„Ich kümmere mich gerne um Menschen, die es vielleicht selbst gerade nicht können“

Henriette Stenschke (Foto: privat)

Anstrengend, aber schön. So beschreibt Henriette Stenschke ihre Ausbildung zur Gesundheits – und Kinderkrankenpflegerin bei Vivantes in Berlin. Die Auszubildende im dritten Lehrjahr erzählt im Interview von ihrer bewussten Berufswahl, ihrem schönsten Pflege-Moment und auch davon, wie wichtig es ist, sich auch um sich selbst zu kümmern.

Auch auf dem 8. Berliner Pflegekongress am 01. und 02.11.2018 diskutieren Pflegende darüber, warum sie sich ganz bewusst für diesen Beruf entschieden haben.

Haben Sie sich ganz bewusst für eine Ausbildung in der Pflege entschieden? Oder war das Zufall?

Es war ein bisschen von beidem. Auf den Pflegeberuf bin ich über eine Anzeige im Internet gekommen, dann habe ich mir ein paar Videos auf der Vivantes-Website dazu angeschaut und mich dafür entschieden, mich zu bewerben. Ich bin ein sehr offener Mensch, mag es mit Menschen zusammenzuarbeiten und konnte mir dafür kaum einen besseren Beruf vorstellen.

Und ist es auch so, wie Sie es sich vorgestellt hatten?

Ja, denn ich arbeite mit Menschen im Team und kümmere mich um Menschen, die es vielleicht gerade nicht selber können. Ich habe mit Menschen jeder Herkunft und jeden Alters zu tun und durch Schichtdienst und Patientenwechsel auf den Stationen habe ich einen abwechslungsreichen Arbeitsalltag.

Gibt es Menschen, die erstaunt oder sogar mit Unverständnis reagieren, wenn Sie erzählen, dass Sie im Krankenhaus und in der Pflege arbeiten?

Zum Teil leider schon. Es gibt wie fast überall zwei Seiten, zwei Reaktionen: Die einen, die nicht verstehen können, dass man sich ganz gerne um „fremde“ Menschen kümmert und die körperlich und seelisch harte Arbeit gerne machen. Und die anderen, die einen schon regelrecht dafür bewundern, dass man diesen Beruf ausübt und dann auch noch mit Freude. Viele kenne die Situation der Pflege aus dem Fernsehen oder aus den Nachrichten, aber können sich dennoch nicht genau vorstellen, wie es so abläuft. Wenn ich dann erzähle, was ich auf der Arbeit mache, sind die meisten sehr froh darüber, dass es Menschen gibt, die diesen Beruf machen wollen.

Sie haben es gerade schon angesprochen: Pflege gilt als anstrengender Beruf . Wie erleben Sie das?

Ja, das kann man so sagen. Einerseits ist da die körperliche Arbeit, die, wie man weiß, schnell auf den Rücken gehen kann. Wir haben aber schon in der Ausbildung verschiedenste Formen der rückenschonenden Arbeit gelernt. Man wird auch dahingehend sensibilisiert, auf sich selber zu achten, sich selber dabei nicht zu vergessen. Ich denke, das ist der Schlüssel: seinen eigenen Körper zu verstehen und Veränderungen wahrzunehmen. Denn nur wenn man sich um sich selber gut kümmert, kann man sich auch gut um andere kümmern.

Und wie verarbeiten Sie das, was Sie bei der Arbeit erleben, psychisch?

Der psychische Aspekt ist etwas ganz Besonderes in diesem Beruf. Man lernt Menschen ja sehr persönlich kennen und teilweise sind diese in sehr schwierigen Phasen ihres Lebens. Manche Menschen vertrauen mir sehr Persönliches an und man erlebt einiges, was man selber lernen muss zu verdauen. Allerdings ist das entgegengebrachte Vertrauen der Patienten und Angehörigen ein schönes Gefühl und eine Bestätigung der guten Arbeit. Ich  gehe dann mit einem Lächeln am Ende des Arbeitstages von der Station.

Was war Ihr vielleicht schönster „Pflege-Moment“?

Mein schönster Pflege-Moment war es, als ein frühgeborenes Kind nach langem Stationsaufenthalt mit seiner Mutter und seinem Vater – gesund und vor allem groß und für seine Verhältnisse kräftig – nach Hause entlassen wurde. Das Strahlen der Eltern und die Dankbarkeit in ihrem Gesicht war ein sehr schönes Gefühl für alle Beteiligten. Das gibt es allerdings auch in vielen anderen Situationen. Angehörige, die froh sind ihr Familienmitglied wieder nach Hause mitnehmen zu können, die froh sind über den Fortschritt, den die Patienten während des Klinikaufenthaltes machen.

In welchen Fachkliniken haben Sie bereits gearbeitet und wo hat es Ihnen am besten gefallen?

Im Fachbereich der Kardiologie hat es mir sehr gefallen. Durch die integrative Ausbildung arbeite ich auch viel in der Erwachsenenpflege. Die kardiologischen Untersuchungen und speziellen Therapien waren sehr interessant. Als Auszubildende der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege schlägt mein Herz für die Kleinsten unter uns, die Frühgeborenen. Die umfangreiche liebevolle Arbeit auf den Stationen ist für mich unglaublich schön.

Nun auch die umgekehrte Frage: Wo hat es Ihnen am wenigsten gefallen und warum?

Jede Fachabteilung hat ihre spezifischen Merkmale und auch Herausforderungen, aber ich kann nicht sagen, dass es mir irgendwo gar nicht gefallen hat. Allerdings steht und fällt auch alles mit dem Team.

Sie sind im letzten Ausbildungsjahr. Wie sieht für Sie die berufliche Zukunft aus?

Ich habe vor, in der Pflege zu bleiben. Der Vorteil ist, dass man in verschiedenen Fachabteilungen arbeiten kann, man kann sich mit Fort – und Weiterbildungen qualifizieren und sich spezialisieren. Ich bin ein praktischer Mensch und arbeite einfach gerne mit Menschen. Das wird auch so bleiben.


Auch auf dem 8. Berliner Pflegekongress am 01. und 02.11.2018 ist das Motto „Pflege – meine bewusste Entscheidung“.


Foto Titel: Fotolia.com 44939955


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