Von heilenden Düften – Aromatherapie in der Altersmedizin

Mit Krankenhäusern werden allgemein Schul- und Gerätemedizin verbunden – dabei wirken sich ergänzende Heilmethoden wie die Aromatherapie sehr positiv auf die Genesung aus und ermöglichen den Patient*innen zudem, die Behandlung aktiv mitzugestalten und sich einzubringen. Neben dem Vivantes Brustzentrum und dem Vivantes Hospiz arbeitet auch die Geriatrie im Vivantes Klinikum im Friedrichshain mit der zusätzlichen Anwendung der Aromatherapie. Jutta Roos ist Ergotherapeutin mit Qualifikation zur Aromaexpertin. Sie erzählt im Gespräch von ihren Erfahrungen.

Bei ätherischen Ölen denkt man eher an Wellness, als an Medizin. Haben sie trotzdem medizinische Wirkungen?

Jutta Roos: Auf jeden Fall. Die Heilpflanze „Immortelle“ zum Beispiel kommt bei Patientinnen und Patienten zum Einsatz, die gestürzt sind. Sie wirkt Hämatom auflösend, entzündungshemmend und beruhigend. So beschleunigt sie den Heilungsprozess und fördert dadurch die Genesung. Ein anderes Beispiel ist „Wintergrün“, dessen Geruch nicht jeder mag, aber es wirkt ebenfalls stark entzündungshemmend und schmerzlindernd dank des hohen Gehalts an Methylsalicylat.

Wie setzen Sie die Aromatherapie konkret in der Klinik ein?

Roos: Ätherische Öle lindern unter anderem Schmerzen, sie können zur Hämatom- und Narbenbehandlung genutzt werden. Das passiert lokal in Form von Wickeln, die wir beispielsweise in Quark einarbeiten. Oder wir bereiten Auflagen und warme Ölkompressen vor. Zur Raumbeduftung haben wir einen Aromanebler, den wir für eine halbe Stunde ins Zimmer stellen. Die verdampfenden Öle duften und wirken entspannend. Zur Verbesserung der Raumluft ist Zitronenduft gut geeignet, der Frische, Klarheit und Sauberkeit ausströmt.

Jutta Roos: „Ätherische Öle lindern unter anderem Schmerzen, sie können zur Hämatom- und Narbenbehandlung genutzt werden.“

Wonach wird das passende ätherische Öl für die Anwendung ausgewählt?

Roos: Auch wenn die Inhaltsstoffe unterschiedlich wirken, können die Patienten oft selbst wählen, welches Öl ihnen guttut und welcher Duft ihnen gefällt. Mandarinenöl beispielsweise wird mit Kinderlachen verglichen und hellt die Stimmung auf. Rose oder Lavendelduft sind beruhigend.

Gibt es auch Risiken?

Roos: In jedem Fall sollte immer in Maßen dosiert werden, in einer Auflösung von 0,5 Prozent. Das entspricht einem Tropfen ätherischem Öl auf 10 ml eines Basisöls. Im klinischen Bereich sind Mischungen von bis zu 2 Prozent als Bestandteil der Aromapflege verwendbar. Bei stärkeren Konzentrationen ist eine ärztliche Verordnung erforderlich. Menschen mit Bluthochdruck sollten Rosmarin wegen seiner anregenden Wirkung nicht als Badezusatz verwenden, weil die Wirkung durch die Wärme des Badewassers noch verstärkt wird. Thymian dagegen gibt es in stärkeren und sanfteren Varianten. Der CT Linalool beispielsweise ist ein milder Thymiantyp, der auch von Kindern mit Atembeschwerden gut vertragen wird.

Wie erfahren die geriatrischen Patienten von der Aromatherapie?

Roos: In unserer geriatrischen, also altersmedizinischen, Frührehabilitation arbeiten wir im interdisziplinären Team mit Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Logopäden, Psychologen der Pflege und den Ärzten zusammen. Gemeinsam beraten wir über den Behandlungsplan in den die Aromatherapie bei Bedarf integriert wird. Inzwischen lassen sich auch die Kolleginnen und Kollegen gern von mir beraten oder fortbilden und nutzen die ätherischen Öle, oder bitten mich dazu, wenn sie einen Patienten behandeln.

Heilpflanzen wurden ja schon zu Großmutters Zeiten als Hausmittel verwendet. Haben Sie noch einen Tipp für zu Hause?

Roos: Eine leicht umsetzbare Idee wäre, in ein Töpfchen handelsübliche Sahne zwei bis drei Tropfen eines für sie selbst angenehm duftendes ätherisches Öl zu geben und sich damit ein Bad einzulassen. Das fühlt sich samtig auf der Haut an, duftet und entspannt. Oder man kreiert sich ein Körperöl zum wach werden: Dazu wird ein Tropfen Ingwer und ein Tropfen Zitrone in 10 ml Sesamöl gegeben. Das kann man am Morgen, nach dem Duschen auf der feuchten Haut als Körperöl anwenden.


Kontakt: Jutta Roos, Ergotherapeutin und zertifizierte Aromatherapeutin 030 130 23 4895

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