkert. Drei Wochen sind nicht lang, doch viele der Patienten erleben in dieser Zeit, was möglich ist. „Gerade Bewegungsmuffel sehen, wie gut ihnen der Sport tut und dass er wirklich etwas bewirken kann“, so die Sporttherapeutin. „Für uns ist es toll, dass wir das miterleben dürfen.“ Um die Erfolge der Reha nachhaltig zu begleiten, gibt es mit „IRENA“ ein Nachsorgeprogramm, bei dem die Patienten drei weitere Monate jeweils zweimal pro Woche in die Einrichtung kommen können und professionell begleitet werden. Auch in Bezug auf die Geräte ist die Reha gut aufgestellt. „Für den Therapieerfolg ist aber nicht entscheidend, ob man an Hightech-Maschinen trainiert“, so Dr. Tillmann Stock. „Darüber entscheiden vielmehr die Therapeuten sowie deren Kompetenz und Einfühlungsvermögen. Auch mit einem einfachen Thera-Band kann man viel erreichen und damit können die Patienten auch zu Hause weiter trainieren.“

Lecker und gesund kochen Ernährung ist ebenfalls ein wichtiger Baustein, um wieder gesund zu werden. In der Reha werden die Patienten zu allen Fragen rund um gutes Essen beraten – in Einzelgesprächen und in der Gruppe. In einer eigenen Küche wird praktisch erprobt, wie man lecker kochen kann, mit viel Gemüse oder wenn beispielsweise der Fisch „nur“ gedünstet statt gebraten wird. „Viele denken, Diät ist nur zum Abnehmen gedacht und es schmeckt nicht“, sagt Diätassistentin Andrea Tobehn. „Hier haben sie so manches Aha-Erlebnis.“ Zum Beispiel, wenn die Gruppen gemeinsam auf die Zutatenlisten von Lebensmitteln schauen und sehr viel Zucker oder künstliche Aromen entdecken.
Am Anfang jeder Beratung schreiben die Patienten zudem für einige Tage ein Ernährungsprotokoll. „So lernen wir ihre bisherigen Gewohnheiten kennen“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Nikoletta Kaiser. Dann gilt es, kleine Schritte zu gehen, denn: „Verbote funktionieren nicht. Es sind erwachsene Menschen, und sie übernehmen selbst die Verantwortung für sich.“

Im häuslichen Umfeld fit gemacht

Diätassistentin und Patientin

Diätassistentin Andrea Tobehn (links) hilft den Patienten, sich gesund zu ernähren. Für jeden von ihnen werden individuelle Tipps und Hilfestellungen erstellt.

Längst nicht alle Patienten wollen und sollten Gewicht reduzieren. „Patienten aus dem onkologischen Bereich sind oftmals durch die Therapien geschwächt und untergewichtig“, so Nikoletta Kaiser. „Dann ist die Frage, wie man sinnvoll zunimmt und welche Nährstoffe vielleicht besonders wichtig sind.“ Die Ernährungsberatung ist deshalb ebenfalls sehr individuell – und die Patienten entscheiden selbst, was sie daraus mitnehmen. Auch in der Ernährungsberatung hat die ambulante Reha Vorteile:
„Am Abend und am Wochenende können die Patienten direkt umsetzen, was sie hier erarbeitet haben, und sehen, wie sie damit zurechtkommen.“

Dr. Tillmann Stock ist seit elf Jahren in der ambulanten Einrichtung tätig. Die Vorzüge des ambulanten Konzepts liegen auch für ihn klar auf der Hand: „Die Patienten werden in ihrem häuslichen Umfeld fit gemacht. Vieles, was wir hier mit ihnen einüben, können sie direkt zu Hause ausprobieren – und nicht erst drei Wochen später, wenn sie von einem stationären Aufenthalt wieder heimkehren.“ Viele Patienten entscheiden sich auch bewusst für diese Variante, weil sie Partner, Kinder, andere Angehörige oder Haustiere nicht über längere Zeit alleine lassen wollen. „Manchmal sind es auch kulturelle oder sprachliche Barrieren, die einen Aufenthalt in der eigenen Stadt einfacher machen“, so der Orthopäde. Auch der Austausch unter den Patienten sei oftmals sehr wichtig. „Sie können sich untereinander aussprechen und Kontakte knüpfen.“

Der Standort in Berlin zeichnet sich durch eine starke Altersmischung aus. „Hier treffen alle Generationen aufeinander“, so Dr. Tillmann Stock. „Das kann sowohl für die jüngeren als auch die älteren Patienten spannend sein.“

Sozialdienst hilft beim Übergang

Ziel einer Rehabilitationsmaßnahme ist immer, dass die Patienten in ihren Alltag zurückfinden und gegebenenfalls ihrem Beruf wieder nachgehen können. Beim Übergang kann auch der Sozialdienst helfen. In der Vivantes Rehabilitation ist ein dreiköpfiges Team dazu ansprechbar.

„Sie haben ganz unterschiedliche Fragen“, erklärt Jacqueline Tuchen. Patienten mit orthopädischen und kardiologischen Erkrankungen beschäftigt vor allem, wie es für sie nach der Reha beruflich weitergeht. Bei onkologischen Erkrankungen ist die Behandlung oft noch nicht abgeschlossen, und es bedarf Hilfe im Alltag sowie der Übermittlung an weitere ambulante Therapien. Patienten aus dem Bereich Neurologie wollen vielleicht ihren Haushalt bewältigen.

Der Sozialdienst berät zu sämtlichen Themen, von der beruflichen Neuorientierung bis zum Hausnotruf, er bietet Bewerbungstraining oder vermittelt an weitere Beratungsstellen, unterstützt bei der Beantragung einer Pflegestufe oder finanzieller Sicherung.

Das Team der gesamten Rehabilitations-Einrichtung setzt auf eine intensive und fortlaufende Betreuung. Dr. Tillmann Stock erklärt: „Wir unterstützen unsere Patienten darin, ihr eigenes Potenzial zu erkennen – damit sie das, was sie in der Therapie lernen, nachhaltig umsetzen und weiterführen können.“

Auch Patient Dietmar Lutze-Stallmann weiß, dass sein persönliches Engagement viel zum Erfolg beigetragen hat: „Es geht Schritt für Schritt vorwärts, auch wenn ich mir wünschen würde, dass es noch schneller ginge.“ Er hat seine Erkrankung niemals richtig akzeptieren können. „ Aber das Reha-Team hat mir geholfen, damit umzugehen. Dafür bin ich sehr dankbar.“

Mehr Informationen: Vivantes Rehabilitation GmbH


Fotos: Regina Sablotny

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