Wie im „echten Leben“ – Azubis leiten Operationssaal

Eine Woche lang übernahmen Auszubildende für den Beruf der Operationstechnischen Assistenten im Januar 2019 die Organisation (Personalplanung der pflegerischen Mitarbeiterinnen im OP) und die tägliche Arbeit des Funktionsdienstes der OP-Abteilung im Vivantes Klinikum Spandau. Ein Netz und einen doppelten Boden gab es bei dieser sogenannten „Schulstation“ trotzdem: Erfahrene Praxisanleiterinnen und –anleiter sowie Mitarbeiterinnen der Abteilung betreuten die angehenden OTA, sahen ihnen bei der Arbeit über die Schulter und griffen bei Fragen ein.

Im Kurztagebuch schreibt Azubi Philip Karhan von seiner aufregenden Woche. Auch der Schulleiter Benny Neukamm, die betreuende Lehrkraft Ioana-Bianca Fröse und die pflegerische Leiterin des OP-Bereichs Ines Kuhl erzählen von der besonderen Premiere.

Wie sehen die Aufgaben aus, die ausgelernte OTA später erfüllen?

Ines Kuhl, pflegerische Leiterin des OP Bereichs: „Die OTAs sind vor, während und nach der Operation entscheidend für optimale Abläufe und die Betreuung der Patienten. Sie bereiten den Operationssaal vor und sorgen dafür, dass alle nötigen Instrumente verfügbar sind, sie unterstützen während der OP, instrumentieren und kennen sich sehr gut mit den medizinischen Apparaten und z.B. Implantaten aus. Sie überwachen außerdem die Patientensicherheit und die Einhaltung hygienischer Vorschriften.“

1. Tag: Alle waren aufgeregt und gespannt! Was erwartet uns? Wie fühlt es sich an, plötzlich selbst Entscheidungen treffen zu müssen? Das Fachpersonal musste letztlich häufiger gefragt werden, als gedacht. Die Praxisanleiter waren aber eine große Unterstützung!

2. Tag: Nicht nur in den Sälen konnten wir Azubis durchstarten, sondern auch im Büro der OP-Leitung. Da wurde erst einmal klar, wie wichtig die Kommunikation zwischen dem Früh-, Zwischen- und Spätdienst ist!

Benny Neukamm, Pflegepädagoge und Leiter der OTA-Schule im Institut für berufliche Bildung im Gesundheitswesen: „Kommunikation im Team ist das Allerwichtigste für einen geregelten Tagesablauf! Die Vorbereitung der Materialien für die Operationen des Folgetages lief zwar noch nicht glatt – aber auch das war eine wichtige Erfahrung! Diese fließt zurück in den theoretischen Unterricht um die Kommunikationsprozesse im Nachgang zu reflektieren und zu verbessern.“

3. Tag: Nach und nach durften wir bei komplexeren Operationen instrumentieren, die wir bisher nicht so häufig gesehen hatten. Gut, dass die Ärztinnen und Ärzte so verständnisvoll waren!

Benny Neukamm: „Wir etablierten im Rahmen des Projektes tägliche Feedbackrunden, damit die Azubis Wissen dazugewinnen und aus dem realen Alltag lernen konnten.“

4. Tag: Auch wenn wir vor dem Projekt zwei Tage im Klinikum Spandau hospitiert hatten, funktionierten die Aufgabenteilung und der Austausch untereinander erst heute reibungslos. Probleme wie fehlende Siebe, die wir nicht rechtzeitig an die Zentralsterilisation gemeldet hatten oder nicht aufgefüllte Materialien kamen nicht mehr vor.

5. Tag: Am letzten Tag gab’s ein gemeinsames Frühstück. Am liebsten hätten wir eine weitere Woche drangehängt und das Projekt fortgesetzt! Wir danken allen an dem Projekt Beteiligten und hoffen, dass die nachfolgenden Kurse auch die Chance auf eine Schulstation bekommen!

„Das außergewöhnliche Projekt fördert die Selbständigkeit und das kreative Lernen der Auszubildenden“, meint auch Ioana-Bianca Fröse, künftige Medizinpädagogin und Fachkraft für operative und endoskopische Pflege. „Und es bereitet hervorragend auf die berufliche Wirklichkeit vor!“.

Der Schulleiter Benny Neukamm und die Projektverantwortliche Ioana-Bianca Fröse sind sich einig, dass selbstständige Entscheidungen in einer realen OP-Situation und die eigene Suche nach Lösungen die Sicherheit und Selbstständigkeit der Azubis fördert und ihr Grundlagenwissen festigt. Damit ist das Projekt eine wichtige Schnittstelle in der Lernortkooperation und vermittelt den Übergang von der Theorie zur Praxis. Auszubildende können ihre Fragen stellen, Praxisanleiter*innen und Lehrkräfte nehmen gemeinsam Stellung. Davon profitiert auch die Abteilung und entwickelt sich weiter.


Fotos: Vivantes/Benny Neukamm

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