Training für die Lunge – wie man sich mit Atemübungen bei COVID-19 selbst helfen kann

SARS-CoV-2 schädigt die Lunge – kann Atemtherapie da helfen? Ja, jeder könne selbst dazu beitragen, sein Atemvolumen zu verbessern, sagen Physiotherapeutinnen und -therapeuten. Allerdings: Fachliteratur und spezielle Empfehlungen gibt es bislang nur wenig. Die Physiotherapeut*innen vom Team im Vivantes Klinikum im Friedrichshain Carolin Prengemann und Christopher Otter erklären, welche Übungen sinnvoll sind und wieso man sie bei Atemwegserkrankungen so oft wie möglich machen sollte – nicht nur als COVID-19-Patientin oder -Patient.

Welche Atemübungen sind bei COVID-19 besonders effektiv?

Carolin Prengemann: Eigentlich ist eine Kombination von Übungen wichtig, denn jede hat ihre eigene Wirkungsweise. Daher haben wir alle in einem Flyer zusammengefasst. Aktuell wird allerdings in der Literatur die Bauchlage als ganz wichtig erachtet: Wer COVID-19 hat, sollte sich etwa zwei Stunden auf den Bauch drehen und alle 30 Minuten die Lage wechseln. Daran denken viele Menschen nicht, wenn sie krank sind – und manche sind auch so krank, dass wir sie wenig mobilisieren können. In der Bauchlage werden die hinteren, unteren Lungenflügel besser belüftet. Auf dem Rücken liegend sind diese eher minderbelüftet.

Christopher Otter: In Notsituationen kann die Lippenbremse helfen (siehe große Abbildung oben), etwa wenn man das Gefühl hat, dass man nicht genug Luft holen kann: Dann macht man Lippenbremse. Damit kann man sich dann meist auch selbst beruhigen.

Zum Team der Phsyiotherapie am Vivantes Klinikum im Friedrichshain, die COVID-19-Patienteninnen und -Patienten betreuen, gehören Carolin Prengemann (rechts im Bild), Andrea Malo (nicht im Bild) und Christopher Otter (rechts). - Foto: privat

Zum Team der Phsyiotherapie am Vivantes Klinikum im Friedrichshain, die COVID-19-Patienteninnen und -Patienten betreuen, gehören Carolin Prengemann (rechts im Bild), Andrea Malo (nicht im Bild) und Christopher Otter (links). – Foto: privat

Wie sind Sie darauf gekommen, eine Anleitung für Atemübungen für COVID-19-Erkrankte zu erstellen?

Prengemann: Wir sind als Physiotherapeuten auch auf den Coronastationen tätig und üben mit den Patientinnen und Patienten. Aber für jeden haben wir nur eine bestimmte Zeit. Die Übungen muss man jedoch öfter machen, damit sie wirken. Damit unsere Patientinnen und Patienten selbständig üben können, haben wir einen Flyer erstellt. Mit vielen Bildern, als Selbstanleitung. So kann jeder selbst maßgeblich dazu beitragen, gesund zu werden.

Otter: Unsere Erfahrung ist, dass eine schriftliche Anleitung dabei unterstützt, selbst zu üben. Wir haben Flyer mit Übungen für viele andere Fachrichtungen, etwa für Neurologie oder Gynäkologie. Für Corona gibt es jedoch bislang sehr wenig Fachliteratur, aber diese haben wir herausgesucht und mit unseren Erfahrungswerten zusammengeführt. Unsere Anleitung werden wir sicherlich noch weiterentwickeln, denn es wird ja weiter geforscht und es werden immer mehr Erkenntnisse zu COVID-19 gesammelt. 

Helfen diese Übungen auch anderen Patient*innen, die nicht an Corona leiden?

Prengemann: Ja, für alle Patientinnen und Patienten mit Atemwegserkrankungen ist es gut, Atemtherapie zu machen, insbesondere etwa bei COPD (chronic obstructive pulmonary disease oder chronisch-obstruktive Lungenerkrankung). Also: Immer, wenn jemand respiratorisch schlecht ist – das bedeutet, dass er oder sie quasi nicht tief genug Luft holen kann und dann findet nur ein reduzierter Gasaustausch statt. Die Übungen können helfen, das zu ändern.

Wie schnell lernen denn die Patient*innen die Atemtherapie?

Otter: Ehrlicherweise muss man sagen: Nicht jeder kann das alleine umsetzen. Aber dafür sind wir ja da. Manche Patientinnen und Patienten sind auch allgemein oder respiratorisch zu schwach. Dann schauen wir, was geht und was sinnvoll ist.

Prengemann: Wir von der Physiotherapie erklären alles und dann kann man bei uns beim nächsten Mal fragen, wenn man etwas vergessen oder nicht verstanden hat. Das Wichtigste ist, dass die Menschen verstehen, wie wichtig es ist, dass sie selbst üben. Ziel ist es, dass sie dies in den Krankenhausalltag und dann auch zuhause in den Alltag integrieren.

Wie häufig sollte man denn die Lunge trainieren?

Prengemann: So oft wie möglich, bis das ganz automatisch geht. Je öfter man trainiert, desto besser wird es. COVID-Patientinnen und -Patienten können dann etwa bei trockenem Husten das Sekret, das festsitzt, besser abhusten.

Wie schnell spürt man die Verbesserungen?

Otter: Nach ersten Tagen spüren die meisten Menschen schon erste Erfolge, das motiviert dann sehr. Aber das muss man eben erstmal tagelang machen.

Was sind die häufigsten Fehler?

Otter (lacht): Der häufigste Fehler ist es, die Übungen nicht zu machen.


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