Zu süß, zu fett, zu viel

Gänsebraten, Stollen, Plätzchen. Den meisten von uns ist klar, dass diese Lebensmittel nicht unbedingt zu einer gesunden Ernährung gehören – aber soll man auf diese Leckereien ganz verzichten, auch in der Vorweihnachtszeit? Chefarzt Professor Dr. Helmut Schühlen erklärt, wie man ganzjährig Fettnäpfchen und Zuckerfallen entgeht.

„Viele von uns essen zu süß, zu fett und vor allem zu viel, und das nicht nur in der Zeit um Weihnachten herum“, sagt Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Diabetologie und konservative Intensivmedizin des Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum. Er warnt: Wer zu viel Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz isst, riskiert jedoch, übergewichtig zu werden. Und wer zu viele Kilos auf den Hüften hat, kann in der Folge ernstzunehmend erkranken: etwa an zu hohem Blutdruck oder an Gefäßerkrankungen mit drohendem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Vor allem aber ist das Risiko erhöht, an Diabetes zu erkranken.

Bewusst genießen und bewegen

Das heißt jedoch nicht, dass wir in der Adventszeit oder ganzjährig auf „Essenssünden“ verzichten müssen, meint der Chefarzt: „In Maßen darf man sich fast alles erlauben. Aber wenn sich das Glücksgefühl erst dann einstellt, wenn die ganze Keksdose leergefuttert ist, dann hat man wahrscheinlich ein dickes Problem. Also den Stollen, die Kekse oder die Gänsekeule, ganz bewusst genießen, und danach die ausgleichende Bewegung nicht vergessen.“ Um Übergewicht zu vermeiden, müsse halt die Kalorienbilanz am Ende des Tages stimmen. „Wer sich viel bewegt, darf mehr essen, wer den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, entsprechend weniger. Aber nicht nur wie viel wir essen, sondern auch was wir essen ist entscheidend“, rät Schühlen.

Deutsche sind Bewegungsmuffel

Fotolia_46629371_XXL_© BeTa-Artworks - Fotolia.com_GänsekeuleViele Menschen bewegen sich im Alltag eher wenig, sitzen viel am Schreibtisch oder im Auto. Im September 2018 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation WHO Daten, die zeigen, dass sich in Deutschland 42 Prozent der Erwachsenen zu wenig bewegen; darunter 40 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen. Weltweit bewegen sich 27,5 Prozent der Menschen zu wenig.

Was wir von unseren Vorfahren lernen können

In früheren Zeiten war das zwangsweise anders, etwa zu Zeiten der Jäger und Sammler: Hatten unsere Vorfahren Beute erlegt oder etwas Essbares gesammelt, mussten sie das Fleisch innerhalb weniger Tage aufessen – dafür gab es dann für einige Zeit nur Beeren oder andere Pflanzen. „Heute aber können wir mehrfach täglich uns satt essen, wo wir doch eigentlich dazu geschaffen sind, im Normalfall eher wenig zu essen und nur an Festtagen große Portionen zu verdrücken“, erklärt Schühlen. Daher sei Vieles an der Art, wie wir uns in Industrienationen heute ernähren, grundsätzlich falsch.

Viele Fertiggerichte und Industrie-Lebensmittel sind Zuckerfallen

Die Nahrungsmittelindustrie verleitet uns dazu, von allem möglichst große Packungen – die „Familienpackungen“ – zu kaufen, denn die sind günstiger als kleine Mengen. „Da führen große Portionen und zu viel Fett und Zucker schnell zu Übergewicht.“ Ein Problem dabei sind auch die versteckten Kalorien. Denn nicht nur Süßigkeiten, sondern auch Joghurts oder probiotische Getränke enthalten oft sehr viel Zucker. In 150 Gramm Fruchtjoghurt stecken sechs Würfelzucker. Die Alternative ist, selbst frisches oder tiefgekühltes Obst in einen Naturjoghurt oder Naturquark zu rühren. Das gleiche gilt für die meisten verarbeiteten Nahrungsmittel wie beispielweise Fertiggerichte oder Gemüse aus dem Glas oder der Dose.

Blutzuckerspiegel fährt Achterbahn

Das Problematische ist: Nimmt man viele Kohlenhydrate in Form von Zucker auf, steigt Christmas cookies
der Blutzuckerspiegel in die Höhe. Das verschafft uns kurzzeitig einen Energieschub, der aber nicht lange anhält. Um den hohen Blutzuckerspiegel auszugleichen, steigt dann der Insulinspiegel im Körper stark an. „Da entsteht rasch eine  Achterbahnfahrt des Blutzuckerspiegels, der Hunger stellt sich rasch wieder ein, man möchte wieder essen – jeder kann sich vorstellen, dass dies auf Dauer zur Gewichtszunahme führt“, erklärt der Kardiologe. „ Wobei das Zuviel an Zucker nicht direkt den Diabetes auslöst. Das Problem ist das daraus folgende Übergewicht.“

Diabetes auf dem Vormarsch

Diabetes Typ 2 wird durch die mangelnde Verwertung von Insulin im Körper verursacht. Dieser Typ ist für 90 Prozent aller Diabetesfälle weltweit verantwortlich. Die Weltgesundheitsorganisation WHO rät zu gesunder Ernährung, um vor Diabetes zu schützen.  In Zahlen ausgedrückt: Rund 70 Prozent aller Diabeteserkrankungen können laut WHO durch die richtige Ernährung vermieden werden. Dazu gehören insbesondere frische Lebensmittel, die nicht industriell verarbeitet wurden, um die versteckten Kalorien zu vermeiden.

Denn in der Europäischen Region gibt es viele Übergewichtige: 63 Prozent der Männer über 18 Jahren bringen zu viel auf die Waage, bei den Frauen sind es 55 Prozent. Die Häufigkeit von Bewegungsmangel und Übergewicht oder Adipositas ist besonders hoch in Ländern mit hohem Volkseinkommen – wie etwa Deutschland.
Nun will auch das Bundesernährungsministerium (BMEL) mit einer  so genannten „Reduktions- und Innovationsstrategie“ die Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas und von damit einhergehenden Krankheiten in Deutschland senken. Weniger Zucker, Fette und Salz soll die Lebensmittelindustrie in Fertigprodukten verarbeiten – allerdings auf freiwilliger Basis ab Anfang 2019.

Mehr Infos zum Vortrag „Wir essen zu fett, zu süß und vor allem zu viel“ am Donnerstag, den 20. Dezember 2018 ab 18:30 Uhr im Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum finden Sie hier.


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Fotos: Fotolia.com – 45361006_M_© sarsmis _Plätzchen; 46629371_© BeTa-Artworks_Gänsekeule; 69158389_Lebkuchen ChristArt

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