„Wir suchen noch dringend Personal“ – Wie wird es sein, im Corona-Behandlungszentrum zu arbeiten?

Die Betten stehen, die Schutzkleidung liegt bereit, die Materiallager sind gefüllt: Das Corona-Behandlungszentrum Jafféstraße auf dem Berliner Messegelände ist fertig. Knapp 500 Patientinnen und Patienten können hier im akuten Fall einer weiteren Corona-Infektionswelle auf medizinisch hohem Niveau behandelt werden. Was noch fehlt ist Personal – insbesondere Pflegekräfte, Notfallsanitäterinnen und -sanitäter sowie Unterstützer beispielsweise für Logistik, Lagerwirtschaft, Reinigung oder Patiententransporte.

Peggy Dubois, Pflegedirektorin im Vivantes Klinikum Neukölln und Prof. Dr. Wulf Pankow, ehemaliger Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Pneumologie und Infektiologie im Vivantes Klinikum Neukölln, übernehmen die pflegerische und ärztliche Leitung und erläutern im Interview, wie die Arbeit am neuen Standort des Corona-Behandlungszentrums konkret aussieht.

Sie waren beide schon öfter im fertiggestellten Behandlungszentrum auf dem Berliner Messegelände und werden es leiten. Wie kann man sich das Arbeiten dort vorstellen?

Peggy Dubois: Auch wenn es für die Notfallversorgung gedacht ist, sind die Bedingungen wirklich sehr gut. Es ist geräumig, luftig und hat eine medizinisch und pflegerisch hochwertige Ausstattung. Wir werden dort in multidisziplinären Teams aus examinierter Pflege, Medizin und einem Unterstützer arbeiten. In jeder Unit wird es fertig vorgepackte Arbeitswagen geben, in denen das medizinische Material, sowie die Pflegearbeitsmittel immer an der gleichen Stelle zu finden sind. Ebenso sind Wäschewagen in Reichweite, damit die Arbeitswege in der großen Halle möglichst klein bleiben.

Wulf Pankow: Wir können hier Medizin auf hohem Niveau anbieten. Es ist ja so gedacht, dass wir erst übernehmen, wenn die regulären Krankenhäuser voll sind. Zunächst also eher  die leichteren Fälle, aber wenn es auf den Intensivstationen eng wird, sind wir hier in der Lage, intensivmedizinisch zu behandeln. Auch diagnostisch haben wir mit Computertomographie, Ultraschall, Bronchoskopie, Blutgasanalyse und EKG einen sehr hohen Standard.

Welche Qualifikationen sollten die Bewerberinnen und Bewerber mitbringen?

Wulf Pankow: Im ärztlichen Bereich brauchen wir vor allem die Kernbereiche: Innere Medizin, Anästhesie, Chirurgie. Im Prinzip ist uns jede und jeder willkommen, die oder der internistische Grundkenntnisse hat – vom Facharzt oder Fachärztin bis zum Berufsanfängerinnen und -anfängern, und auch Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen. Wir haben von ärztlicher Seite bisher eine ganz gute Rückmeldung. Bei der Pflege sieht es da anders aus.

Peggy Dubois: Absolut. Wir suchen dringend examinierte Pflegekräfte, examinierte Altenpflegekräfte, einjährig ausgebildete Krankenpflegehelferinnen und -helfer, medizinische Fachangestellte, Pflegeassistentinnen und -assistenten und Stationsassistentinnen und-assistenten oder auch Notfallsanitäterinnen und -sanitäter. Ganz wichtig sind aber auch Unterstützer ohne bestimmte medizinische Qualifikation, die in der Logistik in der Halle, der Lagerwirtschaft und im Patiententransport mitarbeiten. Oder die zum Beispiel dafür sorgen, dass immer genug Material für die Krankenversorgung vorhanden ist.

Wieviel Zeit sollte man für die Mitarbeit haben?

Peggy Dubois: Wir arbeiten prinzipiell genau wie in der Klinik im Drei-Schicht-System. Innerhalb dieser Schichten sind alle Teilzeitmodelle denkbar. Wenn jemand pro Woche auch nur eine Schicht übernehmen kann, ist das möglich und eine Hilfe. Die Mitarbeitenden geben ihre Verfügbarkeiten an und wir planen entsprechend nach Wunsch die Dienste.  Gerade in den unterstützenden Bereichen wie beispielsweise Logistik brauchen wir jede helfende Hand.

