Coronazeit im Pflegeheim: Kreativ und engagiert

Die Corona-Pandemie hat vieles in den Vivantes Hauptstadtpflege Häusern verändert. Mit Organisationstalent und kreativen Ideen bieten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie viele Ehrenamtliche den Bewohnerinnen und Bewohnern der Pflegeheime Alltägliches und so manches Neues.

Wenn Elias Schlegel erzählt, was ihn in den vergangenen Monaten besonders beeindruckt hat, dann berichtet er eher von den kleinen Dingen. Da war zum Beispiel der Mann, der am Hauptstadtpflege Haus Seebrücke vorbeikam, ganz spontan anhielt und dem verdutzten Herrn Schlegel eine Flasche mit Desinfektionsmitteln in die Hand drückte. „Das habe ich eben in der Drogerie gekauft. Aber Sie können das gerade sicher besser gebrauchen als ich“, sagte der Mann – und ließ einen staunenden Herrn Schlegel zurück.

Altenpflegerin als Friseurin

Pflegerin als Friseurin im Pflegeheim

Eine Altenpflegerin ist gelernte Friseurin und schneidet in der Coronazeit im Pflegeheim Haare.

Der berichtet auch von den Kolleginnen aus der Pflege und Sozialen Betreuung, die eigentlich gelernte Friseurinnen sind. Während des strikten Besuchsverbots im Haus packten sie kurzerhand die Scheren aus und frisierten Bewohnerinnen und Bewohner.

„Das war für viele unserer Bewohnerinnen und Bewohner wirklich schön. Sie haben das Stückchen Normalität genossen“, sagt Elias Schlegel. Er ist vom Sozialdienst des Hauses Seebrücke und erlebt wie alle Mitarbeitenden aus Pflege, Sozialdienst, Funktionsdienst, Küche oder Verwaltung in den Hauptstadtpflege Häusern in den vergangenen Monaten gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Angehörigen eine nie dagewesene Situation.

Der Alltag ist so wichtig

Elias Schlegel ist vom Sozialdienst im Haus Seebrücke

Elias Schlegel, Sozialdienst im Haus Seebrücke: „Wir versuchen, den Alltag abseits der eigentlichen Pflege soweit es nur irgendwie geht aufrecht zu erhalten.“

„Natürlich standen und stehen die Hygienemaßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie im Fokus“, sagt Elias Schlegel. „Aber wir versuchen, den Alltag abseits der eigentlichen Pflege soweit es nur irgendwie geht aufrecht zu erhalten.“ Und dabei wurden nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kreativ. Auch Angehörige, Ehrenamtliche, Fördervereine, Künstlerinnen und Künstler oder ganz einfach Privatpersonen packen kräftig mit an.

Stapelweise Pizzas

So staunten die Bewohnerinnen und Bewohner im Haus Seebrücke nicht schlecht über den riesigen Stapel mit 60 Pizzakartons aus der Pizzeria um die Ecke. Das besondere Abendessen war ein Gruß des Fördervereins „Hand in Hand mit Senioren am Maselakepark“. Der Verein engagiert sich seit 2005 in den Häusern Dr. Hermann Kantorowicz sowie Wilmersdorf und eben seit Bestehen des Hauses Seebrücke auch dort ganz im Norden Spandaus.

Neue Spielekonsole

„Der Förderverein hat unserem Haus angeboten, Wünsche außer der Reihe zu erfüllen“, berichtet Elias Schlegel. „Für unsere Bewohnerinnen und Bewohner ist das gerade in dieser Zeit Gold wert.“ So erledigte der Förderverein nicht nur Einkäufe für die älteren Menschen, sondern machte die Bewohnerinnen und Bewohner mit der Anschaffung einer Spielekonsole auch gleich noch zu Fußball-, Golf- oder Autorennprofis.

Park noch schöner

Bereits seit 1993 steht die Fördergemeinschaft „SeniorenFreunde“ dem Haus Ernst Hoppe mit viel Engagement zur Seite. Das war zwar während der harten Schließzeit zumindest persönlich etwas ausgebremst, die durch die Fördergemeinschaft angestoßenen Verschönerungen im Park mit Brunnen, Sonnenuhr oder Bänken, genossen die Bewohnerinnen und Bewohner bei dem guten Frühlingswetter aber umso mehr.

Bühne steht jetzt draußen

Überhaupt machte das gute Wetter auch mit Corona vieles möglich: So gab der Clown „Hubert von Hinten“, ohnehin regelmäßig zu Gast in den Hauptstadtpflege Häusern, kurzerhand den „Hofnarr“ und verlegte seine Besuche in die Innenhöfe der Einrichtungen. Aus sicherer Entfernung im Garten oder von den Balkonen und Terrassen waren die Bewohnerinnen und Bewohner dankbare Zuschauerinnen und Zuschauer.

Clown und Orchester

Auch so manches Konzert fand als Open-Air statt: Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin spielte unter anderem am Haus John F. Kennedy auf, für Bewohnerinnen und Bewohner ebenso für Mitarbeitende. „Wir wollen denen, die in dieser schweren Zeit besonders heldenhafte Arbeit leisten, etwas zurückgeben. Auch um ältere Menschen und Erkrankte vor der Isolation zu bewahren, spielen wir ein Ständchen für Sie“, erklärt das RSB. Sozusagen Besuch von der Truppe hatten die Häuser Weidenweg und Jahreszeiten, wo die Combo des Stabsmusikkorps der Bundeswehr auftrat. Die Musiker, die sonst am roten Teppich bei Staatsempfängen spielen, brachten mit einem Mix von Ernst Mosch über Udo Jürgens bis zu den Beatles gute Laune und Abwechslung.

