Eine Tumor-Lotsin berichtet

Gabriele Berger

Wer an Krebs erkrankt, braucht schnelle Hilfe und ein offenes Ohr. Wichtig ist eine kompetente Beratung. Gabriele Berger ist Tumor-Lotsin bei Vivantes und vermittelt Betroffenen die richtigen onkologischen Ansprechpartner. Im Interview spricht sie über das, was ihre Arbeit ausmacht, über Gespräche mit an Krebs erkrankten Menschen und darüber, was für sie wichtig ist.

Frau Berger, warum ist Ihre Arbeit als Tumor-Lotsin wichtig?

Der Vivantes Tumor-Lotse ist wie eine Schaltstelle. Er hört zu, sortiert die Fragen und sucht die richtigen Antworten. Und er nimmt die Ratsuchenden an, mit all dem, was sie beschäftigt. Den Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen zeigt er konkrete Möglichkeiten auf, an wen sie sich im Rahmen einer Behandlung wenden können. Er weist den Weg zu Hilfsangeboten, zu einer speziellen Klinik, einer speziellen Ärztin, einem bestimmten Arzt oder zu einer Zweitmeinung.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag als Tumor-Lotsin aus?

Zu Arbeitsbeginn kontrolliere ich die Post- und E-Mail-Eingänge und höre den Anrufbeantworter ab. Keine Anfrage bleibt ungelesen oder ungehört, oft beantworte ich sie noch vor der nächsten Sprechzeit. Entnehme ich einer E-Mail-Nachricht, dass die oder der Hilfesuchende mehrere Fragen hat, greife ich gleich zum Telefonhörer. Im persönlichen Gespräch lässt sich vieles besser klären. Grundsätzlich werden alle, die eine Nachricht hinterlassen, zurückgerufen. Aber auch bei denen, die nicht auf den Anrufbeantworter gesprochen haben, deren Nummer aber erkennbar war, melde ich mich. Viele Patientinnen und Patienten sind davon positiv überrascht und sagen: „Nie hätte ich gedacht, dass sich überhaupt jemand bei mir meldet oder mich so schnell zurückruft!“

Seit wann gibt es die Anlaufstelle „Tumor-Lotse“ bei Vivantes?

Die Arbeit des Vivantes Tumor-Lotsen begann bereits im Februar 2010. Die Erreichbarkeit war anfangs auf zwei Wochentage ausgerichtet, an einem Tag vormittags, am anderen nachmittags. Das Interesse an der neuen kostenfreien Beratung nahm dann sehr schnell zu, sodass das Vivantes Tumorzentrum die Leistung ausbaute, um den Service täglich anzubieten. Seit Februar 2011 ist der Tumor-Lotse daher montags bis freitags von 10:00 – 13:00 Uhr telefonisch und online erreichbar.

Wie gestalten sich dann die Gespräche mit denen, die bei Ihnen Rat und Hilfe suchen?

Bei den eingehenden Anrufen während der Sprechzeit höre ich aufmerksam zu: Was bewegt die Anruferin oder den Anrufer? Welche hilfreichen Informationen kann ich ihnen an die Hand geben? Mail-Anfragen beantworte ich auf Wunsch schriftlich oder ich rufe auch dort direkt an. Oftmals ergeben sich dann im Gesprächsverlauf noch weitere Fragen, die dann schnell beantwortet werden können. Die Ratsuchenden sollen sich bei Vivantes persönlich beraten und wahrgenommen fühlen, und das können sie auch.

Sie sind also auch eine Art Seelsorge?

Nein, wir sind keine Seelsorgestelle, aber wir haben für alle Sorgen, Nöte und Fragen ein offenes Ohr. Ich versuche, mich in die Ratsuchenden hineinzuversetzen. Und wenn zum Beispiel die Seele einer Anruferin Hilfe braucht, dann halten wir auch dafür Angebote vor und können den entsprechenden Kontakt vermitteln.

Können Sie medizinische Fragen direkt beantworten?

