Corona: Seelisch gesund durch die Krise – 7 Tipps von Prof. Dr. Andreas Bechdolf

Der Alltag spielt sich in den eigenen vier Wänden ab, soziale Kontakte gibt es nur noch digital. Der Alltag hat sich für uns alle merklich verändert. Viele fragen sich: Wie schaffe ich es, in der Quarantäne nicht in ein Stimmungstief zu rutschen?
Prof. Dr. Andreas Bechdolf, Chefarzt der Vivantes Kliniken für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Urban und im Friedrichshain gibt Tipps, wie Sie die Herausforderungen der Pandemie meistern.  

1. Begrenzen Sie Ihre Informationen auf vertrauenswürdige Informationsquellen

Es kursieren im Moment viele Informationen, die unsere Emotionen ansprechen, besonders in den sozialen Medien. Suchen Sie sich lieber Quellen mit sachlichen, fundierten Informationen. Diese finden Sie zum Beispiel beim Robert Koch-Institut, beim Bundesgesundheitsministerium oder bei Vivantes.

2. Pflegen Sie Ihre Kontakte

Auch wenn wir im Moment das Haus nur aus gutem Grund verlassen sollen, gibt es viele Möglichkeiten, mit Freunden und Angehörigen in Kontakt zu bleiben. Telefon, Facetime, oder Skype – sich über Sorgen, den Umgang mit der aktuellen Situation oder einfach Alltägliches auszutauschen, kann sehr entlastend sein. Wer seine Kollegen im Büro vermisst, verabredet sich zur digitalen Mittagspause am Computer. Wenn wir anderen helfen, fühlen wir uns selbst besser. Das Angebot an ältere Nachbarn, bei Einkäufen und Besorgungen zu helfen, ruft auch bei Ihnen positive Gefühle wach, weil Sie etwas Sinnvolles tun.

3. Strukturieren Sie Ihren Tag

Geben Sie Ihrem Alltag eine Struktur. So vermeiden Sie Stress. Wenn Sie von zu Hause arbeiten, setzen Sie sich zu festen Zeiten an den Schreibtisch und halten Sie Pausenzeiten ein. Wenn der gewohnte Tagesablauf gerade fehlt, sind neue Routinen besonders wichtig. Stehen Sie trotzdem zu bestimmten Zeiten auf, sorgen Sie für gesunde Mahlzeiten, ausreichend Bewegung – falls dies draußen nicht möglich ist, machen Sie in Ihrer Wohnung Ihre Lieblingsübung aus dem Fitnessstudio.

4. Tun Sie Dinge, die Ihnen guttun

Nutzen Sie Ihre Ressourcen. Überlegen Sie, was Ihnen in der Vergangenheit in schwierigen Zeiten geholfen hat. Vielleicht war es ein gutes Buch, ein Spaziergang, das Telefonat mit einer guten Freundin. Für manche kann es die Entspannungsübung, das Zubereiten eines besonders leckeren Essens, das Schauen der Lieblingsserie oder Sport sein. Entwickeln Sie Routinen für Dinge, die Ihnen guttun. Wenn Sie diese Aktivitäten über einen gewissen Zeitraum immer wieder tun, kommen die positiven Gefühle von alleine.

5. Bleiben Sie positiv

Positiv denken – das klingt abgegriffen. Tatsächlich gibt es aber Strategien, wie wir uns auf positive Gedanken bringen können. Zunächst einmal sind Gefühle wie Stress, Überforderung oder Verunsicherung in der jetzigen Situation völlig normal. Gestehen Sie sich diese Gefühle zu. Erkennen Sie an, dass im Moment alles anders ist. Nächster Schritt: Loben Sie sich dafür, was Sie in dieser herausfordernden Situation alles meistern, was Sie trotz besonderer Umstände alles schaffen. Erkennen Sie gerade auch die kleinen Dinge an: dass Sie morgens aufstehen, einkaufen gehen, sich und Ihre Kinder versorgen, in einer völlig neuen Situation arbeiten. Gerade wenn Sie derzeit unter Gefühlen wie Einsamkeit leiden: Machen Sie einen Perspektivwechsel. Im Alltag fühlen wir uns häufig überflutet von Anforderungen, Terminen und Zeitdruck. Jetzt gibt es den Raum, das Buch zu lesen oder den Film zu schauen, zu dem Sie sonst nie Zeit hatten, vielleicht sogar die Küchenwand zu streichen. Wenn Sie es schaffen, die Chancen in dieser Situation zu sehen, ist viel Raum für positive Gefühle. Und vergessen Sie nicht: Es kommen wieder andere Zeiten.

6.  Entwickeln Sie Routinen für Ihre Familie

Für Familien bedeutet die Quarantäne eine besondere Herausforderung, weil sie auf begrenztem Raum viel Zeit miteinander verbringen. Planen Sie feste Zeiten ein, in denen Sie Dinge gemeinsam tun (wie eine Mahlzeit am Tag), aber unbedingt auch Zeiten, in denen Sie getrennt voneinander sind und jeder Raum für sich hat. Entwickeln Sie zusätzlich neue Aktivtäten, in denen Sie angenehme Dinge gemeinsam tun wie miteinander Kochen, Spiele spielen, eine Serie oder einen Film gucken.

7.  Nutzen Sie professionelle Unterstützungsangebote

Wenn Sie sich psychisch belastet fühlen, nutzen Sie professionelle Hilfe. Unsere Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik steht Ihnen mit vielen Angeboten offen.

Für unsere stationären Patienten mussten auch wir in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik unsere Besuchsregelungen anpassen.

Für Angehörige, die sich von der Situation belastet fühlen, haben wir ein spezielles Beratungsangebot. Weitere Informationen haben wir hier für Sie zusammengestellt. Familien steht die Vivantes Kinder- und Jugendpsychiatrie unter der Telefonnummer 030/130238011 werktags von 8 bis 16 Uhr offen.    

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