LKW bringt Orgel

Orgel auf LKW: Organist Cameron Carpenter spielte darauf vor dem Haus John F. Kennedy.

Orgel auf LKW: Organist Cameron Carpenter spielte darauf vor dem Haus John F. Kennedy.

Auch das klassische Bläserquintett der Bundespolizei spielte im Weidenweg und Jahreszeiten auf, im Weidenweg zusätzlich noch das Bundespolizeiorchester unter Peter Lesser. Gleich seine eigene Orgel auf einem LKW brachte der international bekannte Organist Cameron Carpenter mit – und spielte darauf vor dem Haus John F. Kennedy.

Herausfordernde Organisation

Verbunden waren diese Angebote allerdings jedes Mal mit viel Organisationsaufwand und großem Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der sozialen Betreuung, Pflege und Verwaltung gleichermaßen. „Das Ganze war und ist eine enorme Herausforderung und alle sind oft an die Grenzen der Belastbarkeit und darüber hinaus gegangen“, sagt Manuela Schubert, Einrichtungsmanagerin im Haus Jahreszeiten und im Haus Weidenweg. Organisationstalent mussten die Häuser auch beweisen, um Bewohnerin¬nen und Bewohnern sowie Angehörigen trotz zwischenzeitlicher Besuchsverbote Kontakte zu ermöglichen.

Gruss vom Gartenzaun

Im Haus Jahreszeiten wurde dabei der Gartenzaun samt Hecke zu einer „natürlichen“ Abstandslinie. „Hinter unserem Grundstück liegen ein Park und ein Spielplatz, da haben sich die Angehörigen aufgestellt. Während sie dann mit unseren Bewohnerinnen und Bewohnern telefoniert haben, konnten sie sich wenigstens zuwinken“, berichtet Mareen Knoop, Mitarbeiterin des Sozialdienstes im Haus Jahreszeiten. Ein bisschen Nähe ermöglichten auch die Tablets, die sämtliche Hauptstadtpflege Häuser den Bewohnerinnen und Bewohnern zur Verfügung stellen, um mit Angehörigen per Videotelefonie zu sprechen.

Panoramafenster machen es möglich, dass Angehörige die Bewohnerinnen und Bewohner im Pflegeheim sehen können.

Panoramafenster machen es möglich, dass Angehörige die Bewohnerinnen und Bewohner im Pflegeheim sehen können.

Care-Pakete statt Besuch

Der zwischenzeitlich gänzlich unmögliche Kontakt zwischen Seniorinnen, Senioren und Angehörigen sei menschlich wohl die größte Herausforderung gewesen, meinen Mareen Knoop und auch Elias Schlegel. „Letztlich haben unsere Bewohnerinnen und Bewohner aber ein beeindruckendes Durchhaltevermögen gezeigt. Und auch die Angehörigen haben verständnisvoll auf die vielen und immer wieder neuen Entwick¬lungen reagiert“, sagt Mareen Knoop. Vielerorts wurden Care-Pakete von Angehörigen für die Lieben gepackt. Im Haus Jahreszeiten haben sie auch dafür einen Pfortendienst an der Eingangs¬tür eingerichtet, der die Pakete entgegennimmt.

Initiativen aus ganz Berlin

Aber auch ganz andere Initiativen ermöglichten den Bewohnerinnen und Bewohnern Kon¬takte nach außen. Die bekannte Schauspielerin Mariella Ahrens, Gründerin und Vorstand des Vereins „Lebensherbst“, setzte sich selbst ans Telefon und führte Gespräche mit Seniorin¬nen und Senioren. Zudem schickte der Verein kistenweise Zeitschriften zur Unterhaltung in die Hauptstadtpflege Häuser und ermöglichte ein Hofkonzert im Haus Jahreszeiten. Die Grüne Jugend Tempelhof-Schöneberg hat das Geschichtentelefon ins Leben gerufen. Zudem bauten Stipendiatinnen und Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung Brieffreundschaften zu Seniorinnen und Senioren auf. In den Vivantes Einrichtungen wiederum unterstützen die Mit¬arbeitenden die Bewohnerinnen und Bewohner dabei, Briefe oder Collagen für Angehörige zu erstellen.

Hände werden desinfiziert

Händehygiene ist Teil des neuen Alltags

Neue Rituale

Der Mund-Nasen-Schutz ist dabei in Corona- Zeiten obligatorisch geworden. Mareen Knoop vermisst darunter vor allem eines: „Wenn man nun über den Gang läuft und lächelt, ist das schlechter zu sehen.“ Dennoch war und ist Nähe nicht nur im Haus Jahreszeiten irgendwie möglich und vielleicht sind auch ganz neue Rituale in den vergangenen Monaten entstanden. Sicher ist: Nur gemeinsam konnte man die Situation bislang so gut meistern.


Dieser Artikel ist auch im Vivantes Magazin „meine Hauptstadtpflege“, Ausgabe 23 erschienen.

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