Das Herz isst mit!

Über die Weihnachtsfeiertage haben wir lieber in den Kochtopf oder den Backofen geguckt, als auf die Waage und wem beim Lockdown die Decke auf den Kopf fällt, der isst auch schon mal aus Frust etwas mehr und ungesünder. Prof. Dr. Diana Rubin, Leiterin des Vivantes Zentrum für Ernährungsmedizin erklärt, wie sich das verhindern lässt und die richtige Ernährung Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugt.

Gesundheit fängt mit ausgewogener Ernährung an. Aber das sagt sich leicht, wenn man im Lockdown sitzt und sonst nichts zu tun hat, oder?

Prof. Dr. Diana Rubin: Das stimmt. Eine große Befragungsstudie hat ergeben, dass rund jeder vierte Bundesbürger während des ersten Lockdowns an Gewicht zugelegt hat. Das zeigt, dass äußere Einflüsse unser Essverhalten prägen. Innerhalb von wenigen Wochen hat sogar jeder Fünfte drei bis fünf Kilo mehr auf die Waage gebracht. Das betraf nicht nur Menschen, die im Homeoffice gearbeitet haben. Offenbar neigen wir unter Corona-Bedingungen dazu, mehr und ungesünder zu essen und uns weniger zu bewegen. Als Gründe wurden Stress und mangelnde Möglichkeiten zu Sport genannt.

Was können wir dagegen tun?

Prof. Dr. Diana Rubin: Wir sollten in der Krise eine Chance sehen: Wer mehr Zeit zu Hause verbringt, kann die Gelegenheit nutzen, um sich öfter aus frischen Zutaten selbst etwas zu kochen. Statt sich Schokolade auf den Schreibtisch zu stellen, könnte man es mit etwas Rohkost versuchen. Gesunde Ernährung fängt beim Einkauf an: Wer nichts Süßes im Haus hat, der isst es auch nicht.

Was sollten wir stattdessen einkaufen?

Prof. Dr. Diana Rubin: Es wäre der Einkaufszettel der ausgewogenen Ernährung: Viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Salat, Obst, Fisch und Vollkornprodukte – dagegen eher wenige, vor allem aber die richtigen Fette, wenig Zucker, Salz und Alkohol. Es geht nicht um einzelne Nahrungsbestandteile oder vermeintliche Superfoods, sondern um Ernährungsmuster. Bewährt hat sich die klassische Mittelmeerkost aber auch die sogenannte New Nordic Diet, für alle die sich kulturell-kulinarisch eher nach Norden orientieren: wenig Fleisch, dafür mehr Fisch, „wilde“ Lebensmittel wie Beeren, Pilze und Kräuter und Roggen- statt Weißbrot.

Wie wirkt sich das auf unsere Gesundheit aus?

Prof. Dr. Diana Rubin: Eine ballaststoffreiche und fettarme Kost verringert das Risiko für Übergewicht, Diabetes und damit auch für Herz-Kreislauferkrankungen sowie für Schlaganfälle deutlich, das konnten epidemiologische Studien zeigen. Auch Menschen, die bereits mit Herzproblemen zu kämpfen haben – bei denen etwa die Herzkranzgefäße bereits verengt sind oder die bereits einen Infarkt erlitten haben – profitieren davon.  

Was sagen Sie zu jenen, die nicht so diszipliniert sind gesund zu essen, sich zu bewegen und nicht zu rauchen?

Prof. Dr. Diana Rubin: Es hängt tatsächlich von der eigenen Motivation und den Lebensumständen ab. Infarktpatienten behalten die präventiven Verhaltensmuster die während der Rehabilitation geübt wurden beispielsweise eher bei, wenn sie danach engmaschig ärztlich und therapeutisch begleitet werden. Aber letztlich müssten die Ernährungsroutinen schon im Kindergarten und in der Schule eingeübt werden. Auch Maßnahmen wie die Kennzeichnung und Verteuerung ungesunder Lebensmittel könnten helfen, das Ernährungsverhalten langfristig zu verbessern.

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