Schweiß – ein besonderer Saft

Prof. Dr. Wolfgang Harth

Wenn’s heiß ist, wenn wir uns anstrengen, aber auch bei großer Aufregung schwitzt der Körper – und das nicht ohne Grund: Schwitzen kühlt, indem der Schweiß als Wasser auf der Haut verdampft. Obwohl Schwitzen also ein normales Phänomen ist, wird es von vielen als unangenehm empfunden – nicht zuletzt, weil Schweiß mitunter streng riecht.
Prof. Dr. Wolfgang Harth, dermatologischer Chefarzt der Klinik für Dermatologie und Allergologie – Schwerpunkt Männergesundheit am Vivantes Klinikum Spandau, erklärt, warum und auch wann man zu viel schwitzt.

Warum stinkt Schweiß manchmal?

Es gibt zwei verschiedene Typen von Schweißdrüsen, die geruchsfreien ekkrinen und die apokrinen Drüsen, die ab der Pubertät intensiver Duftstoffe freisetzen. Diese wurden früher auch als Lockstoffe wahrgenommen. Die olfaktorische Ästhetik, also die Duftschönheit begegnet uns heute noch, wenn sich Hunde im Park beschnüffeln. Bei uns Menschen dagegen spielt die Duftschönheit fast keine Rolle mehr, wir sind alle geduscht und wie steril.

Man kennt aber noch den Ausdruck, dass man jemanden „gut riechen“ kann!
Wenn man seinem Gegenüber so nah kommt, dass man seinen Geruch abcheckt, hat dieser sicher auch bei der Entscheidung für den Partner eine Bedeutung.

Wovon hängt es ab, wie der Schweiß riecht?

Männliche Hormone besonders Testosteron ebenso wie weibliche Hormone haben einen großen Einfluss auf die Aktivität von Duftdrüsen. Weiterhin kann man am Geruch bemerken, wenn jemand Medikamente eingenommen hat, oder bestimmte Nahrungsmittel wie Knoblauch als Ausdünstung wahrnehmen.

Duftdrüsen befinden sich nicht nur unter den Achseln, sondern auch an den Brustwarzen, im Genitalbereich oder am Bauchnabel.

Warum stinken besonders die Füße des Öfteren?

Dort siedeln sich oftmals Bakterien an, deren Zersetzungsprodukte übel riechen können. Zudem riechen Füße auch aufgrund von schlecht atmenden ungelüfteten Schuhen oder alten Socken.

Warum schwitzen manche Leute stärker als andere?

Es gibt anlagebedingte Unterschiede bei Menschen – das heißt der eine ist empfindlicher, die Schweißdrüsen sind leichter ansteuerbar, als bei anderen. Grunderkrankungen können ebenfalls zu verändertem Schwitzverhalten führen: So z.B. die Zuckerkrankheit, Schilddrüsenerkrankungen – auch Raucher schwitzen manchmal schneller. Es gibt darüber hinaus Unterschiede bei der Anzahl der Schweißdrüsen. Manche Menschen haben zu viele davon, andere haben gar keine, können Temperaturen nicht ausgleichen und müssen anders gekühlt werden, das nennt sich Anhidrose.

Wann schwitzt man zu viel, wann wird es zum Problem?

Dann, wenn man es selbst als störend empfindet: Wenn jemand zum Beispiel immer stark an der Stirn schwitzt und Schweiß beim Arbeiten im Büro auf das Papier tropft, kann dies zum Problem werden. Oder Schwitzen als Lampenfieber vor Prüfungen oder Besprechungen. Dies kann ein psychisch verursachtes Schwitzen sein oft als Angstschweiß oder psychosomatische Erregung wie Wut, wenn man den Chef nicht leiden kann.

Warum finden wir Schwitzen unangenehm oder peinlich, obwohl es eine notwendige Körperfunktion ist?

Eigentlich kann jeder froh sein, wenn die Schweißdrüsen gut funktionieren und den Körper abkühlen. Schwitzen wird gesellschaftlich jedoch meist als unästhetisch beurteilt und ist oft mit Ekelgefühlen verbunden. Medieneinflüsse wie Werbespots der Deo-Industrie haben einen weiteren Einfluss auf die Wahrnehmung, dass etwa Schwitzflecken unschön sind.

Welche medizinischen Möglichkeiten gibt es, gegen das Schwitzen vorzugehen?

Wenn jemand aufgrund des Schwitzens leidet, sollte man nach einem Stufenplan vorgehen. An erster Stelle steht ein spezieller Gesundheitscheck, um hormonelle oder innere Krankheiten als Ursache für das Schwitzen auszuschließen. Die Grunderkrankung zu behandeln, kann Schwitzen als Folgeerscheinung in solchen Fällen verbessern.

Als davon unabhängige, allgemeine Basismaßnahme hilft bei störendem Schweißgeruch, den Körper zu waschen. Weiterhin können Deos die Schweißproduktion durch Verschluss der Ausführungsgänge verhindern. Im nächsten Schritt können medizinische Verfahren, zum Beispiel die Iontophorese, bei der mittels schwachem Gleichstrom das Schwitzen verhindert wird, helfen.

Bei zahlreichen Stellen können medikamentöse Behandlungen mit Tabletten helfen. Ein weiteres Verfahren sind Spritzen mit Botox, wobei die Steuerungsnerven der Drüsen ausgeschaltet werden.

Gibt es auch Operationen?

Ja, zu den invasiven Verfahren gehören Operationen mit Absaugen der Schweißdrüsen. Über einen kleinen Hautschnitt wird eine Kanüle eingeführt und mittels Sog die Schweißdrüsen entfernt. Durch diesen medizinischen Eingriff wird das Schwitzen in einem Bereich reduziert aber kompensatorisch kann es passieren, dass man an anderen Stellen mehr schwitzt.

Eine maximale Methode ist ein thoraxchirurgischer Eingriff mit Durchtrennung der Nerven zur Schweißproduktion.

Für welche Behandlung sollte man sich entscheiden?

Letztlich sollten all diese Möglichkeiten individuell und entsprechend dem Leidensdruck und dem Ursachenprofil mit dem Arzt oder der Ärztin besprochen und festgelegt werden.


Foto: sweating-2403982_1920 Arulonline auf Pixabay

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