Tiere als Co-Therapeuten: Unsere Seelenhunde

Tiere helfen heilen. Immer häufiger arbeiten speziell Hunde als Co-Therapeuten – mit erstaunlichem Erfolg. Sie helfen etwa psychisch kranken Menschen, körperbehinderten Kindern und Erwachsenen oder von Demenz Betroffenen. Auch bei Vivantes gibt es tiergestützte Therapie.

„Die besten Tage sind die mit Hund“, sagt Erich, dabei strahlt er über das ganze Gesicht. Der 47-Jährige ist Patient in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Vivantes Klinikum Neukölln. Lange hatte er sein Zimmer nicht verlassen. Mit der Unterstützung von Groß-Elo Jacco und der Sozialpädagogin Susann Knapp traute er sich nach intensiver therapeutischer Behandlung Schritt für Schritt heraus.

Ein Hund hat keine Vorurteile
Warum ist die Arbeit mit Tieren so wirkungsvoll? Susann Knapp: „Tiere in der Therapie haben keine Vorbehalte. Sie gehen offen und ohne Vorurteile auf die Patientin oder den Patienten zu. So helfen sie auf spielerische Art und erleichtern den Kontakt zum Menschen. Behandlungen werden durch ihre Mitwirkung insgesamt effektiver.“

Messbare Erfolge
Die wissenschaftliche Forschung zur „Tiergestützten Therapie“ ist noch jung. Obwohl Quellen aus dem 8. Jahrhundert bereits auf Erfahrungen hinweisen, bezog man erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vereinzelt Tiere in die therapeutische Arbeit ein. Wer jemals einen Hund oder eine Katze besessen hat, weiß um die angenehme und beruhigende Wirkung dieses oft „besten Freundes“.

Die physiologischen Erfolge sind messbar: So wirkt das Streicheln eines Hundes blutdrucksenkend, seine Nähe lockert die Muskulatur und löst Verspannungen. Endorphine, sogenannte Glückshormone, werden ausgeschüttet, das Bindungshormon Serotonin wird freigesetzt. Studien belegen: Tierhalter weisen grundsätzlich weniger gesundheitliche Risikofaktoren wie erhöhte Blutwerte oder erhöhten Blutdruck auf, sie leiden seltener unter Herz-Kreislauf-Beschwerden.

Psychologische Effekte
„Tiere reduzieren Angst und Stress, vermitteln Geborgenheit, Freude und auch Akzeptanz. Sie können das Selbst- und Verantwortungsgefühl fördern“, erklärt Annika Dressler die psychologischen Effekte. Die Leitende Ergotherapeutin aus dem Vivantes Wenckebach-Klinikum hat mit ihrem inzwischen verstorbenen Labrador Joschi jahrelang auf der psychiatrischen Station positive Erfahrungen gesammelt.

Die besondere Beziehung zwischen Mensch und Tier wird ganz bewusst dazu eingesetzt, die psychische Gesundheit zu stärken und die soziale, emotionale und sogar kognitive Entwicklung zu fördern. Menschen mit einer Vielzahl an sozialen und psychischen Beeinträchtigungen finden den Weg zu neuer Lebensfreude und gesellschaftlicher Teilhabe.


Tier als Türöffner
Das bestätigt auch die Krankenschwester Marion Kuczera, die seit gut einem Jahr von ihrem dreijährigen Australian Labradoodle Melly ins Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum begleitet wird. Auf der Station 20 der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik bilden die beiden das zertifizierte „Therapiebegleithund-Team“. Sie beschreibt Melly liebevoll als „Türöffner“, der verschlossene Patientinnen und Patienten aus ihrer Isolation lockt. Doch sie traut dem sensiblen und gleichzeitig fröhlichen Hund noch mehr zu. „Ich kann mir gut vorstellen, dass Melly auf palliativen Stationen sinnvoll eingesetzt werden könnte und es ihr gelingt, den Menschen dort ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.“

Gehorsam und stressresistent
Hunde, die in der Therapie eingesetzt werden sollen, durchlaufen gemeinsam mit ihren Besitzern eine intensive einjährige Ausbildung: Sie müssen zu einem funktionierenden und belastbaren Team zusammenwachsen. Die Ausbildung ist nicht geschützt – eine seriöse Schule mit erfahrenen Hundetrainerinnen und -trainern müssen sich Mensch und Hund selbst suchen. Auch die Auswahl des Hundes muss sorgsam erfolgen. Susann Knapp: „Der Hund trägt eine große Verantwortung. Er muss unbedingten Gehorsam leisten, über einen gefestigten Charakter und eine gute Prägung verfügen, darf keinen Verteidigungstriebhaben. Dazu sollte seine Stresstoleranz hoch sein und seine Menschenfreundlichkeit sowie Spielfreude ausgeprägt. Das Vertrauen zwischen ihm und seinem Besitzer muss unerschütterlich sein.“

In Jacco fand die Sozialpädagogin den perfekten Teamgefährten – ihren „Seelenhund“. Neuneinhalb Jahre hat er sie begleitet, kürzlich ist er verstorben. Ihre große Trauer hat sie unter anderem in einem rührenden Nachruf verarbeitet – der schließt mit dem Satz: „Du warst als Hund der beste Mensch, den man zum Freund haben
konnte.“

Auch Esel Alpakas, Kaninchen und Bienen tun gut
Neben Hunden bereichern auch andere Tiere das Leben der Menschen. Das beginnt bei den Bienen, Meerschweinchen und Kaninchen und endet auch nicht bei Eseln, Alpakas, Hühnern und Schafen. Therapeutisches Reiten oder Delfintherapien sind spezielle, anerkannte Behandlungsoptionen, aber auch ein Streichelzoo, eine Voliere oder ein Aquarium schenken Lebensfreude und lenken von Schmerz und Einsamkeit ab. Erkrankte Menschen werden aktiver, kommunizieren mehr miteinander, fühlen sich gesünder und sind emotional ausgeglichener.

Der Artikel ist auch im Vivantes Magazin „gesund!“ Ausgabe 3/2019 auf Seite 12 und 13 erschienen.

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