Wie bereiten Sie die Mitarbeitenden auf den Ernstfall vor?

Wulf Pankow: Wir arbeiten mit einem Kernteam, das sich zum Teil aus Vivantes-Beschäftigten zusammensetzt. Dieses Team soll mit den Örtlichkeiten und Abläufen vertraut sein, um andere Mitarbeitende im Ernstfall einzuweisen und zu beraten. Dazu organisieren wir ein dreitägiges Schulungsprogramm. Dies wird teilweise vor Ort stattfinden, um die Räume kennenzulernen, teilweise virtuell. Es soll dann regelmäßig eine kleine Auffrischungsschulung geben, damit alle gut eingearbeitet sind, sollte es losgehen.

Zu Beginn der Pandemie las man in den Medien immer wieder, dass es nicht ausreichend Schutzkleidung für medizinisches Personal gegeben haben soll. Wie schützen Sie Ihre Mitarbeitenden?

Peggy Dubois: Der Gesundheitsschutz für die Mitarbeitenden hat absolute und oberste Priorität für uns alle, angefangen vom Planungsteam bis zu den Verantwortlichen vor Ort.  Die Halle darf im Ernstfall natürlich nur in Schutzkleidung betreten werden, denn wir versorgen dort ausschließlich definitiv nur COVID-19 erkrankte Patientinnen und Patienten. Es ist also auf jeden Fall ausreichend Schutzkleidung vorhanden. Das macht das Arbeiten allerdings auch sehr anstrengend. Wir werden daher in jedem Fall für regelmäßige Pausen sorgen. Dafür sind Flächen im Innen- und Außenbereich geplant.

Wulf Pankow: Ja, das ist enorm wichtig. Wir haben auf dem Messegelände ein eigenes Zentrum für Logistik und Personal. Dort gibt es Ruhe- und Arbeitsräume und auch eine eigene Speisenversorgung für die Mitarbeitenden.

Wie sieht es mit der Bezahlung aus?

Peggy Dubois: Wenn wir die Halle in Betrieb nehmen ist geplant, dass die Mitarbeitenden – teilweise auf Abruf – bei Vivantes angestellt und analog zum Tarif des öffentlichen Dienstes  (TVöD) bezahlt werden.

Im Moment – Mitte Mai – sehen die Infektionszahlen ja gut aus. Wie ist Ihre Einschätzung – werden wir das Behandlungszentrum brauchen?

Peggy Dubois: Wir haben natürlich beide keine Glaskugel. Aber zu diesem Zeitpunkt kann sicher auch niemand eine zweite Welle ausschließen. Und wenn diese kommt, dann kann alles ganz schnell gehen. Deswegen wäre mein Appell:  Seien wir lieber gemeinsam gut vorbereitet und bleiben am Ende alle gesund, als dass wir in überfüllten Krankenhäusern nicht mehr alle Patientinnen und Patienten behandeln können und keine Ausweichmöglichkeiten haben. Ich hoffe, dass wir nicht Zustände, wie wir sie in Italien und Frankreich in den Medien gesehen haben, erleben müssen. Die Einrichtung der Behandlungszentren soll genau dies verhindern.

Wulf Pankow: Wir können mit dem Kernteam aus dem Stand knapp 90 Betten in kurzer Zeit in Betrieb nehmen. Nach Bedarf und in Abhängigkeit vom Personal steigern wir dann die Belegung. Wir hoffen alle, dass wir das Behandlungszentrum nie brauchen werden, aber im Ernstfall werden wir hinterher dankbar sein, dass wir so professionell vorbereitet waren. Das nimmt auch Druck vom Klinikpersonal. Wir stellen sicher, dass sich die dramatischen Verhältnisse in den Auslandskliniken am Anfang der Epidemie bei uns nicht wiederholen.

Wer im Corona-Behandlungszentrum mitarbeiten möchte, findet weitere Informationen und die Möglichkeit zur direkten Bewerbung unter www.corona-zentrum-berlin.de

 

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