Bei medizinisch komplexen Anfragen halte ich Rücksprache mit einer Fachärztin oder einem Facharzt für Hämatologie und Onkologie. Bei uns laufen auch Anfragen von Krebspatientinnen und -patienten auf, die in Deutschland nicht versichert sind, aber als Selbstzahler eine Behandlung bei Vivantes in Anspruch nehmen möchten. Diese werden dann an Vivantes International Medicine weitergeleitet. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort übernehmen alle weiteren Schritte.

…und wer sich schon in der Krebstherapie befindet?

Auch während einer Therapie ist der Tumor-Lotse ansprechbar: zu Fragen der Reha, zum Schwerbehindertenausweis, zur Nachbehandlung, zur Strahlen- oder Chemotherapie. Im Laufe meiner Tätigkeit als Tumor- Lotsin habe ich so viele Erfahrungen sammeln und Kontakte schließen dürfen, dass ich nahezu jeder Patientin und jedem Patienten die passenden Ansprechpartner vermitteln kann, die ihr oder ihm weiterhelfen.

Was schätzen Sie persönlich an Ihrer Tätigkeit?

Meine Arbeit erfüllt mich sehr. Ich bin in Kontakt mit Menschen, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden. Und als Wegweisende kann ich dazu beitragen, dass sie ihren Weg durch die Krebsbehandlung mit bestmöglicher Unterstützung gehen. Ich gehe jeden Tag mit einem guten Gefühl ins Büro!

Kontakt
Gabriele Berger, Tumor-Lotsin
Vivantes Tumorzentrum
Montag – Freitag, 10:00 – 13:00 Uhr
Tel. 030 130 23 2272
tumor-lotse@vivantes.de
www.vivantes.de/diagnose-krebs

Was ein Tumor-Lotse macht

Der Tumor-Lotse ist direkter Ansprechpartner für die Patientinnen und Patienten, ihre Angehörigen, für Ärztinnen und Ärzte, Selbsthilfegruppen und andere im Bereich der Krebsmedizin tätigen Organisationen. Seine Aufgabe ist, den Erkrankten nach dem Erhalt ihrer Diagnose eine Orientierung zu geben. Er berät sie persönlich und vertrauensvoll, ist zu allen organisatorischen Fragen rund um die Krankheit ansprechbar, informiert über Diagnostik- und Therapieangebote und weist den Weg zu weiteren Hilfsangeboten. Und er vermittelt den passenden Ansprechpartner bei Vivantes.
Damit hilft er den Betroffenen, die Expertin oder den Experten zu finden, die oder der sie bestmöglich auf dem Weg durch die Behandlung begleitet.


Etwa jeder zehnte Krankenhauspatient hat Krebs

Rückblick ins Jahr 2017: In Berlin wurden Krebserkrankungen im Rahmen von über 87.000 stationären Krankenhausaufenthalten behandelt, davon rund ein Viertel bei Vivantes.
Das bedeutet: Bei fast zehn Prozent aller stationären Aufenthalte bei Vivantes geht es um die Behandlung einer Krebserkrankung. Damit nimmt das Gesundheitsunternehmen einen bedeutenden Platz in der Berliner Krebsversorgung ein, und es hat, um Menschen nach ihrer Krebsdiagnose so gut wie möglich zu begleiten, eine Reihe von Angeboten und Initiativen entwickelt.

Qualität bei Beratung und Therapie

Das Vivantes Tumorzentrum bündelt und koordiniert die Krebsmedizin aller Vivantes Standorte in Berlin. Die vielfältigen Behandlungsangebote werden hier zu einem leistungsfähigen Vivantes Netzwerk für Gesundheit zusammengeführt. Die Krebspatientinnen und -patienten erhalten durch diese interdisziplinäre Zusammenarbeit eine optimale, wohnortnahe Versorgung sowie an allen Standorten eine vergleichbar gute Beratung und Therapie auf höchstem Niveau.


Der Artikel erschien erstmals im Patientenmagazin „gesund! Leben in Berlin“ Ausgabe 2/2019.

Foto: Krebszelle AB_iStock-956809720

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