Ich schalle was, was Du nicht siehst

„Ist unser Baby gesund?“ ist für viele werdende Eltern die wichtigste und häufigste Frage bei einer Schwangerschaft. Ultraschall-Untersuchungen können Antworten geben. Die höchste Auszeichnung für Ultraschall-Spezialisten hat nun PD Dr. Dietmar Schlembach, Chefarzt der Geburtsmedizin im Vivantes Klinikum Neukölln, von der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin erhalten: die Zertifizierung „DEGUM III“.

Frage: Wonach fragen werdende Eltern Sie beim Ultraschall oft?

PD Dr. Dietmar Schlembach

PD Dr. Dietmar Schlembach

Priv.-Doz. Dr. Dietmar Schlembach: Die größte Sorge der Eltern ist, ob das Kind gesund ist. Pränatale Diagnostik kann viele Fragen beantworten, insbesondere mit Ultraschalluntersuchungen. Meine Aufgabe ist es, so genau wie möglich hinzuschauen und so viel wie möglich zu beantworten. Nach einem 3D-Ultraschallfoto fragen auch viele. Sicherlich ist es für die Eltern faszinierend, ein „richtiges“ Bild von ihrem Baby zu sehen, denn im zweidimensionalen, herkömmlichen Ultraschall lässt sich das Kind ja nur im Profil darstellen. Wir als Fachleute nutzen dieses moderne Verfahren jedoch in erster Linie um spezielle Fragestellungen einzuschätzen.

Sehen Sie denn im Ultraschall mehr als andere Fachleute? Werden Sie deshalb bei schwierigen oder unklaren Fragen hinzugezogen?

Wenn einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt bei einer Ultraschalluntersuchung etwas auffällt, können Schwangere an Experten wie mich zur Abklärung überwiesen werden. Wir können eben spezielle und sehr genaue Ultraschall-Untersuchungen durchführen. Aber man kann nicht so platt sagen, dass ich mehr sehe als andere. Ich habe allerdings entsprechend viel Erfahrung, bin speziell ausgebildet und qualifiziert und habe die modernsten Geräte zur Verfügung. Seit ein paar Wochen bin ich DEGUM III-zertifiziert, die höchste Stufe der im mehrstufigen Qualitätssystem für Ultraschall-Untersucher.

Bis zu der DEGUM III- Zertifizierung war es ein langer Weg – und Sie sind nun in einen erlauchten Kreis von Spezialisten aufgenommen worden, oder?

Ja, das stimmt, es ist ein langjähriger und mehrstufiger Prozess bis zu diesem Zertifikat. Die Qualifizierungsstufe „DEGUM III“ haben derzeit nur 56 Gynäkologen und Geburtshelfer in Deutschland erreicht, und nur eine Handvoll praktizierender Fachleute in Berlin. Ich bin einer davon und habe dementsprechend auch eine spezialisierte, wissenschaftlich orientierte Fachkompetenz für besondere Fragestellungen.

Wofür steht denn eigentlich DEGUM?

DEGUM ist die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin. Sie gehört zu den größten medizinisch-wissenschaftlichen Gesellschaften in Deutschland und zu den größten Ultraschallgesellschaften weltweit und hat sich zur Aufgabe gemacht, die Qualität der Ultraschalldiagnostik in den jeweiligen Facharzt- oder Schwerpunktausbildungen und in der klinischen Arbeit zu sichern.

Kann eigentlich eine Ultraschalluntersuchung heute klar beantworten, ob ein Kind gesund ist?

Die Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin, denn es ist eine vergleichsweise kostengünstige und ungefährliche Methode. Ich sage es mal so: Die Ultraschalldiagnostik in der Schwangerschaft hat heute viele Möglichkeiten, aber sie hat auch Grenzen.

Was meinen Sie mit Grenzen konkret?  

Es gibt zum Beispiel angeborene Erkrankungen, die im Ultraschall grundsätzlich nicht sichtbar sind, wie etwa Stoffwechselerkrankungen. Auch genetische Erkrankungen wie ein Down-Syndrom können mittels Ultraschall nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Und vergessen wir nicht: Im Laufe einer Schwangerschaft kann sich auch etwas ändern, was zum Zeitpunkt einer Ultraschalluntersuchung nicht vorhersehbar ist, wie etwa die Folgen von Infektionen. Zum Teil lassen sich diese „Grenzen der Ultraschalldiagnostik“ durch zusätzliche Untersuchungen wie invasive Diagnostik wie Fruchtwasseruntersuchungen, Plazentabiopsien sowie Nabelschnurpunktionen und Blutuntersuchungen überwinden. Aber auch eben nur ein Teil.

Eine Gesundheitsgarantie für ein Ungeborenes gibt es also nicht?

Nein, eine Garantie für die völlige Gesundheit des ungeborenen Kindes kann niemand geben. Aber die Wahrscheinlichkeit, ein gesundes Kind zu bekommen, liegt nach einem nach einem unauffälligen Ultraschallbefund bei über 90 Prozent. Das ist doch schon beruhigend.

Und was passiert, wenn Sie feststellen, dass ein Baby im Bauch nicht gesund ist?

Zunächst einmal: Die meisten Babys kommen gesund zur Welt. Glücklicherweise sind auffällige Befunde selten. Bei einem auffälligen Befund helfen mein Team und ich, wo und wie wir können. Wir können eine umfassende und ganzheitliche Betreuung und Begleitung anbieten, auch durch Kooperationen mit anderen Institutionen und Kliniken. Denn wir wissen: Für manche Frauen und Paare kann, wenn eine Auffälligkeit des Kindes festgestellt wird, eine Schwangerschaft kein leichter Weg sein. Wir gehen diesen Weg mit.

Weitere Informationen:

Vor der Geburt

Vivantes MVZ – Pränatale Diagnostik


Foto: Vivantes, Fotolia.com 60129429

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