Wie essen wir uns gesund?

Was wir essen, hat einen großen Einfluss auf unsere Gesundheit. Essen kann unser Wohlbefinden vergrößern – uns aber auch krank machen. Wenn man ernährungsbedingt erkrankt, kann es zu schwereren Krankheitsverläufen kommen oder die Genesung verzögert sich. Vivantes screent alle Patientinnen und Patienten und entdeckt so mögliche Risikofälle.

Katharina Plehm, Zentrum für Ernährungsmedizin

Ernährungstherapeutin Katharina Plehm vom Vivantes Zentrum für Ernährungsmedizin spricht im Interview über gesunden Lebensstil, Diäten, die neusten Erkenntnisse auf ihrem Fachgebiet und gibt hilfreiche Tipps für eine gute Ernährung.

Fällt das Stichwort Ernährung, meldet sich bei den meisten sofort das schlechte Gewissen. Viele Menschen wollen gesünder essen, doch Fast Food, Gummibärchen, Nudeln mit Sahnesoße schmecken einfach zu gut, und Verzichten fällt schwer. Also wird mit schlechter Laune die nächste Diät zur Sommer- Bademoden-Figur eingeplant. Wie ernsthaft man sich allerdings mit dem Thema Ernährung auseinandersetzen sollte, verdeutlicht diese aus Studien gewonnene Erkenntnis: Mehr als 80 Prozent unserer Erkrankungen werden durch falsche Ernährung verursacht oder verschlimmert.

Was Ernährung mit unserem Körper macht

Durch Essen und Trinken wird unser Organismus mit Makronährstoffen wie Kohlenhydraten, Fetten, Eiweißen und Mikronährstoffen wie Vitaminen und Spurenelementen versorgt. Die moderne ernährungsmedizinische Forschung untersucht, wie Lebensmittel auf unseren Körper wirken. Die Aufgabe von Ernährungsmedizinerinnen und -medizinern ist es, durch eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten Krankheiten ihrer Patientinnen und Patienten zu heilen oder zu lindern.

Falsche Ernährung kann krank machen

Im Vivantes Zentrum für Ernährungsmedizin (ZEM) betreuen vier Ernährungswissenschaftlerinnen und eine Diätassistentin alle stationär bei Vivantes aufgenommenen Patientinnen und Patienten, die unter einer ernährungsbedingten Erkrankung leiden. Ein Schwerpunkt dabei ist die Erfassung, Versorgung und Therapie von Erkrankten, die „mangelernährt“ sind. Ein Zustand, der aus einer mangelnden Zufuhr oder Aufnahme von Energie und Nährstoffen über die Nahrung entsteht. Er führt zu einer veränderten Körperzusammensetzung und ist mit messbaren Veränderungen von körperlichen und mentalen Funktionen verbunden. Die Folge ist eine schlechte Prognose – zum Krankheitsverlauf und zur Gesundung.

Ernährungszustand von Patienten: Screening eingeführt

In den letzten Jahren hat Vivantes an all seinen Krankenhausstandorten ein „Screening“ (automatisches Testverfahren) eingeführt, das den Ernährungszustand
der Patientinnen und Patienten erfasst und damit Risikofälle erkennt. So kann das Team des ZEM sofort mit entsprechender Versorgung und Therapie beginnen und den Genesungsprozess positiv beeinflussen. Das ZEM bietet darüber hinaus ernährungsmedizinische Sprechstunden an, organisiert Patientenschulungen und -seminare wie auch Vivantes interne Fortbildungen.

Frau Plehm, Sie sind Ernährungstherapeutin. Was ist Ihr Tipp für einen gesunden Lebensstil?

Vollwertig, ausgewogen und vor allem abwechslungsreich essen und trinken, möglichst nach den „zehn Regeln“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, zu finden unter www.dge.de. Dazu viel Bewegung, die vor allem aber auch Spaß machen soll!

Lässt sich mit einem vitalen Lebensstil auch das Körpergewicht dauerhaft reduzieren?

