Krankenhausseelsorger: Wegbegleiter in schweren Zeiten

„Das Schönste an meinem Beruf ist es, Menschen zu erleben, denen es guttut, dass ich für sie da bin“, sagt Markus Mönch. Gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen Ringo Effenberger betreut der katholische Krankenhausseelsorger im Vivantes Klinikum im Friedrichshain Patientinnen und Patienten, deren Angehörige und das Personal.

Markus Mönch arbeitet seit 2017, Ringo Effenberger seit 2016 im Krankenhaus. Beide Pfarrer haben Theologie studiert und zusätzlich eine Klinische Seelsorgeausbildung absolviert. Wir wollten wissen, wie ihr Arbeitsalltag aussieht und wie sie mit Krankheit und Tod umgehen.

Wer ist Ihr Arbeitgeber und wie wird man Krankenhausseelsorger bei Vivantes?

Mönch: Mein Arbeitgeber ist das Erzbistum Berlin. Dadurch bin ich in Sachen Schweigepflicht unabhängig. Ich muss dem Krankenhaus keine Rechenschaft über den Inhalt eines Gesprächs ablegen. Das gilt insbesondere, wenn es um Angelegenheiten des Personals geht. Ich habe mich beim Erzbistum um die Stelle beworben und wurde vom Bischof beauftragt.

Effenberger: Ich arbeite für die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz. Sie bezahlt mich. Das Klinikum im Friedrichshain stellt das Büro und sorgt für den Zugang auf die Stationen. Ich habe mich 2016 erfolgreich beworben, nachdem meine Vorgängerin in den Ruhestand gegangen war.

Was sind Ihre Aufgaben? Was können sie leisten, und was nicht?

Mönch: Wir gehen auf die Stationen und schauen, wem ein Gespräch oder Besuch in schweren Zeiten guttun könnte. Wir sorgen auch für die Menschen, die hier arbeiten und mit Krankheit und Tod umgehen müssen. Unsere Hilfe hört da auf, wo psychologische oder therapeutische Kompetenz gefragt ist. Genauso wenig können wir den Sozialdienst ersetzen und zum Beispiel Obdachlosen eine Wohnung besorgen.

Effenberger: Entweder werden wir von Patientinnen und Patienten selbst angerufen oder vom unserem Umfeld, von Schwestern, Pflegern, Ärztinnen und Ärzten auf bestimmte „Fälle“ hingewiesen. Im persönlichen Kontakt ergeben sich die meisten Gespräche. Ich sage manchmal halb im Spaß: „Ich werde dafür bezahlt, dass ich Zeit habe für andere.“

Wie können Menschen Ihre Hilfe anfordern?

Mönch: Auf allen Stationen hängen Plakate mit unseren Fotos und unseren Kontaktdaten. In Notfällen sind wir sogar nachts und außerhalb unserer Dienstzeiten erreichbar. Wir betreuen Patientinnen und Patienten auf ihren Zimmern oder in unserem Büro. Wir hören uns an, wo der Schuh drückt, und versuchen, ihnen beizustehen oder zusammen Lösungen zu entwickeln.

Effenberger: Ich verstehe mich als Wegbegleiter: Im Gespräch gehe ich mit den Menschen ein Stück Lebensweg. Wir blicken zurück und genießen die Höhepunkte. An Gabelungen überlegen wir gemeinsam, wie es weitergehen soll. Dabei vermeide ich tunlichst, den Wegweiser zu spielen. So trage ich im besten Fall dazu bei, dass meinem Gegenüber klarer wird, wohin der Weg führt. Das ist eine sehr erfüllende Aufgabe.

Wie eng arbeiten Sie mit dem medizinischen Personal zusammen?

Effenberger: Auf den Stationen gehe ich zuerst zu den Schwestern, Pflegern, Ärztinnen und Ärzten. Denn wir sind miteinander – nicht nebeneinander – zum Wohl der Patientinnen und Patienten da. Trotzdem gilt meine Schweigepflicht als Seelsorger uneingeschränkt. Was ich im persönlichen Gespräch erfahre, erzähle ich nicht weiter. Nur so können Menschen das Vertrauen gewinnen, sich im Gespräch zu öffnen.

Mönch: Manchmal hilft es, wenn beide Seiten ihre Erfahrungen austauschen – aber nur, wenn die Patientin oder der Patient das ausdrücklich möchte. Wir wünschen uns für manche Stationen eine regelmäßige Zusammenkunft, bei der wir mit dem medizinischen Personal über solche Fälle sprechen können. Immer öfter bitten auch Angestellte um ein Gespräch nach belastenden Situationen.

Kann ich mich auch als Muslim oder als Nicht-Gläubiger an Sie wenden?

Effenberger: Die Konfession oder Religion spielt nur dann eine Rolle, wenn unser Gegenüber ihr eine Rolle zuordnet. Ich bete mit allen, die es möchten. Ich segne alle, die mich darum bitten. Ich stehe auch Atheisten, Hindus, Juden oder Muslimen auf eigenen Wunsch mit meinen Mitteln zur Seite. Aber ich würde meinen Glauben nie jemandem aufdrängen.

Mönch: Hier im Friedrichshain gibt es die ökumenische Krankenhausseelsorge. Dazu gehören der evangelische und der katholische Seelsorger und der ehrenamtliche Besuchsdienst. Wir respektieren, wenn ein Patientin oder ein Patient nur mit dem evangelischen, katholischen oder seinem persönlichen Seelsorger sprechen möchte, wie etwa einem Imam oder einem buddhistischen Mönch.

Sie erleben Menschen in existenziellen Krisen. Wie gehen Sie mit Leid und Tod um?

Mönch: Ich lasse ich mich sehr häufig betreffen von Ängsten, Sorgen und Leid. Es sind aber nicht meine Gefühle, sondern die meines Gegenübers. Das mache ich mir immer wieder bewusst. So kann ich Empathie zeigen, ohne selbst am Leid anderer zu zerbrechen. Meine Spiritualität und mein Glaube helfen mir, wenn ich nicht so einfach loslassen kann.

Effenberger: Jeder Sterbeprozess ist auch ein Lebens- und ein Reifungsprozess. Wenn wir uns bewusst werden, dass unser Lebensende naht, relativieren sich viele Prioritäten, die wir zuvor gesetzt haben. Das macht vielen Menschen Angst, die sie verdrängen. Durch meine Erfahrungen mit Tod und Trauer verdränge ich schon lange nichts mehr. Im Gegenteil: Ich nehme die täglichen Schönheiten, Wunder und Herausforderungen sehr bewusst wahr. Für Situationen, die mich in besonders belasten, habe ich regelmäßig Supervisionen.


Foto: Florian von Ploetz

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