Untröstlich? Hilfe für Babys, die viel weinen – und für ihre Eltern

Warum weinen Babys? Wieviel Weinen und Schreien ist normal? Und ab wann ist ein Baby ein „Schreibaby“? Wenn der Nachwuchs oft und untröstlich weint und wenig schläft, kann der Alltag für die Eltern zur Belastung werden. In einer speziellen Sprechstunde im Vivantes Klinikum Kaulsdorf bietet Leonore Schicktanz Beratung für Eltern mit unruhigen Babys.

Weinen ist die Sprache der Babys
Die Geburt eines Kindes zieht eine Fülle von Veränderungen nach sich und oft fühlen sich Eltern hilflos und erschöpft, wenn sich Säuglinge in den ersten Wochen und Monaten nicht beruhigen lassen, lange schreien und wenig schlafen. Babys weinen nicht nur weil sie Bedürfnisse haben („Bedürfnisweinen“), sondern auch weil sie sich erinnern und verarbeiten, was sie bisher erlebt haben: vorgeburtlich, die Geburt und ihre Erfahrungen nach der Geburt.  („Erinnerungsweinen“). 

Wenn Babys viel und untröstlich weinen, wenig schlafen und unruhig sind, kann es sein, dass sie ihre ersten Lebenserfahrungen verarbeiten. Genau wie bei uns Erwachsenen lösen Stress, Angst und Schmerzen heftige Gefühle aus“, sagt Leonore Schicktanz. Sie ist Diplom-Sozialpädagogin, prä-und perinatale Körpertherapeutin, Babylotsin, Elternkursleiterin, Babymassageanleiterin und selbst Mutter von drei Kindern. Weinen ist die Sprache der Babys. Kinder brauchen dann Eltern, die zuhören und sie trösten, erklärt Leonore Schicktanz: „Da Babys mit allen Sinnen sehr sensibel wahrnehmen können, verstehen sie auch die mitfühlenden Worte ihrer Eltern. Sie fühlen sich dann verstanden, reagieren mit Erleichterung und fühlen sich ‚getröstet‘.“

Leider sind zum Babyweinen immer noch zwei Irrtürmer weit verbreitet, nämlich 1.), dass es etwas Schlechtes bzw. Schlimmes ist, wenn Babys weinen und es weggemacht werden muss und 2.), dass Eltern etwas falsch gemacht haben. Aber durch Weinen kann sich das Baby (auch das Kind oder der Erwachsene) emotional entlasten und somit ist Weinen ein Prozess der Heilung. Wenn Eltern dieses wissen – und sich eben nicht schlecht oder unfähig fühlen, weil sie denken, dass sie die Bedürfnisse ihres Babys zu wenig beachtet haben – dann können sie viel sicherer und verständnisvoller für ihr Babys da sein und es beim Weinen einfühlsam begleiten.

Baby Hand

Sprechstunde für unruhige Babys

Voraussetzung ist, dass eventuelle körperliche Ursachen vom Kinderarzt oder der Kinderärztin sowie mögliche Blockaden durch entsprechend ausgebildete Osteopathinnen und Osteopathen abgeklärt und behandelt wurden. Hilfe für weinende Babys bieten zum Beispiel SchreiBabyAmbulanzen oder Eltern-Säuglings-Therapien. In der Klinik für Geburtsmedizin im Vivantes Klinikum Kaulsdorf finden Eltern Rat in der „Sprechstunde für unruhige Babys“: Mit sanften, körperorientierten Methoden werden die Eltern mit ihrem Baby unterstützt, die Ursachen der Spannungszustände sichtbar zu machen, um sie integrieren zu können, damit eine sichere Anbindung zwischen Mutter und Kind möglich wird. Die Eltern werden ebenfalls darin unterstützt, die eigenen Kräfte und Ressourcen wieder zu entdecken, um so wieder mehr in die Entspannung zu kommen.

Es gibt zwar eine Definition zum „Schreibaby“ (ein Baby, dass täglich mehr als drei Stunden an mindestens drei Tagen der Woche über mehr als drei Wochen aus unerklärlichen Gründen schreit und sich kaum beruhigen lässt), aber entscheidend ist, wie Eltern das selbst empfinden.

Was können Eltern tun, bevor sie die Geduld verlieren?

Babygeschrei kann wütend machen und zur Verzweiflung und Erschöpfung führen. Umso wichtiger ist es, darüber zu reden und sich Hilfe oder Beratung zu holen.
Sollten Sie dennoch:
• am Ende Ihrer Kräfte sein
• merken, dass Sie die Geduld verlieren,

dann:
• Legen Sie Ihr Baby an einem sicheren Ort auf dem Rücken ab.
• Verlassen Sie kurzzeitig das Zimmer. Vermutlich wird Ihr Baby weiter schreien,
aber für eine kurze Zeit schadet ihm das nicht.
• Versuchen Sie sich zu sammeln.
• Atmen Sie ruhig ein und aus: „Bauchatmung“
• Trinken Sie etwas.
• Holen Sie sich Hilfe.
• Gehen Sie wieder zu Ihrem Baby.
• Nehmen Sie Ihr Baby liebevoll und fest in den Arm und sprechen Sie mit ihm.
• Wenden Sie sich z. B. an: Hilfsangebote, professionelle Unterstützung (siehe unten)

Was passiert, wenn ich mein Baby schüttele?

Ein Säugling hat aufgrund seiner schwachen Nackenmuskulatur noch kaum Kontrolle über seinen Kopf. Hinzu kommt, dass der Kopf eines Neugeborenen im Vergleich zum Rumpf sehr groß und schwer ist. Durch das Schütteln können bleibende Schäden am Gehirn Ihres Babys entstehen. Es kann zu Hirnblutungen kommen. Werden Zellen im Gehirn verletzt, kann die Atmung aussetzen.

Notfallnummern und Links – wenn nichts mehr geht

Telefonseelsorge
Tel. 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222

Nummer gegen Kummer – Elterntelefon
Tel. 0800 111 0550

Überregionaler Bereitschaftsdienst
Tel. 030 390 63 00
(Nachts von 24 bis 8 Uhr sowie an den Wochenenden und Feiertagen von 8 bis 16 Uhr. In dringenden Fällen Hausbesuche, Arzt oder Ärztin in Rufbereitschaft)

Schreibabyambulanzen

www.rueckhalt.de

Sprechstunde für unruhige Babys – Termine nach Vereinbarung
Vivantes Klinikum Kaulsdorf
Leonore Schicktanz
Telefon: 030 130 17 2155
Email: leonore.schicktanz@vivantes.de
Myslowitzer Straße 45
12621 Berlin

Mehr Infos zum Download:Flyer Schreibaby – Nicht schütteln

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