Ja. Diäten sind schwer durchzuhalten, der Jo-Jo-Effekt ist dabei hoch, sodass sie nur kurzfristig wirken. Grundsätzliche Verhaltensänderungen hin zu einer gesunden Ernährung mit viel Bewegung sind auch langfristig erfolgreich. Dabei ist es wichtig, die eigenen Gewohnheiten, Handlungen und Auslöserreize genau zu analysieren und zu hinterfragen, seine Bedürfnisse dabei zu beachten und sich selbst nichts zu verbieten. So lässt sich das Verhalten am besten erfolgversprechend „umlernen“.

Was halten Sie vom aktuell stark diskutierten Trend, dem Intervallfasten?

Man sollte wissen: Das Intervallfasten, auch „intermittierendes Fasten“ genannt, ist eine
Diät. Das Konzept schreibt vor, tage- oder stundenweise auf Mahlzeiten zu verzichten. Der Verzicht soll sich gesundheitsfördernd auf den Stoffwechsel auswirken. Eine ernährungswissenschaftliche Bewertung ist aktuell noch schwierig. Gründe dafür sind die geringe evidenzbasierte Datenlage und die Heterogenität der Studien. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hält Intervallfasten für nicht sinnvoll. Aus meiner Sicht ist es vor allem schwierig, diese Ernährungsform langfristig durchzuhalten.

Was hilft bei der Umstellung auf einen gesünderen Lebensstil?

Zunächst einmal sollte man sich nicht zu viel auf einmal vornehmen und sich realistische Ziele setzen. Zwei Beispiele: Statt „Ich laufe täglich 10.000 Schritte“ besser die flexible Verhaltenskontrolle „Ich laufe in der kommenden Woche 70.000 Schritte“ wählen, und statt „Ich esse nie mehr Schokolade“ könnte der gute Vorsatz zunächst „Ich versuche in der nächsten Woche mit einer Schokoladentafel auszukommen“ lauten.

Will man gesund leben, kommt man um Sport und Bewegung also nicht herum?

Ja, das gehört unbedingt zusammen. Um eine erfolgreiche Verhaltensänderung in den erwähnten Bereichen zu erreichen, muss man sich aber zunächst sein aktuelles Verhalten bewusst machen. Der Wunsch nach Veränderung muss stark und die Auswirkungen, auch auf das persönliche Umfeld, müssen zu bewältigen, also akzeptabel sein. Schaffen Sie sich eine Motivation! Hat man einen guten Vorsatz, dann sollte man zeitnah den ersten kleinen Schritt in die richtige Richtung gehen: zum Beispiel ein Informationsgespräch mit seinem Arzt führen oder einen Termin zum Probetraining im Fitnessstudio oder Sportverein verabreden.

Wie lange dauert eine Umstellung des Ess- und auch Bewegungsverhaltens?

Das ist abhängig von der jeweiligen Person. Rund zwei bis sechs Monate sollte man einplanen, bis die Umstellung zur Routine geworden ist. Hilfreich dabei: eine „Erinnerung“ oder ein „Symbol“, die an das neue Verhalten erinnern, zum Beispiel ein Foto, ein Spruch, ein Versprechen.

Und wo lauern die Fallen?

Besonders in Stresssituationen kann es zu Rückfällen kommen, da greift man gern auf alte „bewährte“ Gewohnheiten zurück. Danach sollte man sich aber nicht von seinen guten Vorsätzen verabschieden, mit einem schlechten Gewissen, sondern sich den Rückfall schnell verzeihen und weitermachen!

www.vivantes.de/huk/ernaehrungsmedizin

Kontakt

Zentrum für Ernährungsmedizin
im Vivantes Humboldt-Klinikum
Am Nordgraben 2
13509 Berlin
Tel. 030 130 12 1694-87 oder -94

Zentrum für Ernährungsmedizin
im Vivantes Klinikum Spandau
Neue Bergstraße 6
13585 Berlin Spandau
Tel. 030 130 13 1157 58-57/-58

katharina.plehm@vivantes.de

Dieser Artikel ist im Vivantes Patientenmagazin gesund! Ausgabe 1/2019 erschienen. https://www.vivantes.de/service/patientenmagazin/


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