Krebstherapie – Warum Singen Körper und Seele guttut

Durch Singen können Gefühle oft besser ausgedrückt werden und innere Anspannungen lösen sich. Im Interview berichtet Frau Prof. Dr. Maike de Wit, onkologische Chefärztin am Vivantes Klinikum Neukölln und am Schöneberger Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum, wie sich Singen auf Körper und Seele auswirkt – und warum sie dies insbesondere auch für Menschen mit Krebs empfiehlt. Als therapiebegleitendes Angebot hat die Chefärztin daher die Singtherapie etabliert. 

Singen und Krebs, passt das zusammen?

Das passt erstaunlich gut zusammen! Hier im Krankenhaus wird schon frühmorgens gesungen, und zwar wenn die Kollegen und ich singend und summend zur Arbeit kommen (lacht). Wir haben eine Musiktherapeutin, die zu unseren onkologischen Patienten kommt, um mit ihnen zu singen. Außerdem trifft sich unsere Singgruppe inzwischen seit ungefähr fünf Jahren einmal in der Woche. Da machen auch Patienten mit, die schon längst entlassen sind. Sie kommen sehr gerne zurück ins Krankenhaus, um Positives zu erleben, das ihnen bei ihrem Leben nach oder mit dem Krebs hilft.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Singtherapie anzubieten?

Für mich hatte Singen immer schon eine große Bedeutung, auch ich selbst habe früher im Chor gesungen, habe dafür als Chefärztin jetzt aber leider keine Zeit mehr. Jeder, der gemeinsam oder auch allein singt merkt, wie gut es tut. Es verbindet und schafft ein Gemeinschaftsgefühl und es hat nachweislich positive Effekte auf den Körper.

Was passiert denn körperlich, wenn man singt?

Beim Singen holt man ja erst einmal tief Luft. Dann atmet man lange aus und steuert seinen Atem gleichmäßig. Insbesondere Lungenkrebspatienten haben oft Atemprobleme. Aber nicht nur sie, sondern auch andere Menschen haben das richtige Atmen oft verlernt. Beim Singen atmet man automatisch richtig und entwickelt wieder ein besseres Gefühl für seinen Körper und seinen Atem. Viele Menschen fühlen sich danach besser und freier und können auch tiefer atmen.

Lässt sich nachweisen, dass Singen dem Körper gut tut?

Dazu gibt es verschiedene Untersuchungen mit unterschiedlichen Ergebnissen. Bei einer Studie aus Frankfurt zum Singen im Chor beispielsweise wurden Abstriche von den Mundschleimhäuten der Sänger genommen – und zwar vor und nach dem Singen. In den Schleimhäuten gibt es nämlich Moleküle, die für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind, wenn Keime in unseren Mund geraten. Diese Abwehrmoleküle heißen Immunglobulin A, kurz IGA. Tatsächlich hatten sich diese IGAs nach dem gemeinsamen Singen nachweislich vermehrt. Die bessere Abwehr funktioniert allerdings nur, wenn man selbst mitsingt. Zuhören reicht leider nicht, dann tut sich bei den Abwehrmolekülen gar nichts.

Singen denn alle Patienten gerne, die das mal ausprobiert haben? Was sagen die Mitglieder der Singgruppe?

Manchmal waren Leute am Anfang skeptisch, wenn sie zur Singgruppe eingeladen wurden und sagten, dass sie gar nicht singen könnten. Wir entgegnen ihnen immer, dass sie es einmal ausprobieren könnten und sofern sie möchten auch nur Mitsummen. Wenn sie erst einmal dabei sind, begeistert sie das Projekt  und manche sind wie ausgewechselt. Es ist toll, was das Singen mit Menschen machen kann!

Es gibt auch noch andere Angebote für onkologische Patienten?

Ja, wir nennen das therapiebegleitende Angebote. Zum Beispiel haben wir eine Kunst – und Maltherapie. Auch die Malgruppe trifft sich wöchentlich und viele ehemalige Patienten sind weiterhin dabei. Erstaunliche und schöne Kunstwerke sind dabei entstanden und am 03. Mai 2019 eröffnen wir wieder eine Ausstellung der Gruppe in der Dorfschule Rudow.

Wie kann denn künstlerisches Arbeiten Menschen mit Krebs helfen?

Kreative Arbeit hilft dabei, sich mit einer Krebserkrankung und den Folgen auf eine Art auseinanderzusetzen, die über sprachliche Ausdrucksweisen hinausgeht. Gefühle und Erlebnisse einer Krebserkrankung lassen sich manchmal schwer in Worte fassen. Deshalb hilft die Kunst vielen. Vorkenntnisse sind übrigens auch hier nicht notwendig – in der Kunsttherapie steht das Experimentieren, Reflektieren und Entdecken im Mittelpunkt.

Links

Mehr zur Singtherapie:

https://www.vivantes.de/themen/lebensereignisse/diagnose-krebs/neben-dem-klinikaufenthalt/therapiebegleitende-angebote/singtherapie/

Mehr zur Kunst- und Maltherapie:

https://www.vivantes.de/themen/lebensereignisse/diagnose-krebs/neben-dem-klinikaufenthalt/therapiebegleitende-angebote/kunst-und-maltherapie/

Im Rahmen des 15. Berliner Krebskongresses lädt das Vivantes Tumorzentrum alle Patientinnen und Patienten sowie Angehörige und Interessierte am 23. Mai 2019 ab 15.00 Uhr zum Patientenkongress ein:

https://www.vivantes.de/service/informationsveranstaltungen/event-detailseite/patientenkongress-im-rahmen-des-15-berliner-krebskongresses/


Foto: Fotolia.com 88278013, Foto Frau de Wit – Monique Wüstenhagen

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